Mit ‘Christopher Hogwood’ getaggte Artikel

Dienstag, 10. April 2012, von Elmar Leimgruber

NÖ-Tonkünstler glänzen unter Christopher Hogwood

Wenn DER Pionier der historischen Aufführungspraxis, der englische Musikwissenschaftler und Dirigent Christopher Hogwood (leider viel zu selten) zu Gast in Österreich ist, dann darf ich nicht fehlen. Längst schon hat er auch die musikalischen Grenzen des Barock durchbrochen und mit seiner Academy of Ancient Music (von ihm 1973 gegründet) nicht nur mit der Wiener Klassik Referenz-Gesamtaufnahmen der Symphonien Ludwig van Beethovens und Mozarts veröffentlicht, sondern auch romantische Werke interpretiert und vor einigen Jahren mit dem Kammerorchester Basel auch Werke des 20. Jahrhunderts eingespielt.

Am Ostersonntag dirigierte Christopher Hogwood das NÖ Tonkünstler Orchester auf Schloss Grafenegg in Niederösterreich. Am Programm standen die Symphonie “La Passione” (Hob. I: 49) von Joseph Haydn und die Messe in C-Moll (KV 427/Bearbeitung: Helmut Eder) von Wolfgang Amadeus Mozart.   Die beiden Sopransolistinnen Camilla Tilling und Iano Tamar waren genauso wie der Bariton Mathias Hausmann hervorragend in der Interpretation, was man vom Tenor Daniel Behle bedauerlicherweise nicht nicht behaupten kann: er sang viel zu unsicher, zu leise und zu gequält, was -bei dessen doch ansehnlicher Musikbiografie- an diesem Abend wohl auf mangelnde Vorbereitung schließen lässt.

Eine gewaltige musikalische Wucht im positiven Sinn hat der in Österreich weniger bekannte (aber bereits von Karajan eingesetzte) Tölzer Knabenchor (Leitung: Gerhard Schmidt-Gaden) zu bieten, was er auch an diesem Abend glaubhaft unter Beweis stellte. Christopher Hogwood dirigierte mit viel Emotion und Präzision: eine edle Kombination, welche leider die wenigsten Dirigenten beherrschen. Leider aber gingen die NÖ Tonkünstler, die sicherlich großes musikalisches Potential haben, etwas zu wenig mit seinen musikalischen Visionen der Werke Haydns und Mozarts ein, was besonders in der Dynamik, speziell im zwar teils notwendigen, aber da fehlenden piano (es gibt nicht nur forte!) hörbar wurde. Und dennoch haben neben den Tölzer Sängerknaben auch die Tonkünstler an diesem Ostersonntag mehrmals (besonders beim Gloria der Mozartmesse) Gänsehaut bei mir ausgelöst: Ich liebe es, wenn mich Musik zuinnerst tief berührt.

Und mir gefällt nach wie vor mein bereits während des Osterkonzerts aufkommender Gedanke sehr: wie wäre es, könnte Hogwood viel öfter und vor allem intensiver mit den Tonkünstlern arbeiten. Das ist zwar nicht sehr realistisch, da Hogwood sehr viel zwischen London, Bonn, Zürich und sonstwo dirigiert, was sicherlich auch reizvoll ist. Aber -vorausgesetzt, die Tonkünstler und er wären dazu ernsthaft bereit -das wäre nach meiner Einschätzung großartig: zwar eine Herausforderung für beide, aber eine lohnende: für das Orchester, für Hogwood, das Management und natürlich auch für das Publikum.

In Grafenegg gibts übrigens auch heuer wieder mit den NÖ-Tonkünstlern den beliebten Musiksommer mit der traditionellen vom ORF übertragenen Sommernachtsgala und anschließend das Musikfestival. Ansonsten sind die Tonkünstler neben Grafenegg auch in St. Pölten und im Wiener Musikverein live zu erleben.

Samstag, 3. April 2010, von Elmar Leimgruber

Hintergrund-Kommentar zu “Resurrection” von magnam gloriam und Kritik verschiedener Messias-Interpretationen

Hier eine exklusive Hintergrund-Info zur aktuellen Maxi-CD “Resurrection” von magnam gloriam, produced by elmadonmusic.com: Die Urkomposition, die diesem Song zugrundeliegt, ist jahrhundertealt und stammt von keinem Geringeren als von Georg Friedrich Händel (1685-1759).

Dessen bekanntestes Oratorium ist “Der Messias“, verfasst im Original auf englisch (“Messiah“), da Händel damals sehr viel in London unterwegs war. Als Libretto verwendete Charles Jennens passende Bibelstellen des Alten und Neuen Testaments.

Mein Lieblingssong daraus ist seit Langem jene österliche Bass-Arie mit dem Titel “The Trumpet shall sound“, dessen Text aus dem 1. Brief des Apostels Paulus an die Korinther im Neuen Testament stammt:

- The trumpet shall sound, and the dead shall be raised incorruptible, and we shall be changed. For this corruptible must put on incorruption and this mortal must put on immortality.  (I Corinthians 15:52-53)

- Die Posaune wird erschallen, die Toten werden zur Unvergänglichkeit auferweckt, wir aber werden verwandelt werden. Denn dieses Vergängliche muss sich mit Unvergänglichkeit bekleiden und dieses Sterbliche mit Unsterblichkeit. (1 Kor 15,52-53)

Und eben diese Bass-Arie ist es, die Sie in verschiedenen neuen elmadonmusic-Arrangements (unter anderem eine klassische Streicher-Version und eine innovative A Cappella-Variante) auf der neuen Maxi-CD “Resurrection” von magnam gloriam hören:

Ich habe bereits vor einigen Jahren hier die Gesamtaufnahme von Händels “Messias” unter Richard Bonynge besprochen.
Inzwischen muss ich meine Meinung hierzu leider revidieren (jene Aufnahme liegt maximal im Mittelfeld, obwohl die Ambrosian Singers zu den besten Sängern der Welt gehören und dies auch hier unter Beweis stellen), da ich mittlerweile 23 Aufnahmen davon kenne:

Es gibt weit bessere Aufnahmen des “Messias”: Eindeutig und weit vor allen anderen an erster Stelle steht nun bei mir die Gesamtaufnahme der Academy of Ancient Music unter der Leitung ihres Gründers Christopher Hogwood aus dem Jahr 1980, basierend auf der Foundling Hospital Version des Komponisten dieses Oratoriums aus dem Jahr 1754. Hier passt einfach alles: Das historische Instrumente spielende Orchester, DER Händelspezialist Hogwood am Dirigentenpult und hervorragende Solisten (Judith Nelson, Emma Kirkby, Carolyn Wakinson, Paul Elliott und vor allem David Thomas).

An zweiter Stelle steht die Interpretation des “Messiah”; (ebenfalls die 1754er-Version) durch Paul McCreesh und seinem Gabrieli Consort & Players: Diese Volldigitalaufnahme zeichnet sich vor allem klanglich aus und das Gabrieli Consort ist einfach ein grossartiger Chor.

Gleichauf an zweiter Stelle kommt eine historische “Messiah”-Gesamt-Aufnahme aus dem fernen Jahr 1965 mit dem Philharmonia Orchestra unter Otto Klemperer: Sie ist zwar technisch keinesfalls auf dem heutigen Level, aber sie ist von einer solchen Inbrunst, dass sich bei mir immer wieder Gänsehaut beim Zuhören entwickelt. Das ist einmalig, gerade, weil die Aufnahme so “alt” ist.

An dritter Stelle steht eine weitere Aufnahme der Academy of Ancient Music, diesmal die Version aus dem Jahre 1751 und volldigital eingespielt im Jahr 2006 und unter der Leitung von Edward Higginbottom: Ein nach wie vor authentisches Orchester mit grossartigen Solisten interpretiert vorbildlich.

Dann kommen viele weitere Aufnahmen, die in meiner Bewertung irgendwo im Mittelfeld liegen, z.B. eine deutschsprachige Interpretation der Mozart-Bearbeitung des “Messias” unter Rilling, sowie die englischen Gesamtaufnahmen unter Neville Marriner, Andrew Parrott, Johannes Somary, Trevor Pinnock, Stephen Cleobury oder Karl Richter.

Besonders positiv erwähnt sei zudem die deutschsprachige Version des “Messias” aus dem fernen Jahr 1965 mit dem Münchener Bach-Chor und Bach-Orchester (mit Gundula Janowitz, Marga Hoeffgen, Erst Haefliger und Franz Crass als Solisten) unter Karl Richter.

Am unteren Ende der Charts kommen dann die Aufnahmen unter Yehudi Menuhin und unter Timothy Dean sowie die mit den Wiener Sängerknaben unter Peter Marschik, aber ganz am Ende, also meines Erachtens vollkommen unnötig, eines geistlichen Werkes unwürdig und einfach grottenschlecht in jeder Hinsicht ist die Gesamtaufnahme des “Messiah” mit dem London Symphony Orchestra unter Sir Colin Davis aus dem Jahr 1966.

Zur Veranschaulichung und zum Vergleich haben Sie hier die Möglichkeit, in 70 verschiedene Aufnahmen der Arie “The Trumpet Shall Sound” reinzuhören:

Freitag, 29. Januar 2010, von Elmar Leimgruber

Armin van Buurens Trance-Music von klassischem Orchester interpretiert

Armin van Buuren
Foto: arminvanbuuren.com

Er ist der ungeschlagene King des Trance, er ist das dritte Jahr in Folge der weltweit beste DJ (vom renommierten DJ Magazine erkoren) und gibt umjubelte Auftritte in aller Welt, unter anderem in den USA, Europa, in Kanada, Russland, Brasilien und in Dubai. Er ist Armin van Buuren.

Seine Nummer “In And Out Of Love”, gesungen von der Within Temptation Sängerin Sharon den Adel erhielt nicht nur den IDMA Award for Best Music Video 2009, sondern diese seine Veröffentlichung hat bei youtube inzwischen bald schon 44 Millionen (!) Zugriffe. Heuer wurde er gleich 8 Mal (u.a.Best European Dj, Best Global DJ, Best Producer, Best Full Length DJ Mix und 2x Best Trance Track, für einen IDMA Award nominiert; die Verleihung findet vom 23. bis 25. März in Miami Beach/Florida statt.

Das Noord Nederlands Orkest (NNO) interpretiert im März Trance-Musik Armin van Buurens
Foto: nno.nu

Als begeisterter Fan von Trance-Music (ich produziere auch selbst Trance-Musik und habe immerhin auch mein eigenes Label elmadonmusic) habe ich immer schon gewisse Parallelen zwischen Trance und Klassik gesehen: ich komme ja ursprünglich auch als dem klassischen Bereich.

Bislang gab es zwar immer wieder klassische Arrangements von sogenannter U-Musik: So spielten beispielsweise das Royal Philharmonic Orchestra
unter anderen die grössten Werke von Queen, Abba, Beatles, Pink Floyd, Simon & Garfunkel und Genesis ein und das auch aus den Star Wars-Filmen bekannte London Symphony Orchestra veröffentlichte gleich mehrere CDs mit Welthits der Pop- und Rockmusik, gefolgt von den Wiener Symphonikern (Vienna Symphonic Orchestra Project VSOP) mit Christian Kolonovits als Arrangeur und Dirigent, den Münchner Symphonikern (MSSO) und anderen. Ebenfalls unter der Leitung des Österreichers Christian Kolonovits gab dann die Metal-Band Scorpions zusammen mit den Berliner Philharmonikern das einmalige Sonderkonzert “Moment of Glory” auf der EXPO Hannover : ein absolutes Highlight der zeitgenössischen Musikgeschichte.

Aber zurück zu Armin van Buuren: Diesem Meister des Trance wird nun in seinem Heimatland, den Niederlanden eine ganz besondere Ehre zuteil: Ein klassisches Orchester wird seine Werke gleich an zwei Abenden interpretieren: Armin (der sich dennoch nicht mit klassischen Komponisten vergleichen will) schreibt dazu auf seiner Homepage: “There’s been a lot of flirting between these two styles (classical and trance), but for the first time this is really happening. Fantastic!” und via Twitter: “I definitely wanna see that!

Ich sehe es genauso und freue mich mit ihm: Denn spätestens jetzt ist Armin auf jedem Fall Teil nicht nur der Jugend-Kultur, sodnern insgesamt der Kultur als Ganzer. Und daher schreibe ich hier auf kulturia.com auch über dieses Ereignis:

Am 4. (in Leeuwarden) und 5. März (in Groningen) dieses Jahres interpretiert das älteste regionale Orchester der Niederlande, das Noord Nederlands Orkest (NNO) unter der Leitung von Hans Leenders in Latenight-Konzerten um 22.30 Uhr (mit Lasershow und offizieller anschliessender After-Party) die grössten Erfolge Armin Van Buurens (von Communication zu Serenity und In & Out of Love) in klassischen Neuarrangements des amerikanischen Komponisten Tom Trapp. Trapp hat schon für Frank Zappa arrangiert und seine eigenenen Kompositionen sind von der Minimal Music beeinflusst: Steve Reich, Charles Ives, John Cage and John Adams.

Das Programm:

1. Hymne
2. In and out of love
3. Zocalo
4. Touch me
5. The sound of goodbye
6. Wall of Sound
7. Serenity
8. Blue fear
9. Exhale
10. Shivers
11. Communication

Armin van Buuren selbst am Konzert von Groningen am 5. März teilnehmen. Tickets für beide Konzerte gibts hier. Wer -wie ich leider auch- leider nicht direkt vor Ort sein kann, hat die Möglichkeit, virtuell am Konzert teilzuhaben: Das niederländische Klassikradio 4 überträgt live.

Für die Live-Aufführung der “Lord Of The Rings Symphony” des London Philharmonic Orchestra unter der Leitung des Komponisten Howard Shore bin ich selbst auch eigens nach London, genauso wie für das klassische Jubiläumskonzert mit der Academy Of Ancient Music (AAC) mit und zu gunsten von Christopher Hogwood ebendort; leider gingen sich die Niederlande jetzt nicht aus:-(

Zurück zu Armin van Buuren: Hier können Sie in seine Musik reinhören und können dann vielleicht nachvollziehen, warum er eines meiner ganz grossen musikalischen Vorbilder ist:

Und hier ist das oben erwähnte Musik-Video, das knapp 44 Millionen Zugriffe auf youtube erhielt:


Und zuletzt noch als Bonus: Armins Dankesrede, nachdem er zum dritten Mal in Folge zum besten DJ der Welt gekürt wurde:

Mittwoch, 6. Januar 2010, von Elmar Leimgruber

Neujahrskonzert 2010: Zu viel Show und zu wenig Spirit

Georges Pretre
Foto: Hautzinger

Endlich konnte ich mir heute die Wiederholung des Neujahrskonzertes 2010 der Wiener Philharmoniker unter Georges Pretre gönnen. Und es fällt mir keinesfalls leicht, eine angemessene Kritik zu fällen:

Georges Pretre wirkt lebensfroh und charmant: er ist einfach ein sympathischer Mensch: und so erreicht er auch die Herzen der Zuschauer gemäss seinem Lebensmotto “Ich liebe dich”. Und menschlich betrachtet ist dies alles auch recht lobenswert.

Ich finde es auch gut, dass heuer wieder ein älterer Herr wie er die Wiener Philharmoniker dirigieren durfte.

Aber all diese Sympathiewerte, die er sich persönlich und auch aufgrund seiner jahrzehntelangen Verdienste um die Pflege der klassischen Musik erworben hat, dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass sein Neujahrskonzert heuer meines Erachtens zwar kein schlechtes, jedoch leider einfach nur ein durchschnittliches war. Und ich muss es leider so hart sagen: ich hatte den Eindruck, dass die Wiener Philharmoniker dieses Konzert genauso mit irgendeinem anderen oder auch ohne Dirigenten gespielt hätten, sosehr ignorierten sie den Herrn mit Taktstock und spielten ihr eigenes Ding: Es plätscherte schön harmlos dahin ohne Akzente und Höhepunkte, irgendwie einfach zu “billig” und anspruchslos für meinen Geschmack und leider genau richtig für eine oberflächliche “Hofgesellschaft”.

Pretre gilt auch als DER Experte, was geistliche Musik betrifft. Und davon hat er im Laufe seines Lebens auch sehr viel eingespielt. Und -ich muss es leider zugeben:- er hat mich damit nie erreicht: Ich finde seine Aufnahmen allesamt inhaltslos und keinesfalls geistlich interpretiert. Vielleicht habe ich einfach keinen Zugang zu seiner vielleicht zu einfachen Art zu denken und fühlen: mag sein.

Es ist zwar nicht gerade Rieu-Niveau, aber -bei allem Bedauern, das sagen zu müssen- nicht weit weg davon: leider. Sicher bringt das Quote für den ORF (weit über eine Million Zuschauer hatte die Erstausstrahlung am Neujahrstag), aber -hart ausgedrückt: so viele Klassik-Fans gibts gar nicht. Und bei einer Eurovisions-Sendung von Andre Rieu am Neujahrstag würde diese Quote sicher auch erreicht, wenn nicht gar überschritten. Aber vielleicht ist die Musik der Strauss-Dynastie ja auch genau für so ein oberflächliches Publikum geschrieben und gedacht. Die Geschmäcker sind aber bekanntlich verschieden.

Im vergangenen Jahr stand übrigens einer meiner hochgeschätztesten Dirigenten, Daniel Barenboim beim Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker am Dirigentenpult. Und er tat sich sichtlich schwer, solch -eigentlich hohle- leichtfüssige Musik zu dirigieren (und es war im Vergleich zu seinen sonstigen musikalischen Höchstleistungen für mich auch kein wirklich befriedigendes Neujahrskonzert), aber die Philharmoniker folgten ihm dennoch, und das macht einen wirklich guten Dirigenten aus.

Die Wiener Philharmoniker brauchen wieder mehr grosse Persönlichkeiten (und weniger hochgepuschte Selbstvermarkter und Schauspieler, wie man sie zu häufig im TV zu sehen bekommt) am Dirigentenpult, und da denke ich besonders eben an Daniel Barenboim, Christopher Hogwood, Roger Norrington, Claudio Abbado (der immerhin mal Wiener Generalmusikdirektor war), Christian Thielemann, an den jungen Vorarlberger Christoph Eberle, an DEN Wiener Strauss-Experten und Volksopern-Dirigenten Alfred Eschewe und bei der älteren Generation vor allem an Andre Previn: Bei Previn bin ich besonders neugierig, wie er Musik der Strauss-Dynastie dirigieren würde.

Das heurige Neujahrskonzert war bedauerlicherweise austauschbar; wünschenswert wäre was ganz Anderes…

Und hier als Bonus für alle besonders Interessierten noch Neujahrskonzerte (zum Anhören und Ansehen) im Vergleich und im Laufe der Zeit.

Freitag, 16. Juni 2006, von Elmar Leimgruber

Paul McCreesh, der junge Hogwood

Im fernen Jahr 1973 gründete der Musikwissenschaftler und -Pädagoge Christopher Hogwood die Academy of Ancient Music, eine Formation von hochtalentierten jungen Musikern, die sich nicht nur rhythmisch und geschwindigkeitsmäßig auf die authentische Interpretation alter Musik spezialisieren sollten, sondern auch durch die Verwendung historischer Instrumente aus jeder Zeit, in der die Werke komponiert wurden.
Seither versuchten sich viele Künstler in demselben Genre (u.a. Roger Norrington, Nikolaus Harnoncourt, John Eliot Gardiner, William Christie, Trevor Pinnock, Paul Goodwin), Hogwood, das Original, blieb hingegen unerreicht.
In der Zwischenzeit wuchs eine neue Generation von Musikern heran: einer von diesen, Andrew Manze, ist heute der Nachfolger von Trevor Pinnock als Chef des English Concert. Vorher war er im Orchester Hogwoods als Solist an der Violine und als Dirigent tätig und wurde innerhalb kürzester Zeit Co-Chef der Academy. Auch die Bekanntheit von Cecilia Bartoli ist übrigens maßgeblich Christopher Hogwood zu verdanken, der sie schon in seinen frühen Einspielungen musikalisch verewigte.
Neben Andrew Manze ist DER musikalische Newcomer einer neuen Generation Paul McCreesh. Genauso wie Hogwood seinerzeit geht McCreesh heute einen ganz neuen Interpretationsweg im Bereich der sogenannten Alten Musik. Er interpretiert noch frischer, noch lebendiger, noch aufmüpfiger als Hogwood und es ist ein musikalischer und künstlerischer Hochgenuß, beispielsweise seine Einspielung von Händels “Messias” zu hören.
McCreesh hat mit seinem Ensemble Gabrieli Consort in diesem Jahr sein Spektrum erweitert und in London ein von der großen Öffentlichkeit beinahe unbemerktes Mozart-Konzert* gegeben, dem ich am 14. Juni beiwohnen durfte.
McCreesh ist ein großartiger und feinfühlender Musiker und Orchesterleiter und er interpretiert lebendig und begeistert, so dass der Kulturliebhaber sich nur ebenfalls begeistert freuen kann. Paul McCreesh ist heute DER musikalische und künstlerische Innovator, der seit 1973 Christopher Hogwood war.
Und was ist mit Hogwood heute? Ist er ausgelaugt, müde?
Nein, keinesfalls, er ist das, was ein großer Musiker und Wissenschaftler immer ist, weiter innovativ und auf neuen, vollständig anderen Ufern unterwegs: Er, der bisher nur bekannte Experte für Alte Musik, veröffentlicht seit einigen Jahren u.a. zusammen mit dem Kammerorchester Basel zahlreiche CDs mit Uraufführungen von Musik aus dem 20. Jahrhundert. Zudem führte er mit seiner Academy Of Ancient Music (deren Leitung übergibt er ab Herbst einem der neuen Generation: an Richard Egarr) romantische Werke beispielsweise von Mendelssohn-Bartholdi auf und auch in dessen Interpretation ist Hogwood wieder mal seiner Zeit weit voraus. Kein Wunder, dass Hogwood neben kleinen Meisterensembles mittlerweile einige der besten großen Orchester weltweit wie beispielweise das Tonhalle Orchester Zürich, das RAI-Orchester Mailand oder das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks dirigiert.
Qualität und Innovationsdenken überstehen eben alle Zeiten.
*Von Hogwood gibts übrigens auch eine neue CD, und zwar mit -wie sollte es im Mozartjahr auch anders sein- unbekannten Werken Mozarts: “The secret Mozart”.

Freitag, 20. Januar 2006, von Elmar Leimgruber

Wien feiert Fest für Mozart

Mozartkugeln und Marzipan: Wolfgang Amadeus Mozart verkommt mal wieder zu Kitsch. Und auch die Stadt Wien feiert Wolferls 250. Geburtstag zwischen dem 27. und 29. Jänner mit einem großen Fest: nicht nüchtern und rationell, sondern genau so, wie er -von wenigen lobenswerten Ausnahmen abgesehen- viele Touristen bringt und die Herzen vor allem der Wirtschaft erfreut.
Wenigstens einige wenige Kulturtreibende machen sich Gedanken über den echten Mozart und seine Musik, hier vor allem einer, der lange genug verschmäht und endlich gewürdigt wird: Nikolaus Harnoncourt.
Das Echte, ja das Authentische ist es letztlich, was einer der größten Söhne Österreichs, Wolfgang Amadeus Mozart, sich ja auch verdient hat.
In diesem Zusammenhang verweise ich auf die Gesamtaufnahme der Mozart-Symphonien mit der Acamedy Of Ancient Music (auf historischen Instrumenten) unter dem Dirigenten und Musikwissenschaftler Christopher Hogwood. Hier hören Sie Mozart unverfälscht, authentisch, rationell, manchmal gar “unklassisch”, ja zuweilen sogar leidenschaftlich, jedoch nie unbeherrscht.
Wer Mozart dennoch lieber in zeitgemäße Musik gepackt wissen möchte, dem sei das Musical “Mozart” von Sylvester Levay mit Einschränkungen zu empfehlen, das übrigens auch in Wien seine Welt-Uraufführung erlebte.

Freitag, 16. September 2005, von Elmar Leimgruber

Dringend: Christopher Hogwood morgen in Eisenstadt

Christopher Hogwood, der “Erfinder” der historischen Aufführungspraxis kommt für einen Gastauftritt nach Österreich.
Auf Schloss Esterhazy in Eisenstadt (Burgenland) gelangen Werke von Prokofiew, Haydn und Mozart zur Aufführung. Christopher Hogwood, der sich in den letzten Jahren neben seinem Spezialgebiet, der Alten Musik, zunehmend Werken des 20. Jahrhunderts widmete, dirigiert das Kammerorchester Basel ab 19.30 Uhr. Werde vor Ort sein und über dieses einzige Hogwood-Konzert in Österreich berichten.
Restkarten in Höhe von 59,- 53,- 47,- 42,- 36,- 29,- 22,- Euro sind online und an der Abendkasse erhältlich.
Am Sonntag um 11.00 Uhr und um 15.00 Uhr bringt zum Abschluss der Haydn Festspiele 2005 die Österr.-Ung. Haydn Philharmonie unter der Leitung von Adam Fischer Werke von Mozart und Haydn zur Aufführung.

Samstag, 14. Juni 2003, von Elmar Leimgruber

Stelldichein in Meran: Charly Chaplin, Lorin Maazel, Mischa Maisky und Emma Kirkby

Das Philharmonia Orchestra London unter der Leitung von Lorin Maazel, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Paavo Järvi und das Israel Philharmonic Orchestra unter Zubin Metha sind nur einige wenige Höhepunkte der diesjährigen Meraner Musikwochen, die vom 26. August bis zum 26. September im Südtiroler Edel-Kurort Meran stattfinden. Ebenfalls unter anderem live in Meran zu erleben: The Academy of St.Martin in the Fields, die Tschechische Philharmonie, die Prager Symphoniker, das Russian National Orchestra und I Virtuosi Italiani unter der Leitung des Weltklasse-Cellisten Mischa Maisky.
Auch Freunde von authentischer Barockmusik kommen voll auf ihre Kosten. Die britische Sopranistin Emma Kirkby, die sich vor allem in Aufnahmen mit der Academy of Ancient Music von Christopher Hogwood einen internationalen Namen gemacht hat, tritt in Meran mit geistlichen Werken Händels und Vivaldis auf. Es begleitet sie London Baroque.
Charly Chaplin ist gemeinhin bestens bekannt als politischer Komiker und Schauspieler. Die wenigsten hingegen wissen, dass dieser Regisseur, der sich lange Zeit hindurch dem Tonfilm verweigerte, auch den Großteil der Melodien zu seinen Stummfilmen selbst komponierte. Der Original Score (Filmmusik) zu seinem zeitlosen Streifen “Modern Times” wird vom Filmorchester Babelsberg in Meran live gespielt als Begleitung zum gleichnamigen Chaplin-Film. Hier handelt es sich zweifellos um einen der Höhepunkte der diesjährigen Meraner Festwochen.
Andreas Cappello, dem Intendanten der Meraner Festwochen ist es demnach auch in diesem Jahr gelungen, ein qualitativ hochwertiges und abwechslungsreiches Programm zusammenzustellen. Nähere Infos und Tickets gibt’s auf der Homepage der: Meraner Musikwochen

Mittwoch, 28. Mai 2003, von Elmar Leimgruber

Hogwood mit der Academy of Ancient Music: Excellent, very excellent!

Ein Konzert der absoluten Superlative war am 27. Mai in St. John’s Smith Square in London zu erleben: Die Academy Of Ancient Music spielte auf historischen Instrumenten unter der Leitung ihres Gründers Christopher Hogwood Werke von Mozart und Haydn.
Mozarts Symphonie Nr. 25 wirkte ungewohnt hart, “aggressiv” und feierlich, während Haydns “Surprise”-Symphonie edler, spannender und eleganter niemals klingen könnte.
Der Solist des Abends, Christophe Coin, bewies, dass er nicht nur in Studioeinspielungen hervorragend treffsicher und seinem Instrument, dem Cello herrliche Klänge zu entlocken vermag, sondern dies -vielleicht noch besser- live vor Publikum.
Kurz zusammengefasst: ein herrlicher Konzertabend, von dem ich wohl noch länger zehren werde.
P.S.: Ein Hinweis für alle, die jetzt Christopher Hogwood auch mal live hören möchten: Im dem Konzert anschliessenden Gespräch verriet mir der Maestro, dass er im kommenden Jahr nach Wien kommen und da das Wiener Kammerorchester dirigieren wird. Sein eigenes Orchester hingegen wird bereits am 10. August im Theater an der Wien gastieren. Unter der Leitung von Paul Goodwin werden Werke von Beethoven zur Aufführung gebracht.
In das Haydn-Cellokonzert mit Christophe Coin und unter der Leitung von Christopher Hogwood kann HIER reingehört werden.

Freitag, 18. April 2003, von Elmar Leimgruber

Beethoven unter Hogwood: Bewegend und präzise (CD-Besprechung)

Herrlich dynamisch, präzise und bewegend ist diese Gesamtaufnahme der Symphonien von Beethoven unter der Leitung von Christopher Hogwood. Das Orchester The Academy Of Ancient Music spielt auf historischen Instrumenten, und dies einmalig schön. Ich habe etwa 10 verschiedene Aufnahmen der Beethoven-Symphonien, diese hier ist für mich eindeutig die bewegendste, die von Barenboim mit der Staatskapelle Berlin die spirituellste, die mit Klemperer und dem Philharmonia Orchestra die tiefste.