Von heute bis Sonntag steigt wiederum das größte OpenAir-Festivel Europas: das Donauinselfest in Wien. Auch heuer werden wieder Millionen von Menschen erwartet, wenn Zucchero, DJ Ötzi, Peter Maffay, No Angels, Gigi d’Agostino, Opus, STS, Manuel Ortega und andere ihre Hits zum Besten geben. Und wie es die Tradition verlangt, gibts alle Konzerte kostenlos. Das Highlight für Anspruchsvollere dürfte die ebenfalls schon tradionelle “Best of Musical-Show” der Vereinigten Bühnen Wien am Sonntag abend sein. Doch auch Österreichs Kultursender Ö1 ist wieder live auf der Insel mit einem eigenen Zelt vertreten.
Die Philharmoniker unter Norrington mit “Jazz”
Die Wiener Philharmoniker mit Jazz? Ist das möglich? Darf das sein? Ja, natürlich, antworte ich. Und das gabs auch zu hören, wenn auch nur kurz, bei ihrem Konzert unter Roger Norrington am 9. Juni im Wiener Musikverein. Die Suite Facade von Walton brachte die Philharmoniker tatsächlich zum Swingen. Die vorher interpretierte Feuerwerksmusik von Händel klang allerdings auch recht swingig und wenig nach Barock. Mir gefiels trotzdem, wenn auch die Bläser zum Teil zu wenig zivilisiert spielten. Norrington bewies wieder mal, wie “anders” man auch bekannte Musik interpretieren kann, auch in der folgenden 1. Symphonie von Elgar. Insgesamt gesehn ein sehr lohnender Konzertabend, der mir noch länger in Erinnerung bleiben wird.
Milva mit Chansons im Musikverein
Am 7. Juni war es soweit. Italiens Grande Dame Milva war erstmals in ihrem Leben im Wiener Musikverein, was ihr offenbar im ersten Teil ihres Chanson-Abends zuweilen die gesamte Stimme kostete: Einmal zu laut, dann wieder stimmlos gelang es ihr auf Anhieb, so manchen Konzertbesucher zu verärgern. Vielleicht lag das an ihrer Nervosität, vielleicht aber auch an ihrem Alter (sie ist 63). Kräftig und charaktervoll hingegen wurde sie erst gegen Ende des Konzerts mit Liedern von Edith Piaf. Die Folge war tosender Applaus, der die Diva nicht mehr loslassen wollte. Begleitet wurde sie dabei vom Südtiroler Regionalorchester Haydn unter Manlio Benzi, das durchaus gut musizierte. Dieses interpretierte auch von dessen künstlerischem Leiter Hubert Stuppner komponierte bzw. arrangierte Werke. Obwohl dessen Ruf als Komponist durchaus umstritten ist, fand ich seine Werke sehr passend und voller Power.
Musikindustrie, du hast den Zug verpasst
Während andere Wirtschaftstreibende heutzutage mit der Concorde oder anderen schnellen Flugzeugen unterwegs sind, versucht die Musikindustrie krampfhaft, einen schon seit Jahren abgefahrenen Hochgeschwindigkeits-Zug zu Fuss einzuholen. Dass dies ein unmögliches Unterfangen darstellt, sollte mittlerweile eigentlich auch den Urhebern dieser Unmöglichkeit klarsein.
Schon gab es unzählige Internetuser, die sich ihre kommerziellen Wunschsongs kostenlos aus dem Internet runterladeten. Doch die millionenschwere Musikindustrie reagierte erst, als die Downloads existenzbedrohend für verschiedene Labels zu werden schienen. Die erste der Musiktauschbörsen, Napster wurde geklagt, mit dem Ziel, ihr den Garaus zu machen. Die Folge waren weitere andere Musikaustauschbörsen im Internet, die sich immer grösserer Beliebtheit vor allem bei jungen Usern erfreuen. Dieser Trend wird sich mit Sicherheit nicht stoppen lassen; da kann die Musikindustrie noch so harte – eigentlich überflüssige– Kampagnen gegen die illegalen Downloads urheberrechtsgeschützter Musik anstreben.
Etwas zukunftsorientierter als die meisten anderen grossen Labels ging Bertelsmann (BMG) ans Werk. Durch den Kauf von Napster versuchte das Unternehmen, durch günstige, aber doch kostenpflichtige Downloads wenigstens ein klein wenig Einkommen zu schaffen. Doch wie sich zeigte, war auch dieses Experiment letztlich zu wenig attraktiv, um von der Masse der Musikdownloadsüchtigen auch tatsächlich entsprechend genutzt zu werden. Immerhin gibt es ja jede Menge Napster-Nachfolger wie etwa Morpheus, KaZaA oder Limewire (Mac) , die nach wie vor Gratis-Downloads anbieten und gegen die und deren Nachfolger die Musikindustrie auch nicht wirklich auf Dauer was unternehmen wird können. Dies Zug ist endgültig abgefahren!
Auch Versuche der Musikgiganten, illegales Kopieren von CDs über Computer dadurch zu unterbinden, dass Musik-CDs seit kurzem in CD-ROM-Brennern und Laufwerken gar nicht mehr funktionieren, sind nicht zielführend, wenn nicht gar kontraproduktiv: Zum einen funktionieren manche dieser neuen CDs auch in herkömmlichen Abspielgeräten nicht mehr und zum anderen gibt es mittlerweile zu viele junge Musikliebhaber, deren einziger CD-Player der im Computer –oft ausgestattet mit einer Surroundanlage– ist. Wieso sollte ein solcher User dann überhaupt noch eine neue Audio-CD kaufen?
Anstatt sich über die sinkenden Absätze zu beklagen, täte es der Musikindustrie wahrlich gut, wirklich umzudenken, vor allem, was den Preis der CDs betrifft: Ein Hauptgrund, warum so viel raubkopiert wird und warum die Musikbörsen im Internet sich grösster Beliebheit erfreuen, ist sicherlich, dass die CDs in den vergangenen Jahren immer teurer anstatt billiger geworden sind.
Zunächst wurden Mediamarkt, Saturn, Cosmos, Promarkt, Libro und andere Großmärkte aus dem Boden gestampft und CDs wurden zu Dumpingpreisen angeboten. Preise von maximal 189-199 Schilling für jede aktuelle Chart-CD (Hochpreissegment) waren vor 10 Jahren in Grossmärkten üblich, neue CDs in Aktion erhielt man um 149 oder gar um 99 Schilling.
Eine Folge dieser Marktpolitik war, dass viele traditionelle Plattengeschäfte vor den aggressiven Preisen resignieren mussten und dass es sie mittlerweile grossteils nicht mehr gibt.
Heute kosten in den Großmärkten aktuelle Chart-CDs meist 229-249 Schilling, mindestens aber 199 Schilling, wenn sie in Aktion sind, immer noch189 Schilling. In den letzten Jahren sind allein die Aktionspreise von 149 auf 189 Schilling pro CD angehoben worden. Während der Preis eines CD-Rohlings für den Endverbraucher in den letzten Jahren von 200 Schilling auf 8 Schilling und weniger gesunken ist, somit auch die CD-Produktion für die betroffenen Unternehmen viel günstiger geworden ist, stiegen die Preise von aktuellen CDs um bis zu 23 Prozent (!).
Da mögen die Musikmacher und –Produzenten jammern, soviel sie wollen: Es ist für Musikliebhaber einfach nicht nachvollziehbar, warum für eine aktuelle CD soviel Geld verlangt wird, und dies nicht nur deswegen, weil er sich dieselbe Musik im Internet kostenlos downloaden kann.
Mal ganz ehrlich: Wenn man die Wahl hat, sich das Original einer CD zu einem vernünftigen und nachvollziehbaren Preis zu kaufen oder es sich im Internet mühsam zu suchen, herunterzuladen und es sich dann auf eine 0815er CD zu brennen: welche Entscheidung trifft man?
Ein Original in Händen zu halten ist einfach was Schönes; etwas worauf man stolz sein kann!
Mit dieser Meinung stehe ich wohl nicht allein da.
Anstatt sich über mangelnde Umsätze zu beklagen und als Reaktion darauf die Preise zu erhöhen, wäre meines Erachtens das entgegengesetzte Verhalten die einzige richtige Antwort darauf:
Um beim Bild der Fahrzeuge zu bleiben: wenn ich als Hersteller merke, dass die Konsumenten mein Produkt nicht mehr nützen, muss ich umdenken. Ich muss dann eben besser werden und mehr anbieten als meine Konkurrenz. Wenn jene die Concord anbietet, muss ich eben daran arbeiten, ein noch besseres Flugzeug zu konstruieren, um meinen Kunden dann ein noch schnelleres und sichereres Ankommen am Zielort zu ermöglichen.
Ähnlich verhält es sich in der Musikindustrie: Wenn mir die Kunden davon laufen und sich ihre Songs woanders her holen, muss ich nach Wegen suchen, dass sie wieder zu mir zurückkommen: Das gelingt aber sicher nicht, indem ich meine Konkurrenz zu vernichten evrsuche. Sowas kann –wenn überhaupt- nur kurzfristig funktionieren. Vielmehr muss ich als Vertreter der Musikindustrie dafür sorgen, dass mein Produkt, die Original-CDs wieder beim Endkonsumenten ankommen. Um dies zu erreichen, müssen die CD-Preise massiv sinken. Dies kostet die Musikindustrie vielleicht kurzfristig Gewinneinbussen, jedoch die Umsätze werden massiv ansteigen und so letztlich auch die Gewinnkurve wieder nach oben treiben.
Eine darstische Senkung der MusikCD-Preise bleibt meines Erachtens für die Musikindustrie der einzige Weg, der ihr Überleben langfristig ermöglichen wird. Anderenfalls werden die Einkünfte sinken und sinken und die CD-Preise weiter steigen und letztlich wird ein Label nach dem anderen zusperren müssen. Ich bin gespannt, ob sich auch nur ein großer Konzern in der nächsten Zeit zu diesem innovativen Schritt durchringen wird können.
Im klassischen Segment beweist schon seit Jahren das alternative Label Naxos, dass es mit aggressiven Preisen (79 Schilling pro aktuelle CD) möglich ist, den grossen traditionellen Firmen Deutsche Grammphon und EMI (aktuelle CDs ab 250 Schilling) das Feld streitig zu machen. Und Umsätze und Gewinne können sich sehen lassen. Und seit einiger Zeit setzt auch das zur BMG-Gruppe gehörende Klassiklevel Arte Nova auf diesen innovativen Weg: laufend digitale Neueinspielungen von klassichen Werken (auch Ersteinspielungen) zu einem attraktiven Preis (ebenfalls 79 Schilling pro CD). Was aber im Bereich der klassischen Musik gewinnbringend möglich ist , sollte auch im Bereich der aktuellen Charts-Musik bestens funktionieren. Davon bin ich zutiefst überzeugt und wünsche daher der Musikindustrie Mut zu Innovationsgeist. Und die Kasse wird wieder klingeln:-)
Wenig Neues in Sisi-Musical von Roland Baumgartner, dafür aber gute Besetzung
Im Wiener Etablissement Ronacher wird in diesen Tagen das Musical “Sisi – Kaiserliche Schönheit” aus der Feder des Niederösterreichers Roland Baumgartner aufgeführt. Der Komponist ließ zwar vielfach Melodien seines Musicals “Sissy und Romy” aus den Neunzigern in sein aktuelles Werk einfließen, diese hören sich aber großteils immer noch gut an. Allerdings schien sich Baumgartner an manchen Stellen nicht sicher gewesen zu sein, wen er eher ansprechen möchte: Die Freunde des Wiener Walzers, die Musikantenstadl-Fans oder die Anhänger von Musicals. Was zu Beginn eher schnulzenhaft beginnt, steigert sich im Laufe der Handlung auch musikalisch, so dass das Publikum zu Recht am Ende des Musicals kaum genug applaudieren konnte. Weiterlesen »
PwC-Studie: Die Arbeitsplätze der Zukunft in Deutschland
PwC-Studie: Deutschland 2020 – Die Arbeitsplätze der Zukunft

Der demografische Wandel wird den Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte weiter verschärfen: Bis zum Jahr 2020 wird diese Situation in fast vier von zehn deutschen Kreisen zu Beschäftigungsverlusten führen. Diese Entwicklung trifft vor allem Kreise und Städte in Ostdeutschland und strukturschwache Regionen im Westen der Republik. Der Trend lässt sich nur aufhalten, wenn die regionalen Investitionen in Bildung und Qualifizierung deutlich steigen. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie “Deutschland 2020 – Die Arbeitsplätze der Zukunft”, die das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) im Auftrag von PwC erstellt hat.
Die Zahl der hochqualifizierten Beschäftigten wird in den kommenden zehn Jahren besonders in westdeutschen Metropolregionen wie dem Rhein-Main-Gebiet oder den Großräumen um München, Stuttgart und Hamburg steigen. In ländlich geprägten Regionen und in weiten Teilen Ostdeutschlands wird die Zahl der hochqualifizierten Beschäftigten dagegen sinken.
Diese Entwicklung hat unmittelbare Konsequenzen für die gesamte Beschäftigungsentwicklung. “Denn Wissensindustrien wie Technologieunternehmen oder innovative Dienstleister ziehen nicht nur sehr gut ausgebildete Beschäftigte an. Sie schaffen auch Beschäftigung für weniger qualifizierte Erwerbstätige. Die immer größer werdende Diskrepanz zwischen den Metropolregionen und ländlichen Gebieten lässt sich nur dann aufhalten, wenn in den Randregionen mehr hochqualifizierte Beschäftigung geschaffen wird”, sagt Wolfgang Wagner, Mitglied des PwC-Vorstands.
Die Studie “Deutschland 2020 – Die Arbeitsplätze der Zukunft” entwirft drei Szenarien für die Beschäftigungsentwicklung in 413 deutschen Kreisen und Städten bis zum Jahr 2020.
Basisszenario
Das Basisszenario geht davon aus, dass der Anteil der hochqualifizierten Arbeitskräfte in den Kreisen konstant bleibt. Regionen mit einem überdurchschnittlich hohen Qualifikationsniveau wird es gelingen, ihren Vorsprung zu halten. Dort wird also auch die Beschäftigung insgesamt langfristig stärker wachsen als im bundesweiten Durchschnitt.
In westdeutschen Städten wie München oder Hamburg und in Metropolregionen wie dem Rhein-Main- und Rhein-Neckar-Gebiet wird die Zahl der Erwerbstätigen besonders stark wachsen. In Ostdeutschland steigt die Erwerbstätigkeit nach diesem Szenario nur in Städten wie Leipzig und Dresden sowie in touristisch geprägten Kreisen wie Bad Doberan und Rügen. In ländlichen Regionen mit ungünstiger Wirtschaftsstruktur und sinkenden Bevölkerungszahlen wird sich auch die Beschäftigung negativ entwickeln. Dieser Trend schlägt vor allem in Ostdeutschland durch.
Polarisierungsszenario
Das Polarisierungsszenario basiert auf der Annahme, dass hochqualifizierte Arbeitskräfte mobiler sind als geringer qualifizierte. Sie wandern aus den ohnehin strukturschwachen Regionen ab. Dadurch verstärkt sich die Konzentration gut ausgebildeter Arbeitskräfte in Metropolregionen.
Im Vergleich zum Basisszenario steigt die Zahl der Kreise, in denen die Anzahl der Erwerbstätigen abnimmt, weiter an. In den meisten ostdeutschen Regionen fällt die Beschäftigungsentwicklung schlechter aus als im Basisszenario. Umgekehrt schneiden Regionen mit einer relativ guten Beschäftigungsprognose im Polarisierungsszenario noch besser ab. Zu den Gewinnern zählen insbesondere Kreise im Großraum München.
Wachstumsszenario
Das Wachstumsszenario geht davon aus, dass der Anteil der Hochqualifizierten bis 2020 in allen Regionen gleich schnell wächst und in allen Kreisen zunimmt. Voraussetzung für diese Entwicklung: Strukturschwache Regionen investieren verstärkt in ihre Bildungs- und Wissenschaftsinfrastruktur. Im Ergebnis bleiben die Unterschiede zwischen Metropolregionen und strukturschwachen Regionen zwar bestehen. Die Differenzen fallen jedoch geringer aus.
Die Beschäftigungsentwicklung verläuft in allen Kreisen besser als im Basisszenario. Insbesondere die Regionen, denen eine vergleichsweise ungünstige Erwerbstätigenentwicklung vorausgesagt wird, profitieren. Dies gilt vor allem für Kreise in Ostdeutschland.
Bildung sorgt für Beschäftigungswachstum
“Die Studie zeigt, dass Investitionen notwendig sind, die hochqualifizierte Arbeitskräfte anlocken. Denn wer die vorhandene Bildungsinfrastruktur fördert und weiter ausbaut, wird nicht nur zu den Gewinnern im Wettbewerb um die besten Köpfe gehören, sondern nachhaltig für mehr Beschäftigung in der Region sorgen”, sagt Wolfgang Wagner.
Bibliographische Daten
Deutschland 2020 – Die Arbeitsplätze der Zukunft
Regionen im Wettbewerb – Faktoren, Chancen und Szenarien
Herausgeber
PwC, Frankfurt am Main
Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut (HWWI)
Bibliographie/Quelle
November 2010
42 S.
DIN A4
Preis
kostenlos





