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Freitag, 6. Januar 2012, von Elmar Leimgruber

Bozner „Siegesdenkmal“ bekommt Dokumentationszentrum

Bis Ende des Jahres 2012 soll unter dem Bozner Siegesdenkmal ein Dokumentationszentrum entstehen, in dem das Bauwerk aus der Zeit des Faschismus umfassend erklärt und in einen historischen Kontext eingebettet wird. Dies sieht das Programmabkommen vor, das am Sitz des Regierungskommissariats in Bozen unterzeichnet worden ist.

Mit den Unterschriften von Südtirols Denkmal- und Kultur-Landesrätin Sabina Kasslatter Mur, Bozens Bürgermeister Luigi Spagnolli und Regierungskommissar Fulvio Testi ist der Bau des Dokumentationszentrums unter dem Bozner Siegesdenkmal offiziell besiegelt worden. Für die Verwirklichung der Ausstellung stellt der Staat 834.000 Euro bereit, Land und Stadt Bozen steuern jeweils 100.000 Euro bei. Innerhalb 2012 soll die Ausstellung stehen.

Das so genannte Siegesdenkmal in Bozen wurde 1928 in der Zeit des italienischen Faschismus auf direkten Wunsch von Benito Mussolini errichtet und stellt bis heute eine schwere Provokation für die Südtiroler Bevölkerung dar. Um die ethnischen Spannungen abzubauen und ein friedliches Miteinander zu fördern, benannte die Bozner Stadtregierung 2002 den Platz um das Denkmal herum in Friedensplatz um. Der darauffolgende Protest der nationalistischen italienischen Rechtsparteien führte zu einem Referendum, in welchem sich die Mehrheit der in Bozen Lebenden (rund 73% italienisch- und 26% deutschsprachig) wiederum für den in der Faschistenzeit eingeführten Namen Siegesplatz aussprachen.

Am 22. Februar 2005 enthüllten dann die Vertreter der Gemeinde Bozen vor dem Denkmal Tafeln, die in den Sprachen, deutsch, italienisch, ladinisch und englisch an die Leiden der Bevölkerung und die Verbrechen der Faschisten in jener Zeit erinnern: „Stadt Bozen – Dieses Denkmal ist vom faschistischen Regime errichtet worden, um den Sieg Italiens im Ersten Weltkrieg zu feiern. Dieser brachte die Teilung Tirols und die Abtrennung der Bevölkerung dieses Landes vom Vaterland Österreich mit sich. Frei und demokratisch verurteilt die Stadt Bozen die Zwistigkeiten und Diskriminierungen der Vergangenheit und jede Form von Nationalismus und verpflichtet sich im europäischen Geist die Kultur des Friedens und des Zusammenlebens zu fördern. 2004.“

„Von außen erweckt das Siegesmonument den Eindruck, dass die Werte des Faschismus immer noch gültig seien.“ Diese ideologische Entladung soll durch das Dokumentationszentrum in den 13 Räumen und der Krypta unter dem Bauwerk aus den späten 1920er Jahren geschehen, erklärt Kasslatter Mur: „Die Ausstellung soll historisches Wissen vermitteln. Das ist unbedingt notwendig, denn nur wer die Geschichte kennt, kann auch dieses Bauwerk in den richtigen Kontext stellen. Wenn man’s nicht weiß, kann man’s nicht sehen.“ Bozens Bürgermeister Luigi Spagnolli dazu: „Das Dokumentationszentrum soll der gesamten Bevölkerung Bozens ein wichtiges Kapitel der Stadtgeschichte näher bringen. Die italienischsprachigen Bozner sollen verstehen, wo und wie die so genannte Neustadt entstanden ist und den deutschprachigen Boznern soll vermittelt werden, warum die Italiener hierher gekommen sind.“ Regierungskommissar Testi, der als „Eigentümervertreter“ des Denkmals das Schriftstück zur Errichtung des Dokumentationszentrums unterschrieben hat, hat das Abkommen zwischen Staat, Land und Stadt Bozen als ein Schriftstück von „historischer Bedeutung“ bezeichnet, das eine Investition in die Zukunft darstelle.

Eine fünfköpfige Kommission, bestehend aus Architekt Ugo Soragni, dem Leiter der regionalen Direktion für die Kultur- und Landschaftsgüter des Kulturministeriums, der Direktorin des Landesarchivs Christine Roilo, dem wissenschaftlichen Mitarbeiter des Landesarchivs Andrea Di Michele, der  Direktorin des Amtes für Museen und kunsthistorische Kulturgüter der Stadt Bozen Silvia Spada sowie dem Direktor des Bozner Stadtarchivs Hannes Obermair, hat bereits im Mai 2011 einen Parcours ausgearbeitet, der kurz vor Weihnachten vom zuständigen Ministerium in Rom abgesegnet worden war.

Im Dokumentationszentrum sollen unter anderem die Geschichte des Denkmals selbst, der Erste Weltkrieg und seine Folgen für Südtirol, die Politik Italiens in der Zwischenkriegszeit gegenüber der Südtiroler Minderheit, die Errichtung der Bozner „Neustadt“ zwischen dem alten Stadtzentrum und Gries, die Option im Jahr 1939, der Zweite Weltkrieg, die Geschichte des NS-Lagers in Bozen sowie das Kriegsende und der demokratische Neubeginn erklärt werden. Für die Verwirklichung des Parcours steht etwa eine Million Euro bereit, den Großteil davon trägt der Staat (834.000 Euro), jeweils 100.000 Euro finanzieren das Land und die Stadt Bozen.