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Montag, 3. Dezember 2012, von Elmar Leimgruber

Kritik: „Chuzpe“ in Wien: Generationenkonflikt gelöst:-)

 

Edek (Otto Schenk) bringt seine Tochter Ruth (Sandra Cervik) mit Chuzpe außer Rand und Band
Foto: © Sepp Gallauer

Wenn Publikumslieblinge wie Otto Schenk und Sandra Cervik gemeinsam live im Theater auftreten, ist beste Unterhaltung schon mal vorprogrammiert. Dies trifft selbstverständlich auch auf „Chuzpe“ zu, die Adaptierung des Bestsellerromans „You Gotta Have Balls“ von Lily Brett von Dieter Berner (Dramatisierung: Eva Demski) für die Wiener Kammerspiele (Intendanz: Herbert Föttinger). Und ganz besonders trifft auch der deutsche Titel dieses Romans zu:

Mit einer außergewöhnlichen Chuzpe („Dreistigkeit“) zieht der 87-jährige Vater Edek (Schenk) nicht nur unerwartet von Australien weg zu seiner Tochter Ruth (Cervik) nach New York, sondern bringt auch noch seine beiden polnischen Reisebekanntschaften Zofia (Grazyna Dylag) und Walentyna (Gabriele Schuchter) mit. Und Edek bringt die „heile“ Welt der erfolgreichen Leiterin eines Korrespondenzbüros durcheinander: zunächst macht er sich in ihrem Büro „nützlich“ und besorgt „Schnäppchen“ für sie und dann plant auch er noch mit seinen Freundinnen die Eröffnung eines Fleischbällchen-Restaurants mit dem klingenden Namen „You Gotta Have Balls“. Und alle Welt, selbst ihre beste Freundin Sonja (Alexandra Krismer) und ihre Empfangsdame Max (Daniela Golpaschin), scheinen sich plötzlich gemeinsam mit Edek gegen sie, die erfolgreiche Geschäftsfrau, verschworen zu haben: Ruth ist dem Nervenzusammenbruch nahe…

Sandra Cervik und Otto Schenk

Zugegeben: Die Hauptthematik „Generationenkonflikt“ ist zwar nicht wirklich was Neues, so auch nicht der jüdische Hintergrund der Beiden (mit Diskussionen auch im Stück darüber), welcher die Autorin übrigens ebenfalls biographisch betrifft: Lily Brett (eigentlich Lilijahne Breitstein bzw. Luba Brajsztajn) wurde als Tochter polnischer Juden in Deutschland geboren. Nachdem ihre Eltern zunächst im KZ Auschwitz getrennt wurden, wanderte die Familie 1948 nach Australien aus.

(v.l.n.r.:) Gabriele Schuchter (Walentyna), Grazyna Dylag (Zofia), Sandra Cervik (Ruth und Erzählerin), Otto Schenk (Edek), Alexandra Krismer (Sonja), Daniela Golpaschin (Max)

Ganz großes Lob geht jedoch -ohne Details vorwegnehmen zu wollen- an die Regie (Dieter Berner): Gute Ideen sind vorbildlich umgesetzt. Und es beeindruckt sehr, dass hier mal ein modernes heutiges Stück auf die Bühne kommt, das auch in der Gegenwart spielt, wo also Depressionen, Kalorienzählen, Hektik und Smartphones sich gegenseitig ein ständiges Duell liefern. Und der Alltag ist im Grunde langweilig, verstaubt und prüde.

Wiesehr müsste man also eigentlich dankbar sein, wenn ausgerechnet ein 87-Jähriger beweist, was es bedeutet, kreativ zu sein bewusst zu leben. Und ja: „You Gotta Have Balls“ trifft einfach zu: und zwar nicht nur auf die Fleischbällchen, sondern auch im vielfachen übertragenen Sinn. In diesem Sinne: Schauen Sie sich „Chuzpe“ in den Wiener Kammerspielen an: Es ist zwar eher „Populärliteratur“ denn hochgeistige, aber dennoch äußerst unterhaltsam und absolut sehenswert, schon dank der exzellenten Hauptdarsteller Schenk und Cervik (welche übrigens Ruth und die Erzählerin interpretiert). Und es ist ein lobenswertes Plädojer für ein konstruktives Miteinander von alt und jung und es ermutigt dazu, unabhängig vom Alter „Balls“ zu haben und Klischees zu brechen.

Die Urauffuehrung von „Chuzpe“ fand am 22.11. übrigens in Anwesenheit von Lily Brett in den Wiener Kammerspielen statt. Und am 25.11. las die Autorin in einer Matinée im Theater in der Josefstadt aus ihrem neuen Roman „Lola Bensky“. Weitere Aufführungen sind  für den 7., 8., 9. (15h u. 20h), 13., 14., 23. (15h u. 20h) Dezember 2012 in den Wiener Kammerspielen geplant.

Donnerstag, 17. Mai 2012, von Elmar Leimgruber

Ein Riesen Spass: Non(n)sense in den Wiener Kammerspielen

Er besuchte einst selbst eine katholische Schule und wurde von Klosterschwestern erzogen. Nach dessen eigenen Angaben waren diese aber nicht sehr streng, sondern vielmehr „einfach wahnsinnig komisch“. Gerade diese Jugend-Erfahrungen inspirierten den 1943 in Michigan geborenen Komponisten und Autor Dan Goggin das Musical „Nunsense“ zu schaffen.

Die Story ist einfach erzählt: Schwester Julia beschließt für die klösterliche Gemeinschaft zu kochen und schickt nichtsahnend mit ihrer vergifteten Bouillabaise 52 Schwestern frühzeitig ins Paradies. Da dem Kloster aber das Geld für die Bestattung der Verblichenen fehlt, wird eine Benefizvorstellung organisiert. Wer die bedauernswerten übriggebliebenen Schwestern hierbei finanziell unterstützen möchte, kann dies nun bis zum 28. Juni in den Wiener Kammerspielen tun.

Da eine jede der fünf Schwestern natürlich einen eiegnen Charakter hat, ist ein humorvoller Abend bereits vorprogrammiert. Das Stück „Non(n)sens“ ist -etwa im Gegensatz zum zu oberflächlichen Schwestern-Musical „Sister Act“– einfach einfach musikalisch und texlich gut geschrieben. In den Wiener Kammerspielen aber ist das Musical nicht nur als grandioses Werk ein Riesen Spass, sondern auch aufgrund der bestens gecasteten Darsteller:

Das Wiener Original, der Publikumsliebling, „Glock’n“, Marianne Mendt (Kaisermühlen Blues), welche ich bereits 1998 im Wiener Metropol in dieser Rolle erleben durfte, ist sowohl schauspielerisch als auch gesanglich eine großartige Mutter Oberin. An ihrer Seite brilliert schauspielerisch die Nummer 2 des Klosters, Angelika Niedetzky (Echt Fett, Schlawiner) als rabbiate, aber dennoch sympathische Schwester Maria Hubert. In jeder Hinsicht sensationell (auch als Bauchsängerin) ist Ruth Brauer-Kvam als äußerst vergessliche, aber sehr temperamentvolle Schwester Maria Amnesia und gesangstechnisch, tänzerisch und individualistisch großartig ist auch die unter Musicalfreunden bestens bekannte Sona MacDonald (Les Miserables) als Schwester Robert Anna. Hanna Kastner als Schwester Maria Leo darf dann auch das Tanzbein schwingen.

Auch Regie (Werner Sobotka), Choreographie („Der Inder“ Ramesh Nair) und Musikalische Arrangements/ Leitung (Christian Frank) lassen keine Wünsche offen. Wer sich also bestens unterhalten will und noch dazu trauernde „Klosterfrauen“ dabei unterstützen möchte, das nötige Geld zur Beerdingung ihrer Mitschwestern aufzubringen, für den ist dieses Musical in den Wiener Kammerspielen sehr zu empfehlen. Termine und Tickets sind online abrufbar.