Wien: Trinkwasser-Streit und Nächtigungs-Rekord

Für hohe Wellen bis zur Berichterstattung darüber in wichtigen Medien in Deutschland hatte der Plan einiger maßgeblicher Wiener Gastronomen geführt, für bestelltes Trinkwasser zusätzlich Geld einzuheben. Berndt Querfeld, Betreiber unter anderem des legendären Wiener Cafe Landtmann, welcher bereits vor einigen Monaten mit der Erhöhung der Wiener Melange auf stolze 4.90 Euro für verständnisloses Kopfschütteln gesorgt hatte, stellte sich nun an die Spitze jener Kaffeehausbetreiber, welche künftig für ein Glas Trinkwasser zusätzliches Geld einheben wollen. Er rechtfertigte dies in der ORF-Sendung „ZIB24“ vor allem damit, dass durch die Konsumation von Trinkwasser den Gastronomen viel Geld entgehen würde und daher eben auch für dieses kassiert würde.

„Nachdem die, hirnverbrannte Idee‘ – so zu lesen in der ‚Süddeutschen Zeitung‘ am 10. Juli 2012 – in Wiens Gastronomie Geld für Leitungswasser zu verlangen, nunmehr auch über die Landesgrenzen hinaus für Schlagzeilen sorgt, bedarf diese Angelegenheit einer Klarstellung aus touristischer Sicht“, reagierte auch sogleich Wiens Tourismusdirektor Norbert Kettner: Kostenfrei serviertes Leitungswasser ist „ein traditioneller Service in Wiens Gastronomie, und zwar in Restaurants ebenso wie in Kaffeehäusern.“ Wien, das nachweislich weltweit mit seiner Gastfreundschaft punktet, laufe nun Gefahr, einen empfindlichen Imageverlust zu erleiden. „Eine Gastronomie von internationalem Rang zeichnet sich auch durch den Verzicht auf kleinliche Gesten aus“, ist Kettner überzeugt.Dafür gehts bislang dem Wien-Tourismus noch gut: Mit einem Plus von 8,4 % gegenüber dem Vergleichswert 2011 stiegen die Nächtigungen der ersten Jahreshälfte 2012 auf 5,5 Millionen. Der Netto-Nächtigungsumsatz der Wiener Hotellerie erhöhte sich in der Periode Jänner bis Mai um 5,1 % auf 191,5 Millionen EURO – ein Bestwert, der Kettner allerdings nicht restlos glücklich macht. Der besonders stark steigende Gästezustrom aus Übersee spricht ebenso stark für die 3. Piste am Wiener Flughafen.

Von Wiens Hauptmärkten legte in der ersten Jahreshälfte Russland mit einem 25 %-igen Nächtigungsplus am stärksten zu, gefolgt von Japan (+ 19 %), der Schweiz (+ 15 %) und den USA (+ 12 %). Zuwächse gab es weiters aus Deutschland (+ 2 %), Österreich (+ 9 %), Großbritannien (+ 8 %) und Frankreich (+ 5 %), während, wie bereits erwähnt, die Nächtigungen aus Italien (- 1 %) und Spanien (- 2 %) den vorjährigen Vergleichswert nicht erreichten.

Erstmals lässt sich heuer die Entwicklung der Nächtigungen aus Brasilien, Saudi Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten verfolgen. Diese Märkte werden erst seit 2011 einzeln erfasst, zuvor waren ihre Nächtigungen Teil der Blöcke „Zentral- und Südamerika“ bzw. „arabische Länder in Asien“. Alle drei weisen im ersten Halbjahr 2012 hohe Steigerungen aus: Die meisten Nächtigungen unter ihnen, nämlich 45.000, lieferte Brasilien mit einem Zuwachs von 40 % gegenüber Jänner bis Juni 2011. Die V.A.E. brachten es auf 25.000 Nächtigungen, was ein Plus von 27 % bedeutet, und Saudi Arabien ließ seine Nächtigungen um nicht weniger als 163 % auf 31.000 hochschnellen.

Das positive Halbjahresergebnis wirkte sich mit gesteigerten Nächtigungszahlen für alle Kategorien der Wiener Beherbergungsbetriebe aus. Die durchschnittliche Bettenauslastung erhöhte sich geringfügig auf 52,6 % (1-6/2011: 52,5 %), was einer gegenüber der Vergleichsperiode unveränderten Zimmerauslastung (sie wird in Österreich nicht erhoben) von rund 66 % entspricht. – In Anbetracht einer Kapazitätserweiterung um 2.500 Betten (+ 5,0 %) von Juni 2011 auf Juni 2012 durchaus bemerkenswert.

 

Die Ergebnisse im Detail
Herkunftsland Nächtigungen
Jänner-Juni 2012
Nächtigungen
Juni 2012
Nächtigungsumsatz
netto *)
in Euro
Jänner-Mai 2012
Deutschland 1.112.000
+2%
229.000
-4%
36.589.000
-1%
Österreich 1.090.000
+9%
206.000
+10%
34.295.000
+6%
Russland 319.000
+25%
42.000
+28%
12.631.000
+20%
USA 275.000
+12%
79.000
+13%
11.037.000
+11%
Italien 273.000
-1%
33.000
-9%
9.651.000
-5%
Großbritannien 188.000
+8%
43.000
+22%
7.291.000
+1%
Schweiz 179.000
+15%
33.000
+2%
6.910.000
+15%
Frankreich 164.000
+5%
30.000
-6%
5.930.000
+5%
Spanien 134.000
-2%
34.000
+2%
4.393.000
-6%
Japan 130.000
+19%
27.000
+11%
5.386.000
+25%
übrige 1.638.000 357.000 57.397.000
alle Länder 5.503.000
+8,4%
1.113.000
+8,6%
191.511.000
+5,1%

*) ohne Frühstück, Heizungszuschlag, Umsatzsteuer

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