Mit ‘Wagner’ getaggte Artikel

Mittwoch, 5. März 2008, von Elmar Leimgruber

Der Ring des Nibelungen als Musical in Bonn

Der Musiker Frank Nimsgern hat schon durch mehrere Musicals auf sich aufmerksam gemacht, so durch „Poe“ und „Paradise of Pain“. Seit Dezember 2007 läuft nun seine Version vom Ring des Nibelungen namens „Der Ring“ am Opernhaus Bonn in der Uraufführung. Am Dienstag war ich live dabei:
Das Vorspiel sowie einige weitere Nummern, so „Was kommt, bleibt“, Der Drachenkampf“ und „Dein Blut ist die Glut“ könnten von meinem Lieblingskomponisten Hans Zimmer sein, der Rest des Musicals ist stilistisch eine bunte Mischung, in der ziemlich viele Ohrwürmer dabei sind, so beispielsweise „Macht“, „Dreifach die Triebe“, „Wenn ich nur will“, „Brenn mir den Tag“, „Das Schwert der Rache“, „Steig hinab kleiner Mann“, „Lass uns Erinnerung sein“, „Gottheit von den Augen“.
Die Inszenierung wirkte etwas eigenartig auf mich, aber dafür wirkte Frank Nimsgern persönlich live mit (manchmal wurden die Musiker durch eine Hebebühne in den sichtbaren Raum gerückt).
Wirklich großartig aber fand ich hingegen die Besetzung des Wotan durch Karim Khawatmi (von ihm wird man in Zukunft sicher noch viel hören) und des Siegfried durch Marcus Hezel (auf der CD „Der Ring – Das Musical“ interpretiert diesen Part Serkan Kaya). Und mir als Stimmfetischisten fiel uch die herrliche Sprecherstimme von Frank Felicetti auf. Lobenswert erwähnt seien auch die Tänzerinnen und Tänzer, die in der Choreographie von Marvin A. Smith glänzten.
Aino Laos, die gemeinsam mit Nimsgern das Musical „Arena“ schrieb, als Brunhild aber hat mich an diesem Abend leider nicht wirklich überzeugt, genauso wenig wie Darius Merstein-MacLeod als Alberich oder Judith Jakob, Michaela Kovarikova, Maricel Wölk und Stephanie Theiß als Rheintöchter.
Vielleicht war ich an diesem Abend schon etwas müde, aber bei wirklich großartigen Produktionen nicke ich üblicherweise nicht ein; hier aber passierte es mir beim ersten Teil gleich mehrmals.
Dennoch: einige Nummern sind wirklich gut, und auch sehr hörenswert. Veilleicht sollte ich mir den Nimsgern-Ring noch ein zweites Mal ansehen, um eventuell ein objektiveres Urteil abgeben zu können. Als Musical-Freak sollte man ihn auf jedem Fall gesehen haben.

Dienstag, 26. Juni 2007, von Elmar Leimgruber

Robert Meyers Tannhäuser

Er ist DER Nestroy-Darsteller schlechthin, er ist designierter Volksopern-Direktor und er inszenierte und spielte „Tannhäuser in 80 Minuten“ in Wiener Burgtheater: Robert Meyer
Er ist meines Erachtens einer der großen Schauspieler unserer Zeit und er ist nicht nur schauspielerisch allem gewachsen, was er anstrebt, sondern auch als Sänger und Entertainer: vielleicht sollte er Letzteres -sofern er es nicht für zu billig hält- wirklich auch vermehrt tun.
Mit Nestroys Tannhäuser-Parodie, die interessanterweise in Wien seinerzeit noch vor dem wagnerischen Orignal zu erleben war, überzeugt Robert Meyer wiederum großartig: Allein die Tatsache, dass er wieder mal sämtliche männlichen und weiblichen Rollen der „Oper“ am selben Abend alle selbst gekonnt spielte und sang, verdient schon Applaus.
Mehr noch: er ist ein großartiger Künstler und wird es hoffentlich bleiben. Bin schon sehr gespannt, wie sich die Wiener Volksoper unter seiner Direktion entwickeln wird.

Sonntag, 15. Dezember 2002, von Elmar Leimgruber

Barenboim, der Renaissance-Musiker

Hört und sieht man Daniel Barenboim Richard Wagner dirigieren, -wie dieses Wochenende im Wiener Musikverein geschehn – glaubt man, vorher Wagner nicht gekannt zu haben: Barenboim entführt sein Publikum in mystische, verklärte, ja zutiefst spirituelle Welten. Ich sage dazu nur Gänsehaut pur. Ähnlich erging es dem aufmerksamen Hörer mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 3: Auch hier entführte Barenboim die in ungewohnt einmaliger Harmonie spielenden Wiener Philharmoniker in längst vergangene Zeiten. Die menschliche Seele strebt nach Höherem, und Barenboims Kunstgespür ist eine menschliche Brücke hierfür.
Ich frage mich, wann Barenboim tatsächlich auch mal echte Renaissance-Musik aufführen und einspielen wird. Er hätte eindeutig das nötige Gespür dafür.