Samstag, 1. Juli 2006, von Elmar Leimgruber

Uwe Kröger, DAS Phantom der Oper (gesehn am 30.6.2006)

Ok, zugegeben bei der Friedhofszene spielte Krögers Stimme nicht immer mit und auch sonst an manchen Stellen im “Phantom der Oper” verließ den Musical-Weltstar kurzzeitig die Stimme: Natürlich tut das weh, aber nicht sosehr wie peinlich und extrem schwach die deutsche Film-CD “Phantom der Oper”mit Uwe Kröger als Phantom ist. Aber das ändert nichts daran, dass Uwe Kröger für mich DAS “Phantom der Oper” ist: Er hat diese Sentimentalität, diese tiefe Trauer und gleichzeitig Stärke in seiner Stimme, die unvergleichlich ist. Wer Musical- oder Phantom-Fan ist, muss Kröger als Phantom der Oper sehen; daher war ich auch am 30. Juni in Essen, um ihn live zu erleben.

Und diese Aufführung der Stage Entertainment lohnt sich nicht nur wegen Kröger, sondern insgesamt: Anne Görner ist die beste deutschsprachige Christine, die ich jemals live erlebt habe; auch von Renee Weibel als Meg dürfte in Zukunft noch viel zu hören sein. Und auch Nikolaj Alexander Brucker als Raoul sowie Annette Kuhn als Madame Giry singen vorbildlich.

Was mich hingegen absolut positiv überrascht hat, waren Orchester und Dirigent: Ich bin von den Wiener Musical-Aufführungen gewohnt, dass das Orchester der Vereinigten Bühnen Wien jeweils Power hat und dass vor allem von Caspar Richter sehr energiegeladen und stimmungsvoll dirigiert wird. Das vermisste ich bisher bei Musicals in Deutschland. In Essen ist es anders: das Orchester hat Power und Bob Edwards ist ein sensationell guter Dirigent mit viel Feingefühl in allen Stücken.

Das “Phantom der Oper” in Essen ist insgesamt unbedingt zu empfehlen.

Donnerstag, 29. Juni 2006, von Elmar Leimgruber

Startschuss für Vampire-Jagen in Berlin

Star-Regisseur Roman Polanski persönlich hat im Berliner Theater des Westens die Vampire und deren Opfer ausgesucht und nun läuft der Countdown für den “Tanz der Vampire”: im Oktober beginnen die Proben, am 10. Dezember steigt die Premiere in jenem ehrwürdigen Haus.
Bereits jetzt können Tickets für das Erfolgsmusical geordert werden.
Der Inhalt des Musicals “Tanz der Vampire” von Jim Steinman (Produzent und Songschreiber u.a. von Meat Loaf, Bonnie Tyler und Mr. Musical Himself Sir Andrew Lloyd Webber ) und Michael Kunze geht auf Roman Polanski und seinen gleichnamigen Film zurück. Das Musical erlebte seine Weltpremiere in Wien und wird nun nach Köln und Hamburg auch in Berlin aufgeführt.
In das Musical reinhören…

Montag, 26. Juni 2006, von Elmar Leimgruber

Flying Pickets live: GEIL:-)

Die Flying Pickets, bekommt man live ja nicht mehr allzu oft zu sehen; jetzt waren sie am Wiener Donauinselfest zu erleben.
Sie sind seit anfang der 80er Jahre und bleiben DIE Acapalla-Formation: ich kann sie nur bewundern und bejubeln: das ist wahre Kunst.

Sonntag, 25. Juni 2006, von Elmar Leimgruber

Indianer in Wien

Ja, es ist wirklich so: ich war am Samstag abend persönlich vor Ort auf der Wiener Donauinsel: Mann war da was los: Lauter Indianer.
Und damit meine ich nicht mal die vielen Besoffenen, die es weder schaffen, gerade zu gehen, noch sich bewegen können, ohne andern anzurempeln oder aus nichtigen Gründen anzubrotteln. Sowas gehört aber ja auch offenbar mit dazu zum Donauinselfest.
Was ich wirklich meine, das sind echte Indianer, die auf der Insel ihre Tänze und Gesänge in voller Tracht und Kopfschmuck vorführen; und zwar nicht nur eine Gruppe: allein drei verschiedene Formationen habe ich schon schon bemerkt.
Es tut gut, kulturell auch mal das Ur-Amerika in Wien zu erleben.
Einen Audiobeitrag zu diesem Thema können Sie auf meiner neuen Homepage http://www.meinsenf.net anhören.

Mittwoch, 21. Juni 2006, von Elmar Leimgruber

meinsenf.net mit humorvollen Kritiken und Audiobeiträgen (Podcast)

Endlich geht ein langersehnter Wunsch von mir in Erfüllung: Meine neue Homepage http://www.meinsenf.net ist online.
Hier erwarten Sie Kritiken, Kommentare, Meinungen zu allen Themen, die mich wenigstens entfernt interessen, und dies humorvoll aufbereitet.
Und damit dies doppelt Spaß macht, sind viele Beiträge nicht nur als Texte, sondern auch als Audiofile (Podcast) – abspielbar durch jeden MP3-Player -verfügbar.
Viel Vergnügen damit.
Elmar Leimgruber

Freitag, 16. Juni 2006, von Elmar Leimgruber

Paul McCreesh, der junge Hogwood

Im fernen Jahr 1973 gründete der Musikwissenschaftler und -Pädagoge Christopher Hogwood die Academy of Ancient Music, eine Formation von hochtalentierten jungen Musikern, die sich nicht nur rhythmisch und geschwindigkeitsmäßig auf die authentische Interpretation alter Musik spezialisieren sollten, sondern auch durch die Verwendung historischer Instrumente aus jeder Zeit, in der die Werke komponiert wurden.
Seither versuchten sich viele Künstler in demselben Genre (u.a. Roger Norrington, Nikolaus Harnoncourt, John Eliot Gardiner, William Christie, Trevor Pinnock, Paul Goodwin), Hogwood, das Original, blieb hingegen unerreicht.
In der Zwischenzeit wuchs eine neue Generation von Musikern heran: einer von diesen, Andrew Manze, ist heute der Nachfolger von Trevor Pinnock als Chef des English Concert. Vorher war er im Orchester Hogwoods als Solist an der Violine und als Dirigent tätig und wurde innerhalb kürzester Zeit Co-Chef der Academy. Auch die Bekanntheit von Cecilia Bartoli ist übrigens maßgeblich Christopher Hogwood zu verdanken, der sie schon in seinen frühen Einspielungen musikalisch verewigte.
Neben Andrew Manze ist DER musikalische Newcomer einer neuen Generation Paul McCreesh. Genauso wie Hogwood seinerzeit geht McCreesh heute einen ganz neuen Interpretationsweg im Bereich der sogenannten Alten Musik. Er interpretiert noch frischer, noch lebendiger, noch aufmüpfiger als Hogwood und es ist ein musikalischer und künstlerischer Hochgenuß, beispielsweise seine Einspielung von Händels “Messias” zu hören.
McCreesh hat mit seinem Ensemble Gabrieli Consort in diesem Jahr sein Spektrum erweitert und in London ein von der großen Öffentlichkeit beinahe unbemerktes Mozart-Konzert* gegeben, dem ich am 14. Juni beiwohnen durfte.
McCreesh ist ein großartiger und feinfühlender Musiker und Orchesterleiter und er interpretiert lebendig und begeistert, so dass der Kulturliebhaber sich nur ebenfalls begeistert freuen kann. Paul McCreesh ist heute DER musikalische und künstlerische Innovator, der seit 1973 Christopher Hogwood war.
Und was ist mit Hogwood heute? Ist er ausgelaugt, müde?
Nein, keinesfalls, er ist das, was ein großer Musiker und Wissenschaftler immer ist, weiter innovativ und auf neuen, vollständig anderen Ufern unterwegs: Er, der bisher nur bekannte Experte für Alte Musik, veröffentlicht seit einigen Jahren u.a. zusammen mit dem Kammerorchester Basel zahlreiche CDs mit Uraufführungen von Musik aus dem 20. Jahrhundert. Zudem führte er mit seiner Academy Of Ancient Music (deren Leitung übergibt er ab Herbst einem der neuen Generation: an Richard Egarr) romantische Werke beispielsweise von Mendelssohn-Bartholdi auf und auch in dessen Interpretation ist Hogwood wieder mal seiner Zeit weit voraus. Kein Wunder, dass Hogwood neben kleinen Meisterensembles mittlerweile einige der besten großen Orchester weltweit wie beispielweise das Tonhalle Orchester Zürich, das RAI-Orchester Mailand oder das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks dirigiert.
Qualität und Innovationsdenken überstehen eben alle Zeiten.
*Von Hogwood gibts übrigens auch eine neue CD, und zwar mit -wie sollte es im Mozartjahr auch anders sein- unbekannten Werken Mozarts: “The secret Mozart”.

Donnerstag, 15. Juni 2006, von Elmar Leimgruber

Maureen Nolan bewegt zutiefst im Musical “Blood Brothers”

Eigentlich ist das Musical “Blood Brothers” von Willy Russelnicht mehr das Jüngste und auch sicherlich nicht das Bekannteste. Aber dennoch gehört diese Londoner Show zum Bewegendsten, das ich jemals live gesehn habe.
Die Musik ist exzellent komponiert, der Zuschauer kann mit den Charakteren mitleben, vor allem mit den beiden Freunden, die Blutsbrüderschaft schließen ohne zu wissen, dass sie echte Brüder sind und mit der armen Mrs. Johnstone, die eines ihrer Kinder schweren Herzens aus finanziellen Gründen bei der Geburt an ihre reiche Arbeitgeberin abtreten muss…
Vor allem aber lebt dieses Musical von Maureen Nolan in der Rolle der Mrs. Johnstone: sie ist eine exzellente Schauspielerin und sie hat eine Stimme, die die Seele berührt.
Wann immer Sie mal nach London kommen: schauen Sie sich das Musical “Blood Brothers” an: es lohnt sich.

Mittwoch, 14. Juni 2006, von Elmar Leimgruber

Verleiht Billy Elliot einen Oscar!

Schon der Film war ein künstlerisches Meisterwerk, noch viel mehr aber die Umsetzung dieses Stoffes für das gleichnamige Musical “Billy Elliot”, das derzeit in London aufgeführt wird: Die Kinder, die abwechselnd Billy und seinen Freund Michael spielen, sind schauspielerisch sensationell, der Inhalt (Begeisterung für Kunst und Ballet in einer Zeit und einem Ort, wo nur der Arbeiterkampf und das beinharte Überleben gelten) ist nicht nur zeitgemäß, sondern zeitlos. Die bewegenden Choreographien stammen von Peter Darling, der schon den Film choreographisch inszenierte und auch die Regie führt Stephen Daldry, der den Film drehte. Und die einmalig schöne Musik zum Musical stammt von keinem Geringeren als von Sir Elton John.
Ich habe das Musical am 12. Juni nun schon zum zweiten Mal live gesehen, damals mit Liam Mower als Erstbesetzung Billy; der war stimmlich, schauspielerisch und choreographisch sensationell, wobei diese Bezeichnung noch untertrieben ist. Nun erlebte ich Travis Gates als Billy und Shawn Malone als Michael: diese beiden sind absolute Top-Stars, und das jetzt schon als Kinder:
Travis trauert auf der Bühne als Billy um seine verstorbene Mutter und bringt mich als Zuschauer fast zum Weinen vor Mitleid wegen des schweren Verlustes. Dabei ist ja alles nur Show klarerweise, aber eine perfekte, authentisch wirkende Show. Ok, Travis ist im Vergleich zu Liam tänzerisch weniger vollkommen und er hat auch gesanglich eine um einiges rauhere Stimme; jedoch ist er jetzt schon ein großartiger Schauspieler, der wahrscheinlich noch viele Menschen zutiefst innerlich berühren wird.
Das Musical “Billy Elliot” ist für mich das beste aktuelle Musical überhaupt und es lohnt sich absolut, es sich anzusehen. Und ich wünschte mir, es würde mit Grammies und Oscars belohnt, wie es sich eben für ein wahres künstlerisches Meisterwerk gehört.

Mittwoch, 31. Mai 2006, von Elmar Leimgruber

Burgschauspieler Robert Meyer wird Wiener Volksoperndirektor

Meine Freude ist groß, ist doch Robert Meyer seit Jahren mein Lieblingsschauspieler. Und nun wurde er von Kulturstaatssekretär Franz Morak offiziell zum neuen Volksoperndirektor ernannt.
Wie nach wie vor begeistert denke ich unter anderem an Meyers Solointerpretation von Nestroys “Häuptling Abendwind” und seinen Karl Valentin-Abend im Akademietheater sowie an seine Nestroy-Inszenierung letzthin im Burgtheater (siehe meinen Kommentar dazu vom 14.4.2006) zurück. Und wie gern erinnere ich mich auch an den singenden Meyer als “schönen Sigismund” im “Weisses Rössl” und als “Sancho Pansa” im “Mann von La Mancha” an der Wiener Volksoper.
Positiv überrascht bin ich von der politisch einheitlichen Zustimmung: sowohl Grüne als auch FPÖ (eine seltene “Allianz”) streuen ihm Vorschusslorbeeren. Die verdient der Burgschauspieler, Sänger und Denker auch allemal und zwar nicht nur von politischer Seite. Meyer ist einerseits ein mutiger Querdenker, der seine Meinung offen ausspricht und andererseits äußerst bodenständig: diese Kombination ist ideal für seine künftige Position als Volksopernchef.
Die Volksoper ist nicht nur ein sehr populäres Traditionshaus, sondern schwer leitbar, was vor allem auch dadurch sichtbar wird, wie schnell die Direktoren der letzten Jahre ihr Handtuch warfen. Robert Meyer aber ist eine beeindruckende Persönlichkeit mit eigenem Profil, das sicherlich der etwas verstaubten Volksoper gut tun wird. Ich wünsche ihm jedenfalls jetzt schon viel Geduld, Ausdauer, Durchsetzungsvermögen und Erfolg.

Samstag, 27. Mai 2006, von Elmar Leimgruber

Willy Astor begeistert Wien

Noch kennen den großen Münchner nicht so viele Ostösterreicher, weil er “noch” ein Geheimtip ist. Aber wer ihn sieht und live erlebt, ist begeistert von ihm: Willy Astor.
Letzthin war er wiederum für drei Tage in Wien und spielte im ausverkauften Vindobona sein aktuelles Programm “Wortstudio”.
Willy Astor ist ein Ausnahmekünstler: ausgebildeter Maschinist, dann Akkordionist (nicht zu verwechseln mit Akkord-Arbeiter;-), dann Gitarrist, dann Humorist und Comedian und Kabarettist.
Astor ist ein Sprachakrobat, der seinesgleichen sucht und nicht findet, wenn auch andere, wie beispielsweise der viel bekanntere Michael “Bully” Herbig vergeblich Ähnliches auch via Fernsehen versuchten. Astor ist eben das Original, und das lohnt es sich live zu erleben, nicht nur seiner humorvollen und liebevoll-spitzen Texte wegen, sondern weil er auch ein ausgezeichneter Musiker ist, dessen auch ernste Seite (auch zu hören auf seinen Sound Of Islands-CDs) in Zukunft noch mehr Zustimmung finden wird.
Astor ist zudem ein liebender Mensch, und dies spürt das Publikum, auch weil seine Zugaben mindestens so lange sind wie die einzelnen Programmblöcke. Und Astor muss man live erleben: das ist noch um einiges besser, als seine CDs zu hören oder seine DVDs (zwei sind bereits erhältlich, eine weitere wird nach Astors Angeben ab ca. einem halben Jahr erhältlich sein) anzusehen. Trost für alle, die ihn jetzt in Wien verpasst haben: Ende Juni und im Dezember wird Willy Astor erneut in Wien live zu erleben sein.