Roter Platz für Wiens roten 10. Bezirk

Wien X Favoriten: Viktor Adler Markt
Foto: © Leimgruber

Nach Moskau bekommt nun auch Wien seinen Roten Platz: Weil der in Wien regierenden SPÖ auch in ihrem ureigensten roten Wiener Gemeindebezirk, in Favoriten, immer mehr der traditionell roten Arbeiterschaft zur blauen FPÖ überwechseln, will sie sich ein Denkmal schaffen: Der Platz vor dem traditionellen Viktor Adler Markt auf der Favoritenstrasse soll zum Roten Platz in Wien werden: Die SPÖ will den Platz kurzerhand mit rotem Gussasphalt betonieren.

Die Opposition ist sich einig wie selten sonst: ÖVP, Grüne und FPÖ sind geschlossen dagegen, dass dieser Platz rot wird und für die Umfärbung 45.000 Euro fliessen: Anstatt in ein „SPÖ-Denkmal“ und ein „SPÖ-Identitätszeichen“ zu investieren, soll das Geld in Schulsanierungen investiert werden, fordert die ÖVP laut „heute“. Die FPÖ wünscht sich anstelle dieses Projekts „mehr Grün“ und die Grünen wollen dafür die Umgestaltung „vergessener Plätze“.

Aktueller Belag des Platzes vor dem Viktor Adler Markt
Foto: © Leimgruber

Wunschbelag der Wiener SPÖ
Entwurf: © Leimgruber

Stimmt alles nicht, schreibt dazu die Magistratsabteilung (MA) 28 Strassenverwaltung und Strassenbau der Stadt Wien, die eine entsprechende Meldung der Wiener Gratis-Tageszeitung „heute“ als „schlichtweg falsch“ zurückweist: „Die Mehrkosten betragen schätzungsweise 10.000 Euro“, sagt Bernhard Engleder, Abteilungsleiter der MA 28 und betont, dass die rote Färbung des Gussasphalts eine gestalterische Maßnahme ist, die den Übergang von der Favoritenstraße zum Viktor-Adler- Markt signalisiert und darüber hinaus auch noch kostengünstiger ist als andere Farbvarianten“.

„heute“ antwortet darauf, dass in der Sitzung der Favoritner Bezirksvertretung 45.000 Euro Mehrkosten genannt worden seien, aber es nun plötzlich „nur“ mehr 10.000 Euro seien.

Und die Tageszeitung hat in diesem Fall mal vollkommen Recht: Mal abgesehen davon, dass rot -psychologisch betrachtet- Aggressionen fördert: Wenn man auch gewisse unsinnige Vorhaben bei den verantwortlichen Stadtvätern nicht immer verhindern kann, weil sie leider sogar genügend Geld dafür haben, um sich selbst parteipolitische Denkmäler zu setzen: zumindest können durch öffentliche Berichterstattung manchmal zumindest die Kosten hierfür auf wundersame Weise gesenkt werden. Aber als braver Bürger hilft man seiner Stadt ja gerne sparen, auch wenn uns nach den diesjährigen Wiener Gemeinderatswahlen sicherlich wieder saftige Gebührenerhöhungen (Strom, Gas, Abwasser, Müllabfuhr) ins Haus stehen werden, wie das letzte Mal auch.

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