Donnerstag, 5. Juni 2008, von Elmar Leimgruber

Dänen machen Euro in Wien bierig

Ist schon amüsant: Nicht nur, dass die Eurofanzone in Wien beim Rathaus (glaubt denn der Bürgermeister wirklich, dass der eventuelle Jubel der Fussballmeute ihm gilt?)am Ring liegt (anstatt in der Nähe des Stadions am Donauufer oder so) und dass deshalb nicht nur keine Theatervorstellungen im Burgtheater stattfinden können, der Ring-Autoverkehr umgeleitet wird (was zu massiven Staus führen wird) und dass selbst die Ringstrassenbahn im Umfeld nicht verkehrt: nein zu allem Überfluss gibt es in der Fanzone Wien ausschließlich dänisches Bier (Carlsberg) und dies zum stolzen Preis von 4,50 Euro für ein Krügerl (0,5 Liter).
Andererseits heisst es dass innerhalb der Fanmeile Getränkebehälter über 0,33 Liter untersagt sind und dass striktes Alkoholverbot gilt.
Was gilt nun: Ist der Konsum von Alkohol (und den Süchtlern sei gesagt: ja Bier ist definitiv Alkohol) in den Fanzonsen nun grundsätzlich verboten? Oder ist nur das Mitbringen von Nichtsponsor-Bier und co. in die Fanzone “aus Sicherheitsgründen” verboten, damit ja fleissig das extrem überteuerte dänische Sponsorbier gesoffen werden muss?
Witzig allemal, dass weder der Wiener Platzhirsch (Ottakringer) noch die “österreichische” Brau AG (mit ihren Marken Kaiser, Zipfer, Gösser, Puntigamer, Wieselburger…, die übrigens seit Jahren zum einflussreichen holländischen Heineken-Konzern gehören) es offensichtlich geschafft haben, in den “heiligen” Rang eines offiziellen Euro-Biers aufzusteigen.

Mittwoch, 4. Juni 2008, von Elmar Leimgruber

Ryanair verstößt gegen EU-Wettbewerbsrecht

Die Ailines schlagen Alarm: Wegen den erhöhten Spritpreisen könnten bald einige von ihnen pleite gehen.
Während aber den Einen (der AUA) geholfen werden könnte, würden sie eine heilende Allianz eingehen (mit der Lufthansa), mache ich mir beim “Billigflieger” Ryanair nicht die geringsten Sorgen:
Man fliegt mit dem Diskounter zwar zuweilen um unter 100 Euro (inkl. Steuern und Gebühren) auch kurzfristig hin und retour, aber beim Gepäck wird der Kunde dann anschließend nochmal massivst zur Kasse gebeten:
Man muss separat das aufzugebende Gepäck anmelden und bezahlen (pro Gepäckstück kostet dies von Wien-Bratislava nach London beispielsweise zusätzlich 30 Euro; bei der Buchung am Flughafen zahlt man sogar noch mehr) und -das ist die Unverschämtheit- wie viele Koffer man auch immer aufgibt (Je-Stück-Bezahlung!): das Maximalgewicht aller Gepäckstücke zusammen darf 15 Kilo nicht überschreiten.
Die Folge dieser neuen Ryanair”bedingung” sind zusätzliche “Zahlschalter” in London Stansted, die vor der Rückreise ins Heimatland eine Strafprämie von 15 Euro pro Kilo “Übergewicht” einkassieren.
Wer also -wie bei längeren Aufenhalten üblich- beispielsweise auch nur einen einzigen Koffer hat (für dessen Transport bereits vorher zusätzlich zu Flug, Steuern und Gebühren gezahlt wurde), der bei der Rückreise 20 Kilo (bei fast allen anderen Fluglinien liegt das meist nicht sanktionierte Höchstgewicht bei 20 kg) wiegt, wird dazu gezwungen, am Flughafen weitere 75 Euro zu bezahlen. Ansonsten wird der Rückflug in die Heimat verweigert bzw. muss der Koffer zurückgelassen werden. Zählt man also 30 Euro für das vorher eingecheckte Gepäck und die “Übergepäck-Strafe” zusammen, liegt man plötzlich bei 105 Euro, die man nun zusätzlich zu den günstig anmutenden “Brutto”-Preisen bezahlen muss.
Ryanair lockt also mit günstigen Preisen, kassiert aber dann kräftigst zusätzlich ab. Für die Zweifelnden: Zum einen habe ich diese Ryanair-Praxis selbst erlitten und sie stimmt auch mit deren aktuellen Beförderungsrichtlinien überein.
Dieses Verhalten des “Billigfliegers” verstößt meines Erachtens gegen geltendes Wettbewerbsrecht. Und ich wundere mich daher, dass weder andere Fluglinien noch die EU-Wettbewerbsbehörde diesen Misstand unterbinden.

Mittwoch, 4. Juni 2008, von Elmar Leimgruber

Robert Schneiders Offenbarung

Er war ein rastlos Suchender, als ich ihn vor etwa 10 Jahren schon mal live erlebte: Robert Schneider.
Heute wirkt er entspannt und zufrieden: Er scheint gefunden zu haben, wonach er sich sehnte. Ich hoffe doch, dass es nicht nur der Augenblick ist, der “so schön” ist und zum Verweilen einlädt.
Mit seinem neuen Roman “Die Offenbarung” seheint der Autor aus Vorarlberg an jene literarischen Wurzeln zurückgekehrt zu sein, die bereits sein Erstlingswerk “Schlafes Bruder” (Bestseller-Roman, Kinofilm, Oper) prägten: Musik, Glaube, Verzweiflung und Erlösung.
Es ist angenehm ihm zuzuhören, wenn er aus diesem seinem neuen Roman liest, man wird gefesselt und hineingenommen in eine ganz andere “Welt”, die so fremd und doch wieder so nah scheint.
Robert Schneider ist keinesfalls eine Eintagsfliege, sondern ein großartiger Künstler und Visionär. Das konnte ich heute abend im Radiokulturhaus wieder live erleben. Und Jürgen Natter begleitete an der großen Orgel den Autor, der selbst auch Organist ist, berührend und ergreifend mit Werken von Johann Sebastian Bach, aber auch Eigenkompositionen.
Obwohl dieser Abend mit Robert Schneider und Jürgen Natter ausserordentlich erfüllend und inspirierend war: Organisatorisch muss ich einiges rügen:
Meist sind Autorenlesungen (weil sie in erster Linie Promotion für eigene Werke sind) kostenlos; hier wurden an der Abendkasse 24 Euro verrechnet. Und es gab keinerlei Ermässigungen im ORF Radiokulturhaus: weder für Studenten noch für Ö1-Clubmitlieder (für die es laut “Heimspiel” immer Rabatt gibt). Begründung hierzu: Dies ist “keine eigene Veranstaltung”.
Bei einem solchen Preisverhalten darf man sich nicht wundern, wenn -wie heute- nur etwa 50 Besuchen der Lesung lauschen.
Ich erwarte mir künftig Besserung auf Seiten der Veranstalter Fechter Management und Aufbau Verlag sowie dem Radiokulturhaus: Robert Schneider ist nach wie vor unterschätzt. Und er verdient ein größeres Publikum.

Dienstag, 3. Juni 2008, von Elmar Leimgruber

Wiener Polizei bläst Filmmusik

Das Blasorchester der Wiener Polizei lädt zur “Nacht der Filmmusik” und untermalt Filmausschnitte auf zwei Videowänden live musikalisch.
Was werden die Zuschauer da zu sehen bekommen? Die Trailer zum Film “Die unvermeidlichen Skandale der Wiener Polizei”?
Der Eintritt heute abend um 20.00 Uhr in den Arkadenhof des Wiener Rathauses ist jedenfalls frei.

Montag, 2. Juni 2008, von Elmar Leimgruber

Gusi gib das Zepter ab!

Die österreichische Regierung unter Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) und Vizekanzler Wilhelm Molterer (ÖVP) hat vor einigen Tagen gemeinsam (!) ein neues Pensionspaket beschlossen.
Nur wenige Tage darauf macht die SPÖ nun plötzlich einen Rückzieher und will “Nachbesserungen”.
Ja, ist denn das zu fassen? Man kann ja zu den neuen Bestimmungen, die Junge gegenüber Alten sehr benachteiligen, ja stehen wie man will. Aber darum geht es mir hier nicht:
Es ist ein Zeichen von Unzuverlässigkeit und von schwerwiegender Charakterschwäche, wenn Gusenbauer und seine SPÖ zuerst -sicherlich auch noch in einem Kompromiss mit der ÖVP- ein Pensionspaket beschließen und dann im nachhinein einen Rückzieher machen.
Wo sonst in Europa wäre solch ein Verhalten politisch möglich ohne Konsequenzen auf höchster Ebene?

Sonntag, 1. Juni 2008, von Elmar Leimgruber

Dorfers “Fremd”

Es ist kein so niveauvoll- philosophisches Programm, wie man es von Gunkl, alias Günther Paal kennt. Aber muss man das bekommen, ja, sollte man sich dies erwarten, wenn man ins Kabarett geht? Da könnte man genauso einer philosophischen Vorlesung an der Universität lauschen.
Es ist jedoch äußerst unterhaltsam, ja amüsant, was uns Alfred Dorfer in seinem aktuellen (okok, es stammt aus dem fernen Jahr 2003, aber ich habe es an diesem Samstag im Wiener Akademietheater live erlebt) Programm “fremd” bietet.
Und Dorfer ist hier sehr vielseitig zu erleben, mal als Shakespeare- Schauspieler, mal als Sänger, mal als Kabarettist und mal auch einfach nur als “Mensch”. Wer einen kurzweiligen unterhaltsamen Kabarettabend genießen möchte, dem sei Dorfer an dieser Stelle empfohlen.

Freitag, 30. Mai 2008, von Elmar Leimgruber

Gebt den Bauern, was der Bauern ist!

Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass Europas Bauern streiken: Es kann einfach nicht sein, dass die Milchpreise immer weiter nach oben schießen und die Bauern davon kaum was zu sehen bekommen.
Ok, eine Milchkuh gibt zwischen 25 und 60 Kg Milch pro Tag und “Hochleistungskühe” liefern bis zu 17.000 Kg pro Jahr. Und ein guter Mittelwert liegt pro Kuh zwischen 9.000 und 11.000 kg jährlich.
Aber der Bauer bekommt für einen Liter Milch in Deutschland pro kg von den Molkereien zwischen 25 und 35 Cent. Das ergibt bei einer guten Durchschnittskuh auf das Jahr gesehen zwischen 2.500 und 3.500 Euro. Und davon müssen Ausgaben wie Aufzucht, Betreuung, Strom und Nahrungsmittel noch abgezogen werden: Dabei trinkt eine Kuh bei heissem Wetter allein schon bis zu 180 Liter Wasser pro Tag, ganz zu schweigen von weiteren Nahrungsmitteln, die entweder geerntet oder zugekauft werden müssen.
Dass in der derzeitigen Teuerungswelle im Lebensmittel- und Energiebreich vor allem Kleinbauern die finanzielle Luft zum Atmen ausgeht, und dass sie derzeit zumindest 40 Cent pro kg (in Österreich derzeit teilweise schon umgesetzt, aber wieder rückläufig) fordern, ist mehr als nachvollziehbar.
Es ist viel zu schade um dieses wertvolles Grundnahrungsmittel, wenn die Milch nun verfüttert oder gar weggeschüttet wird, um auf die eigene Not aufmerksam zu machen.
Und ich fordere daher: gebt den Bauern ihren wohlverdienten Sold und bereichert euch nicht an ihnen!

Donnerstag, 29. Mai 2008, von Elmar Leimgruber

Über die Instrumentalisierung der Ärzte

In diesen Tagen geht es rund in Österreich: es fliegen die Fetzen zwischen der Regierung und der Ärztekammer: Die Regierung will durch neue gesetzliche Regelungen einerseits befristete Verträge der Krankenkassen mit Ärzten, andererseits verhindern, dass der Arzt dem Patienten ein konkretes Medikament verschreibt: in Zukunft soll nur mehr der Wirkstoff verschrieben werden und die Apotheker übergeben den Patienten dann das jeweilig günstigste Präparat mit diesen Inhaltsstoffen. Dagegen macht nun die Standesvertretung der Ärzte mobil. Warum? Welche Sorge müsste ein Arzt haben, seinen Vertrag mit der Krankenkasse zu verlieren, wenn er gewissenhaft und gut arbeitet?
Diese Angst ist meines Erachtens unberechtigt. Oder geht es vielmehr darum, dass bisher viele Ärzte durch die großen Pharmafirmen hofiert werden und sie teils kostenlos, teils sehr günstig Medikamente überlassen bekamen und mit dieser lukrativen Zusatzeinnahme nun Schluss ist?
Ich kritisiere hier keinesfalls die sehr vielen guten gewissenhaften Ärzte, denen es um das Wohl der Menschen geht und nicht um ihren eigenen Reichtum. Diese Ärzte würden auch keinesfalls das Vertrauensverhältnis, das ihre Patienten zu ihnen haben, ausnützen, um immer noch mehr zu verdienen zu Lasten ihrer Patienten.
Aber ich habe derzeit sehr wohl ein schwerwiegendes Verständnisproblem mit deren Standesvertretung, der Ärztekammer:
Gegen die geplante Gesundheitsreform wollen sie während der Euro streiken, aber sie halten es offenbar nicht für notwendig, sich in aller Klarheit und Deutlichkeit von einem Lebensmittelhersteller zu distanzieren, der auf seinen Werbeplakaten schreibt, dass über die Hälfte der österreichischen Ärzte sein Produkt für gesund und empfehlenswert hält. Hier lässt man sich wohl sehr eindeutig instrumentalisieren. Und von wem sonst noch?…

Mittwoch, 28. Mai 2008, von Elmar Leimgruber

Die Lange Nacht der Kirchen in ganz Österreich

Abschalten, entspannen, besinnen, Musik hören, Gott und den Mitmenschen begegnen: Dazu laden die christlichen Kirchen Österreichs am kommenden Wochenende am 30. Mai ein: Die Lange Nacht der Kirchen, die heuer unter dem Motto steht: Ein Tag sagt es dem andern, eine Nacht tut es der andern kund – Ps 19,3:
600 Kirchen aller christlichen Konfessionen in ganz Österreich sind an diesem Freitag bis um 1 Uhr in der Nacht geöffnet und allein in den 172 Gotteshäusern Wiens sind über 1000 Programmpunkte geplant.
In der Erzdiözese Wien, wo die “Lange Nacht” bereits zum vierten Mal stattfindet, beginnt das Ereignis um 18 Uhr mit der ökumenischen Eröffnungsfeier in der Schottenkirche an der Freyung. Vertreter aller christlichen Kirchen, allen voran der katholische Weihbischof Helmut Krätzl, der orthodoxe Metropolit Michael Staikos und der evangelische Superintendent Hansjörg Lein feiern mit den Anwesenden die ökumenische Vesper zum Thema: “Bemüht euch um das Wohl der Stadt”.
Das Zisterzienser-Stift Heiligenkreuz, das mit seiner CD-Einspielung gregorianischer Gesänge “Chant-Music for Paradise” soeben in die britischen Top-Charts eingestiegen ist, öffnet an diesem Abend übrigens auch seine Tore, allerdings nicht im Stammhaus in NÖ bei Baden, sondern im Heiligerkreuzerhof in Wien: Das Programm sehen Sie hier.

Mittwoch, 28. Mai 2008, von Elmar Leimgruber

Information als Event: So klappt’s.

Wie vermittelt man komplexe Inhalte allgemeinverständlich? Und wie hält man geladene Businessgäste bei guter Laune, die wohl vor allem wegen der möglichen Geschäftskontakte und des anschließenden Buffets (Anmerkung: es war tatsächlich hervorragend) ein Multimedia-Event besuchen?
Man bietet Fernsehen vom Feinsten, live und abwechslungsreich. Und vor allem: man bekocht sie: so geschehen beim diesjährigen APA-Onlinetag im ORF-Zentrum:
Hier wurden die verschiedensten APA-Produkte anschaulich -und von Chefredakteur Michael Lang als erfrischend humorvoller Moderator massiv untermauert- gänzlich ohne Powerpoint-Präsentation- dargelegt und zwar in Form von ORF-Sendungen:
“Im Zentrum” wurde wie gewohnt diskutiert, in der “ZIB” wurde informiert und -was ich besonders wohltuend empfand- in “Frisch gekocht” wurde tatsächlich gekocht und sogar aufgetischt.
So müssen Businessveranstaltungen sein: kreativ, abwechslungsreich und humorvoll. Die APA hat hier eine neue Ära der Kommunikation begonnen: Ich gratuliere herzlich.