Mittwoch, 14. Juni 2006, von Elmar Leimgruber

Verleiht Billy Elliot einen Oscar!

Schon der Film war ein künstlerisches Meisterwerk, noch viel mehr aber die Umsetzung dieses Stoffes für das gleichnamige Musical “Billy Elliot”, das derzeit in London aufgeführt wird: Die Kinder, die abwechselnd Billy und seinen Freund Michael spielen, sind schauspielerisch sensationell, der Inhalt (Begeisterung für Kunst und Ballet in einer Zeit und einem Ort, wo nur der Arbeiterkampf und das beinharte Überleben gelten) ist nicht nur zeitgemäß, sondern zeitlos. Die bewegenden Choreographien stammen von Peter Darling, der schon den Film choreographisch inszenierte und auch die Regie führt Stephen Daldry, der den Film drehte. Und die einmalig schöne Musik zum Musical stammt von keinem Geringeren als von Sir Elton John.
Ich habe das Musical am 12. Juni nun schon zum zweiten Mal live gesehen, damals mit Liam Mower als Erstbesetzung Billy; der war stimmlich, schauspielerisch und choreographisch sensationell, wobei diese Bezeichnung noch untertrieben ist. Nun erlebte ich Travis Gates als Billy und Shawn Malone als Michael: diese beiden sind absolute Top-Stars, und das jetzt schon als Kinder:
Travis trauert auf der Bühne als Billy um seine verstorbene Mutter und bringt mich als Zuschauer fast zum Weinen vor Mitleid wegen des schweren Verlustes. Dabei ist ja alles nur Show klarerweise, aber eine perfekte, authentisch wirkende Show. Ok, Travis ist im Vergleich zu Liam tänzerisch weniger vollkommen und er hat auch gesanglich eine um einiges rauhere Stimme; jedoch ist er jetzt schon ein großartiger Schauspieler, der wahrscheinlich noch viele Menschen zutiefst innerlich berühren wird.
Das Musical “Billy Elliot” ist für mich das beste aktuelle Musical überhaupt und es lohnt sich absolut, es sich anzusehen. Und ich wünschte mir, es würde mit Grammies und Oscars belohnt, wie es sich eben für ein wahres künstlerisches Meisterwerk gehört.

Mittwoch, 31. Mai 2006, von Elmar Leimgruber

Burgschauspieler Robert Meyer wird Wiener Volksoperndirektor

Meine Freude ist groß, ist doch Robert Meyer seit Jahren mein Lieblingsschauspieler. Und nun wurde er von Kulturstaatssekretär Franz Morak offiziell zum neuen Volksoperndirektor ernannt.
Wie nach wie vor begeistert denke ich unter anderem an Meyers Solointerpretation von Nestroys “Häuptling Abendwind” und seinen Karl Valentin-Abend im Akademietheater sowie an seine Nestroy-Inszenierung letzthin im Burgtheater (siehe meinen Kommentar dazu vom 14.4.2006) zurück. Und wie gern erinnere ich mich auch an den singenden Meyer als “schönen Sigismund” im “Weisses Rössl” und als “Sancho Pansa” im “Mann von La Mancha” an der Wiener Volksoper.
Positiv überrascht bin ich von der politisch einheitlichen Zustimmung: sowohl Grüne als auch FPÖ (eine seltene “Allianz”) streuen ihm Vorschusslorbeeren. Die verdient der Burgschauspieler, Sänger und Denker auch allemal und zwar nicht nur von politischer Seite. Meyer ist einerseits ein mutiger Querdenker, der seine Meinung offen ausspricht und andererseits äußerst bodenständig: diese Kombination ist ideal für seine künftige Position als Volksopernchef.
Die Volksoper ist nicht nur ein sehr populäres Traditionshaus, sondern schwer leitbar, was vor allem auch dadurch sichtbar wird, wie schnell die Direktoren der letzten Jahre ihr Handtuch warfen. Robert Meyer aber ist eine beeindruckende Persönlichkeit mit eigenem Profil, das sicherlich der etwas verstaubten Volksoper gut tun wird. Ich wünsche ihm jedenfalls jetzt schon viel Geduld, Ausdauer, Durchsetzungsvermögen und Erfolg.

Samstag, 27. Mai 2006, von Elmar Leimgruber

Willy Astor begeistert Wien

Noch kennen den großen Münchner nicht so viele Ostösterreicher, weil er “noch” ein Geheimtip ist. Aber wer ihn sieht und live erlebt, ist begeistert von ihm: Willy Astor.
Letzthin war er wiederum für drei Tage in Wien und spielte im ausverkauften Vindobona sein aktuelles Programm “Wortstudio”.
Willy Astor ist ein Ausnahmekünstler: ausgebildeter Maschinist, dann Akkordionist (nicht zu verwechseln mit Akkord-Arbeiter;-), dann Gitarrist, dann Humorist und Comedian und Kabarettist.
Astor ist ein Sprachakrobat, der seinesgleichen sucht und nicht findet, wenn auch andere, wie beispielsweise der viel bekanntere Michael “Bully” Herbig vergeblich Ähnliches auch via Fernsehen versuchten. Astor ist eben das Original, und das lohnt es sich live zu erleben, nicht nur seiner humorvollen und liebevoll-spitzen Texte wegen, sondern weil er auch ein ausgezeichneter Musiker ist, dessen auch ernste Seite (auch zu hören auf seinen Sound Of Islands-CDs) in Zukunft noch mehr Zustimmung finden wird.
Astor ist zudem ein liebender Mensch, und dies spürt das Publikum, auch weil seine Zugaben mindestens so lange sind wie die einzelnen Programmblöcke. Und Astor muss man live erleben: das ist noch um einiges besser, als seine CDs zu hören oder seine DVDs (zwei sind bereits erhältlich, eine weitere wird nach Astors Angeben ab ca. einem halben Jahr erhältlich sein) anzusehen. Trost für alle, die ihn jetzt in Wien verpasst haben: Ende Juni und im Dezember wird Willy Astor erneut in Wien live zu erleben sein.

Samstag, 13. Mai 2006, von Elmar Leimgruber

Michael Ostrowski verpatzt Wiener Festwochen-Eröffnung

Die Wiener Festwocheneröffnung 2006, die alljährlich via Eurovision im Prinzip weltweit im TV gesehen werden kann, war heuer eigentlich vielversprechend: Das Mozart-Jahr, die EU-Präsidentschaft Österreichs, Das EINE Europa und dessen Einheit ausgedrückt durch die Performance und die Premierung des Finalisten der Eurovision Young Musicians. Diese jungen Künstler, die mit ihren Instrumenten Werke von Wolfgang Amadeus Mozart interpretierten, waren großartig und ein Genuss für den musikbegeisterten Zuschauer.
Aber absolut nichts verloren hat bei einem solche festlichen Anlass, es sei denn als comedianhafte Einlage (und so auch deklariert) der Moderator des Abends: Michael Ostrowski. Sein Auftritt als Tuntenmatrose, dann als Mozartverschnitt waren nicht nur zutiefst peinlich und eine echte Zumutung für jeden Musikbegeisterten, sondern in gewisser Weise auch ein Hohn auf die anwesenden jungen Musiker, die echte Kunst und Kultur boten.
In den kommenden Jahren möge die Stadt Wien lieber den Festakt ohne Moderator beschreiten als mit einer solch peinlichen und unwürdigen Faschingsfigur. Diese meine Meinung bitte dennoch nicht persönlich zu werten, sondern rein diesen Auftritt betreffend.

Montag, 8. Mai 2006, von Elmar Leimgruber

Rudle meets Hundertwasser: 13.5.,19.30 Uhr

Was verbindet den Kabarettisten Gerold Rudle mit dem Maler und Visionär Friedensreich Hundertwasser? Diese und weitere spannende Gegenwartsfragen werden an diesem Samstag gelöst:
Im ersten Teil des Abends unterhält Gerold Rudle, nach der Pause folgt die Aufführung des Multimedia-Musicals House Of Dreams von Roland Baumgartner-Tausendklang zu Ehren Hundertwassers.
Termin: Gerold Rudle trifft Friedensreich Hundertwasser
Zeit: Samstag, 13. Mai 2006, 19.30 Uhr
Ort: Musicaltheater House Of Dreams, visavis Hundertwasserhaus, Kegelgasse 37-39, 1030 Wien
Infohotline und Kartenreservierung: http://www.house-of-dream.com
Tel. 0664/2380551

Freitag, 14. April 2006, von Elmar Leimgruber

Wiener Burgtheater: Herrlicher Meyer-Nestroy

Robert Meyer beweist schon seit Jahren, dass er nicht nur ein ausgezeichneter Schauspieler und Sänger ist, sondern auch ein hervorragender Regisseur. Dies lässt sich derzeit im Wiener Burgtheater feststellen, wo der gebürtige Bayer nicht nur wunderbar eine Hauptrolle spielt, sondern für die Regie und Koordination von gleich drei von ihm miteinander verflochtenen Nestroy-Einaktern an einem Abend verantwortlich zeichnet. Weiterlesen »

Sonntag, 2. April 2006, von Elmar Leimgruber

Excellent: Best Of Musicals in Vienna

Tournee-Musicalproduktionen gibt es ja einige um den Globus herum. Aber dass die Stage Entertainment, Deutschlands größter Musicalveranstalter, mal auf Europatournee geht, das ist schon ein Novum. Und daher musste auch ich dabei sein.

Was mich erwartete, übertraf selbst die kühnsten Erwartungen: “Best Of Musical” ist endlich eine Show, die ihren Titel auch verdient: Die Besucher erwartet nicht nur eine excellent inszenierte Bühnenshow mit Effekten, die man sonst nur aus Fernsehsendungen kennt, sondern auch die tatsächlichen Highlights der deutschen Originalaufführungen: so live u.a. zu erleben: Ausschnitte aus König der Löwen, Cats, Tanz der Vampire, Die Schöne und das Biest, AIDA, 3 Musketiere, Miss Saigon und viele andere mehr.

Moderator der Tour ist kein Geringerer als Uwe Kröger, der endlich wieder als “Tod” in Elisabeth und -das ist eine besonders schöne Überraschung- als Phantom der Oper brilliert. Ebenfalls ganz besonders hervorzuheben auch Thomas Borchert als hervorragender Graf Krolock aus dem Tanz der Vampire und als Biest.

Eine wunderbare Elisabeth aus dem gleichnamigen Musical für alle Sinne gibt Maike Boerdam und eine erstaunliche musikalische Persönlichkeit ist Carolin Fortenbacher (Mamma Mia).

Die Eintrittskarten für dieses Event sind sehr teuer, jedoch bekommt das Publikum dafür auch edelste Musicalunterhaltung vom Feinsten. Wünschenswert wäre die Veröffentlichung einer DVD.

Dennoch einige kleine Kritikpunkte am Rande: Programmhefte dürften nicht schon am Samstag nachmittag ausverkauft sein, zumal sie einen stolzen Preis von 8 Euro kosten. Zudem verwundert es bei einer solch aufwendigen Produktion, dass es offenbar niemanden vor Ort in der Stadhalle gab, der -trotz Samstag Nachmittag- für Presse zuständig war.

Freitag, 31. März 2006, von Elmar Leimgruber

Oliver Pocher in Wien not amused

Mal vorweg: Er kann tanzen, er kann komisch wirken, und er kann sogar spontan sein, Deutschlands B-Promi Nr. 1, Oliver Pocher. Dabei klingen seine Scherze aber häufig nach einer Mischung aus Otto, Rüdiger Hoffmann, Bully und Michael Mittermeier: auf wirklich Eigenes warten die Fans vielfach vergebens. Der Comedian, der sogar schon eine Klage für sein teils verletzendes vorlautes Mundwerk erhalten hat, scheint jedoch keinen Spass zu haben, wenn andere seinen Humor feiern.
So geschehen in seinem aktuellen Programm “It’s my life” in Wien, wo drei Jugendliche aus den ersten Reihen plötzlich den Saal verließen und kurz drauf wiederkamen.Pocher meinte dazu: so gehts aber nicht und ließ die drei von der Security des Saales verweisen. Was zunächst als Gag aussah, war sogar sehr ernst. Denn als sich -übrigens unterstützt von Applaudierenden im Publikum- ein Zuseher nach der Pause öffentlich an Pocher wandte und nachfragte, ob die drei nicht doch teilnehmen könnten am Abend, auch da sie jeweils 34 Euro Eintritt gezahlt hätten, meinte Pocher, er habe sich gestört gefühlt und die drei könnten am drauffolgenden Tag ja nochmal Eintritt zahlen und wiederkommen.
So gehts nicht lieber Oli: wer selbst teils verletzend über andere herzieht, sollte selbst nicht so empfindlich sein. Sich über andere lustig zu machen ist nicht schwer: aber wer selbst so gern austeilt, sollte auch einstecken können, noch dazu von echten Fans: wer sonst, wenn nicht die zahlen sich die teuersten Eintrittskarten.

Samstag, 25. März 2006, von Elmar Leimgruber

Düringer for A Perfect Multimedia World

Österreichs “Prolo”-Kabarettist Roland Düringer ist unter die Diskounter gegangen und bietet sein neues Programm “Düringer ab 4.99″ tatsächlich im Wiener Konzerthaus ab 4.99 Euro an. So muss es ja auch sein, will man heute Mann und Frau Österreicher ködern zu konsumieren. Mit Werbeflyer und Plakaten wird er angepriesen, der Discount-Düringer. Und was bleibt unterm Strich?
Düringer bleibt im ersten Teil seines aktuellen Programms, wie wie ihn kennen: ein in Wiener Dialekt brüllender Prolo, der über alles und jeden wortgewaltig drübersetzt und Verkäufer und Käufer gegeneinander hetzt und hat dafür natürlich die Lacher und Applaudierer auf seiner Seite.
Wie wohltuend klingt es da, dass nach der Pause Louis deVille, der Chef des Show-Sponsors P.H.I, höchstpersönlich vor das Publikum tritt und eine neue Zeit einläutet, eine mit Perfect People for A Perfect World. Auch DeVille wird natürlich von Roland Düringer gespielt, diesmal in hochdeutsch und mit sanfter Stimme. Dieser zweite Teil des Abends ist durchaus interessant, wenn auch sehr ernst und etwas ungewohnt für ein Kabarettprogramm.
Bleibt noch zu erwähnen, dass Düringer diesmal eine echte Multimedia-Show präsentiert, die ebenfalls Lob verdient.
Letztlich dürfte Düringer ab 4.99 die Geister scheiden zwischen BeGeisterten und Düringer-Geist-Unwilligen. Meine Empfehlung lautet: anschauen und sich selbst eine Meinung bilden. Besonders bekannt wurde Düringer im gesamten deutschen Sprachraum als Ing. Breitfuß durch die TV-Serie und den gleichnamigen Kinofilm MA 2412 zusammen mit Alfred Dorfer sowie durch die Kinofilme c(r)ook (basta), Der Überfall, Hinterholzacht und zuletzt durch den Alkoholikerfilm Die Viertelliterklasse.

Montag, 6. März 2006, von Elmar Leimgruber

And the Oscar goes toooooooooo…

Bester Film: L. A. Crash
Beste Regie: Ang Lee (“Brokeback Mountain”)
Bester Hauptdarsteller: Philip Seymour Hoffman (“Capote”)
Beste Hauptdarstellerin: Reese Witherspoon (“Walk The Line”)
Nebendarsteller: George Clooney (“Syriana”)
Nebendarstellerin: Rachel Weisz (“Der ewige Gärtner”)
Bester nicht-englischsprachiger Film: “Tsotsi”
Bester Kurzfilm: “Six Shooter”
Bester Animationsfilm: Wallace & Gromit auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen
Bester kurzer Trickfilm: “The Moon and the Son: An Imagined Conversation”
Beste Dokumentation: Die Reise der Pinguine
Beste Kurz-Dokumentation: “A Note of Triumph: The Golden Age of Norman Corwin”
Bestes Original-Drehbuch: “L.A. Crash”
Adaptiertes Drehbuch: “Brokeback Mountain”
Beste Kamera: Die Geisha
Beste Filmmusik: Brokeback Mountain
Original-Song: “It’s Hard Out Here For A Pimp” aus “Hustle & Flow” (Jordan Houston/Cedric Coleman/Paul Beauregard)
Spezial-Effekte: King Kong
Bester Schnitt: “L.A. Crash”
Bester Ton: “King Kong”
Bester Ton-Schnitt: “King Kong”
Beste Kostüme: “Die Geisha”
Beste Ausstattung: “Die Geisha”
Beste Maske: Der König von Narnia
Ehrenoscar: Robert Altman