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Montag, 16. Februar 2015, von Elmar Leimgruber

We Will Rock You Wien (Musical-Kritik)

In einer komplett globalisierten Zukunft ohne reale Musikinstrumente herrscht Globalsoft auf dem Planeten iPad. Die Killerqueen schaltet alle Jugendlichen (Gaga-Kids) online über das Internet und über Gehirnwäsche gleich und unterdrückt mit ihrem Polizeichef Kashogghi jegliche eigene Meinung. Nur die „Bohemians“, eine Handvoll Rockrebellen, proben den Aufstand gegen den alles beherrschenden Konzern für Freiheit, Individualität und die Wiedergeburt des Zeitalters des Rock. Auch Scaramouche, eine Aussteigerin und Galileo, ein Träumer mit Visionen, zwei junge Außenseiter, wollen sich mit der glattgebürsteten, gleichgeschalteten Realität nicht abfinden. Sie schließen sich den Bohemians an, begeben sich auf die Suche – und finden zusammen mit Hilfe der Erinnerungen des alten Doc die unbegrenzte Kraft der Freiheit, der Liebe und des Rock: Eine zeitkritische Story mit der genialen Musik von Queen und dem Buch von Ben Elton.

Ich habe das Musical “We Will Rock You” bereits 2008 im Wiener Raimund-Theater genossen und fand es damals recht unterhaltsam, wenn mir auch manche Anspielungen an die österreichische Musikszene eher plump erschienen. Im Oktober 2010 erlebte ich es endlich auch live in London, wo es bis zum vergangenen Jahr seit 2002 zu sehen war. Es lag wohl daran, dass es sich um eine Nachmittagsvorstellung handelte, aber fast alle Songs wurden sehr verkürzt dargeboten, eigentlich unverzeihlich bei einem Musical, in dem es immerhin und eigentlich um die Musik und nicht um  langatmige Dialoge geht.

Da mich diese Londoner Aufführung, von der ich mir wohl auch zu viel erwartet hatte, maßlos enttäuschte, wollte ich auf die neue Produktion, die kürzlich in Deutschland gastierte und derzeit in der Wiener Stadthalle gastiert, verzichten. Die Neugier jedoch war stärker. Und es hat sich gelohnt:

Obwohl eine Tourneeproduktion, ist die Regie, verbunden mit der hochwertigen technischen Ausstattung von Mark Fisher und Willie Williams großartig. Und genauso und das muss ich absolut hervorstreichen: Die Liveband (und die Musiker erwähne ich hiermit erstmals lobend in einer Kritik: Steve White, Holger Kappus, Jamie Humphries, Phil Hilborne, Oliver Poschmann, Alex Nies) unter der Leitung des Niederösterreichers Jeff Frohner hat internationales Top-Niveau, mit dem wohl die wenigsten Pop- und Rockgruppen mithalten können: da kommt nicht nur der Musik von Queen wegen echte Partystimmung auf, sondern die Jungs spielen einfach einsame Klasse.

Als Träumer Galileo erleben wir Christopher Brose: er hat eine großartige Stimme und er lebt und singt seine Rolle aus tiefstem Herzen. Dass die “Bohemian Rhapsody” am Ende der Vorstellung dennoch nicht mehr so kraftvoll gelingt, liegt daran, dass er sich vorher schon sehr verausgabt hat und dass alle Queen-Songs einfach jede Menge Energie erfordern. Als seine Partnerin Scaramouche brilliert vor allem schauspielerisch Marjolein Teepen.

Was mich besonders freut: Der Österreicher Markus Neugebauer findet als Brit seine ihm eigene Rolle als geladener und begnadeter Rocksänger, von dem man gern noch mehr hören möchte.

Und wenn Goele De Raedt als boshafte Killer Queen die Bühne betritt, spürt man ihren Hass gegenüber allem Fremden und ihre unendliche Machtbesessenheit auch als Zuschauer. Ihr zur Seite steht Martin Berger als Kashogghi als gestrenger etwas devot wirkender Polizeichef, dessen schauspielerische Qualitäten seine gesanglichen übersteigen. Stefan Müller-Rupert als Doc verblasst zwar zu Beginn des Musicals, findet jedoch am Ende seine Rolle als Wegweiser für die Suchenden. Alles in allem: Für mich ein großartiges Musical, wenn es so zur Aufführung gelangt wie aktuell in Wien.

Wer auf volle Action im Musical steht und nochdazu die Rockmusik von Queen liebt, sollte sich “We Will Rock You” in der Wiener Stadthalle (noch bis 1. März) nicht entgehen lassen.

Donnerstag, 29. Januar 2015, von Elmar Leimgruber

Viva La Mamma, Viva l’Opera:-) Kulturkritik

Ein Theater über das Theater ist doch das reinste Teater. Oder nicht?
Wie muss es dann erst um eine Oper bestellt sein, die sich mit den Vorgängen an der Oper beschäftigt?
Das klingt irgendwie nach einem modernen Stück aus dem 20. Jahrhundert. Ist es aber nicht:

Kein Geringerer als der italienische Komponist Gaetano Donizetti schuf bereits im fernen Jahr 1830 (eine erste Version gabs schon 1827) die Parodie-Oper “Viva La Mamma” über “Le convenienze ed inconvenienze teatrali” (“Die Sitten und Unsitten des Theaters”), beruhend auf zwei Komödien-Einakter von Antonio Simone Sografi. Und weil Donizetti das Opernleben offenbar aus eigener Erfahrung zu gut kannte, schrieb er sogar das Libretto zu dieser Opern-Parodie selbst.

Das Publikum erlebt in dieser Opera Buffa mal nicht eine vollständige Oper im eigentlichen Sinn, sondern nimmt an den Proben für eine Opernaufführung teil. Dass das, was in der Vorstellung meist so glänzt, nämlich die Prima Donna und der erste Tenor, in der Realität oft weit komplizierter, intriganter und zickiger ist, darin bekommt das Publikum der Wiener Volksoper seit Kurzem “geheime” Einblicke und erfährt so, was hinter die Kulissen von Theater und Oper ablaufen kann:
Nur weil nicht alles nach Wunsch der Primadonna läuft, droht gleich alles aus dem Gleichgewicht zu fallen, zumal dann auch noch die Mutter einer weiteren Sopranistin, Mamma Agata die Proben aufsucht, um ihre Tochter Luisa zur Primadonna hochzupuschen. Und auch Komponist, Dirigent und Direktor verfolgen ihre je eigenen Interessen, die sie selbst für am Wichtigsten halten. Als im Chaos schließlich auch noch der erste Tenor und eine weitere Sängerin aussteigen, sieht die Mamma, die bereits von Donizetti mit einem Mann (Bariton) besetzt wurde, ihre Karrierechance in der Oper gekommmen…

Wenn man sich für Kunst und Kultur interessiert, weiss man in etwa, was hinter den Kulissen vor sich gehe kann. Früher mag es vor allem (wie in dieser Oper) um persönliche Rivailtäten zwischen den Darstellern gegangen sein, heute kommen noch diverse Intrigen, Machtspiele und Korruption in den (viel zu vielen) verschiedenen Ebenen eines Hauses dazu, die teilweise das Leben aller Beteiligten unnötig erschweren. Umso erfreulicher ist die Aufführung dieses Werks  in der Wiener Volksoper, und ich bedanke mich an dieser Stelle besonders beim Hausherrn Robert Meyer, dass er diese selbstkritische Oper (nach 1983 erneut) auf den Spielplan gesetzt hat.

Als Regisseur konnte Rolando Villazon gewonnen werden, der selbst die Opernhäuser der Welt kennt wie kein Zweiter, gehört er doch zu den bedeutendsten Operntenören der Gegenwart.

Gewiss: Manche Szenen in dieser Regiearbeit mögen überzeichnet sein. Aber geht es nicht genau darum in einer Parodie? Das Normale, das Übliche so zu überzeichnen, dass auch noch dem Letzten klar wird, was da gepielt wird. Und dieser Spiegel tut gut: nicht nur auf der Schauspielerebene, sondern auch in allen Abteilungen eines Theaters, Musical-oder Opernhauses. Gute Arbeit also Rolando Villazon!

Wobei uneingeschänkt gilt dieses Lob auch wieder nicht: Denn “Star Wars” macht diese Oper nicht zeitgemäßer, sondern das wirkt echt gekünstelt und unnötig aufgesetzt: das ist nicht nur störend und peinlich, sondern das lenkt auch noch vom eigentlichen Thema ab. Also manchmal sind weniger “Ideen” doch mehr.

Die Arien von Donizetti sind teils sehr “zügig” und daher aus verständlichen Gründen alles andere als einfach zu singen, vor allem von einem gesamten Ensemble, noch dazu, wenn neben dem echten Dirigenten (Kristiina Poska) auch noch der “falsche”, der Bühnen-Dirigent (Günter Haumer) seinen Taktstock schwingt. Vor allem im ersten Akt sind daher einige Arien weder synchron, noch wirklich sauber gesungen. Hier herrscht Verbesserungsbedarf.

Besonderes Lob verdient jedoch Anja-Nina Bahrmann als herrlich zickige Primadonna Corilla: Sie dürfte aktuell eine der besten Koloratursporanistinnen überhaupt sein und kann durchaus mit einer großen gesanglichen Zukunft rechnen. Ebenfalls großartig ist JunHo You: ein Tenor mit einer angenehm warmen und gleichzeitig klaren kräftigen Stimme, gepaart mit einem überdurchschnittlichen schauspielerischen Talent, wie man schon lange Zeit keinen mehr gehört und erlebt hat: You wird vermutlich schon bald einer der bedeutendsten Operntenöre unserer Zeit sein.

Die eigentliche Hauptrolle jedoch spielt und singt Martin Winkler als Mamma Agata, der ohne Zweifel ein sehr begnadeter Schauspieler, vorallem für eine solche Rolle mit Charm und Witz und Dominanz ist. Während er also schauspielerisch brilliert, liegen ihm Donizettis schwierige Arien leider weniger.

Wer in die Oper geht, um Hochgeistiges zu erleben, wird zweifelsohne enttäuscht, wenn er “Viva La Mamma” in der Volksoper sieht. Wer hingegen einen humorvollen Blick hinter die Kulissen der Opern- und Theaterwelt werfen will, also Spass und Unterhaltung verbunden mit ein paar wunderbaren Stimmen haben will, den wird dieses Stück wohl erfreuen. Andere Neuproduktionen der Wiener Volksoper sind jedoch weit herausragender als diese.

Meine Kultur-Kritik bezieht sich auf die Aufführung am 20. Jänner 2015.

Sonntag, 4. August 2013, von Elmar Leimgruber

Musik für die Ewigkeit: Kammeroper “Der Marilyn Monroe Prozess” (Kritik)

Als 21-Jähriger war Roland Baumgartner bereits Leiter des Salzburger Musikschulwerks. Später setzte er sich in einem amerikanischen Kompositionswettbewerb sogar gegen seinen hochgeschätzten Mentor Leonard Bernstein durch und dirigierte die offizielle Musik zur 200-Jahrfeier der amerikanischen Verfassung in Anwesenheit des US-Präsidenten. In den letzten Jahren fand -neben Opernpremieren in Hof bei Bayreuth und Bamberg- letzthin in der Staatsoper Bratislava die umjubelte Premiere seiner neuesten Oper “Maria Theresia” statt.

Und dennoch ist Roland Baumgartner als Komponist in seiner Heimat Österreich selbst noch weitgehend unbekannt.

Sein allerneuestes Werk ist die Kammeroper “Der Marilyn Monroe Prozess”, welche seine Premiere zunächst bei den Festspielen in Kirchstetten (NÖ) feierte und anschließend im Wiener Pygmalion feierte.Ich kenne und schätze Roland Baumgartners Musik seit Jahren und glaubte, sie bislang vollständig zu kennen: bis jetzt. Und doch gibts -wie bei jedem Komponisten- selbstverständlich qualitative Unterschiede zwischen den einzelnen Werken. In bewegenden Zeiten und als Bewunderer der außergewöhnlich berührenden Musik der beiden genialen Komponisten des 20. Jahrhunderts Benjamin Britten und Dmitri Shostakovich und des beeindruckendsten Dirigenten dieser Zeit, Otto Klemperer, finde ich die Zeit reif für Musik, die nicht beruht oder in den Schlaf der Vergessenheit wiegt, sondern die aufweckt, mobilisiert, bewegt und erregt:

Roland Baumgartner  trifft mit seiner Kammeroper “Der Marilyn Monroe Prozess” (geschrieben für Streicherquartett und Stimmen) genau den Nerv den Zeit: Seine neue Musik lässt niemanden kalt, sondern wühlt auf, reißt mit und zieht den Zuschauer und Zuhörer, ob er will oder nicht, hinein in seinen Bann.

Ich gebe es zu: Marilyn Monroe war mir immer egal. Seit dieser Kammeroper von Roland Baumgartner hingegen habe ich das Gefühl, dass ich sie persönlich kenne und dass mir ihr Leben und ihr Schicksal daher nicht gleichgültig sein kann. Und dabei ist diese Kammeroper viele Jahrzehnte nach ihrem Tod -noch dazu im Weinviertel (nahe Wien)- angesetzt und tritt Marilyn selbst im Stück gar nicht auf. Vielmehr geht es im Stück um einen Gerichtsprozess, der entscheiden soll, ob mitten in der österreichischen “Provinz” eine Straße nach dieser “Sex-Ikone” benannt werden darf oder nicht.

Bei dieser an sich langweiligen Thematik musikalisch so eine Spannung und innere Auseinandersetzung mit dem Phänomen Marilyn Monroe zu schaffen, ist wahre Kunst: Mit dieser Kammeroper hat Roland Baumgartner ein musikalisches Niveau erreicht, das seinesgleichen zumeist vergeblich sucht: Seine neue Musik hat alles, ausnahmslos alles, was unsere heutige bewegte Zeit braucht: sie bietet nicht klare Antworten, sondern wirft Fragen auf und ermutigt dazu, bisher sicher Geglaubtes zu hinterfragen: genau das muss Kunst tun: wecken, aufrütteln, bewegen.

Für die Sänger ist Baumgartners Musik äußerst schwer zu bewältigen: Catarina Coresi Lal aber beweist mit ihrer leidenschaftlichen und präzisen Interpretation der Hauptrolle (Verteidigerin), dass sie wohl zu den talentiertesten dramatischen Sopranen der Gegenwart gehört. Till von Orlowsky agiert als souveräner Richter zwischen den Fronten und Elisabeth Wolfbauer setzt all ihre Energie schauspielerisch wie gesanglich dafür ein, als Staatsanwältin Anwältin und Beschützerin der “anständigen” Bürger und ihrer “heilen Welt” im Weinviertel zu sein.

In der Inszenierung und Regie von Pygmalion-Chef Geirun Tino werden die Zuschauer -ob sie wollen oder nicht- zu Geschworenen in diesem Prozess, was natürlich auch nach der Vorstellung weiter zu denken gibt. Großartig musiziert auch das Streichquartett (Paula Rahbari, Sivia Reiß, Sebastian Reiß, Julia Schöllauf) unter der professionellen Leitung von Andrija Pavlic.

Leider finden aktuell keine Aufführungen der Kammeroper “Der Marilyn Monroe-Prozess” von Roland Baumgartner mehr statt, was ich sehr bedauere: Dieses Werk verdient -trotz oder vielleicht gerade wegen seiner “Intimität” wie kein zweites, auf den bedeutendsten (Opern)bühnen der Welt aufgeführt zu werden: Kunst darf heute nicht mehr harmlos dahintümpeln, sondern muss herausfordern: Diese Kammeroper ist eine Antwort auf die Zeichen der Zeit: Also wenn es wieder die Gelegenheit dazu gibt, sie anzuschaun: hingehn, staunen und sich bewegen lassen.

Montag, 29. April 2013, von Elmar Leimgruber

Agim Hushi: Ein Belcanto-Tenor mit “Amore Grande” – CD-Besprechung

Agim Hushi, in Albanien geborener Tenor und Professor für Sologesang (Oper) am Vienna Konservatorium, hat soeben eine Solo-CD veröffentlicht. Es ist ein musikalischer Hochgenuß, seiner angenehm gefühlvollen Stimme zu lauschen: Mit “Grande Amore” (so der Titel der CD), die bislang ausschließlich bei Gramola am Graben in Wien erhältlich und bestellbar ist, berührt Hushi die Herzen der Menschen. Und ich kann es nur so sagen: Hushi singt großartig und ich kann es kaum erwarten, an einem großen Opernkonzert mit ihm teilzunehmen.

Gleich 18 populäre Belcanto-Songs hat Agim Hushi mit dem bravourös musizierenden New Europe Symphony Orchestra unter der exzellenten Leitung von Andrija Pavlic (welcher auch die stimmigen musikalischen Arrangements durchführte), eingesungen auf und auf CD gepresst. Neben Welthits wie “O Sole Mio”, “Granada”, “Ti Voglio Tanto Bene”, “Passione”, “Voce E Notte” (mein persönlicher Favorit auf der CD) und “Un Amore Cosi Grande” ist auch eine romantische Eigenkomposition Agim Hushis, “Song Of The Night”, zu hören.


Hier können Sie sich selbst einen Eindruck von der Gesangs-Kunst Agim Hushis verschaffen:

Audiofile: “Tristezza” (in voller Länge aus der aktuellen CD “Amore Grande”) gesungen von Agim Hushi.

Hier ist Agim Hushi mit “Nessun Dorma” in einem Livemitschnitt zu sehen und zu hören:

Und hier erleben Sie den großen Tenor in weiteren Video-Livemitschnitten.

Die in Sofia entstandene Produktion hängt zwar klanglich leider anderen Aufnahmen hinterher, die großartige, und heute -weltweit betrachtet- einmalige Stimme von Hushi macht jedoch alles wieder gut, was bei der Aufnahme selbst tontechnisch leider vernachlässigt wurde. Agim Hushi kommt -im Gegensatz zu manchen aktuell noch bekannteren, jedoch meines Erachtens weitaus weniger talentierten Sängern- aus keiner Casting-Show, sondern ist ausgebildeter “Handwerker” seines Fachs: Opernsänger und -pädagoge: Nach dem Abschluss seines Literatur- und Psychologie-Studiums studierte er an der Musikakademie in Tirana und schloss diese 1991 mit Auszeichnung ab. Noch in der Saison 1991/1992 übernahm er die Hauptrollen in den Opern “Tosca”, “Cavalleria Rusticana” und “Il Trovatore” an der Albanischen Staatsoper. An der Musikakademie in Budapest spezialisierte er sich anschließend auf das Fach Gesang-Pädagogik, woraufhin er auch an der Staatsoper Budapest Hauptrollen in “Manon Lescout”, “Turandot” und “Il Tabarro” übernahm.

1997 begann Agim Hushi seine Karriere in Australien in der Staatsoper in Adelaide, wo er unter der Leitung von Maestro Richard Bonynge in der Rolle des Des Grieux in der Oper “Manon Lescaut” debütierte. Nach diesem Erfolg wurde er sofort in der Oper in Sydney engagiert, wo seine nochmalige Rolle als Des Grieux sehr entuhsiastisch aufgenommen wurde und die Kritiker verglichen ihn mit dem legenderen Tenor Beniamino Gigli.

1999 bekam er von der australischen Regierung ein Staats-Stipendium für ein Belcanto-Meisterkurs beim Franco Corelli in Mailand. Die australische Jane Potter Stiftung zeichnete Agim Hushi 1999 mit dem Hauptpreis für außergewöhnliche Leistungen auf dem Gebiet Oper aus und im Jahre 2000 ernannte ihn der australische Premierminister zum Künstler des Jahres 2000.

Zu hören ist Agim Hushi zudem auf der 2010 bei Virgin/EMI veröffentlichten CD “Il Bel Sogno” der  berühmten albanischen Sopranistin Inva Mula und dem Philharmonie-Orchester aus Zagreb (Kroatien).

Agim Hushi sang bereits in folgenden Staaten: Australien, Neuseeland, USA, Malaysia, Brunei, Singapur, Dubai, Ungarn, Deutschland, Russland, Slovenien, Mazedonien, Kosovo, Kroatien, Tschechien, Rumänien, Bulgarien, Frankreich, Griechenland, Zypern, Dänemark, Italien, Spanien, England, Schweiz, Albanien und Österreich. Er ist auch Gründer der Belcanto-Schule in Adelaide in Australien, war angestellt als Pädagoge an der Staatlichen Universität in Singapur und führte zahlreiche Meisterkurse in vielen Orten auf der Welt, darunter Santa Cecilia in Rom und Ecole Normale in Paris, durch. Heute unterrichtet er am Vienna Konservatorium Operngesang.

Freitag, 21. Dezember 2012, von Elmar Leimgruber

Friedensreich Hundertwasser lebt im Wiener Pygamalion Theater – Musical-Kritik

“Hundertwasser” Martin Ganthaller mit seiner “Muse” Hiroko Takeuchi

Es gibt so ganz besondere Menschen: Wenn die eine Bühne betreten, fühlt man sich als Zuschauer einfach rundum wohl: so ein Mensch, ich möchte fast sagen, eine Legende ist Helmuth Seufert. Er hat in seinem Leben schon in zahlreichen Operetten und Theaterstücken gespielt, darunter in “My Fair Lady” und den Kaiser Franz Joseph im “Weißen Rössl”. Diesen großartigen Schauspieler und Mensch live zu sehen, sollte sich niemand entgehen lassen und die Chance hat man jetzt für kurze Zeit (noch bis 5. Jänner 2013): Die meines Erachtens wichtigste Rolle seines Lebens (ohne Näheres darüber verraten zu wollen) spielt Seufert aktuell (Premiere war gestern Donnerstag, 20.12.2012) im Wiener Pygmalion Theater als “Saubermacher” im Musical “Hundertwasser: The Play of Songs” von Roland Baumgartner:

“Saubermacher” Helmuth Seufert

Dieses Musical war 2005 zwar schon in Wien visavis vom Hundertwasser-Haus vertreten, aber damals noch als reine Multimedia-Produktion. Heute im Pygmalion-Theater unter der Regie von Hausherr Geirun Tino ist das Musical erstmals live zu erleben: Die heutige Inszenierung ist zwar “einfach”, aber gerade deswegen nach einer anfänglichen Ratlosigkeit einfach gelungen: Die Menschen der Zukunft leben beherrscht von Computern und -da ohne Natur, Pflanzen und Bäume- fernab jeglichen Lebens. Nur ein Baum, noch dazu ein sprechender (Helmuth Seufert) hat überlebt und berichtet über die Geschichte, über längst vergangene Zeiten und über einen Visionär: Friedensreich Hundertwasser.Ganz herausragend im Ensemble dieses Musicals sind neben Seufert vor allem der gebürtige Südtiroler Martin Ganthaler und die Münchenerin Micaela di Catalano. Di Catalano hat eine so außergewöhnliche, klare und kraftvolle Opernstimme, dass man in Zukunft sicher noch oft von ihr hören und über sie schreiben wird: ihr steht wohl eine große Zukunft als Sängerin bevor.

Und Ganthaler ist einfach der ideale Hundertwasser: jung, energiegeladen, optimistisch, lebendig und mit Ausstrahlung. Und zudem ist Ganthaller nicht nur schauspielerisch großartig, sondern auch als Sänger: Auch für ihn hat eine große musikalische Zukunft soeben im Pygmalion Theater begonnen.

Aber was wäre Hundertwasser, ein großer Künstler, ohne seine Muse, hier dargestellt von der bildhübschen Asiatin Hiroko Takeuchi und von einer zweiten Muse -diesmal an der Panflöte- Andreea Chira. Und Jenny Bell, die 2005 in der Videoproduktion des Musicals den Finalsong “He is a friend” sang, wird in der aktuellen Produktion ein Denkmal gesetzt, indem der Song von ihr gesungen eingespielt wird.

Kurzum: es lohnt sich sehr, ein paar Stunden den Alltag zu verlassen und einzusteigen in eine scheinbar vollkommen fremde Welt, sich inspirieren zu lassen und sich zu sehnen nach der heilen Welt, nicht nach einer kitschigen volkstümlichen, sondern nach einer echten authentischen heilen Welt, wo Mensch und Natur in Harmonie miteinander leben. Diese Inspiration bietet das “Hundertwasser – The Play Of Songs”, das nun übrigens auch einige neue Songs enthält. Roland Baumgartner, der Autor und Komponist des Musicals, hat neben mystisch-verklärten Melodien auch richtige Ohrwürmer geschrieben, vor allem: “Aufwiedersehn”, “Tanzt mit den Farben”, “He is a Friend” und das Liebesduett “Gib mir die Farben”. Wer sich ispirieren lassen will, der möge das durch einen Besuch dieses Musicals tun.

Montag, 3. Dezember 2012, von Elmar Leimgruber

Kritik: “Chuzpe” in Wien: Generationenkonflikt gelöst:-)

 

Edek (Otto Schenk) bringt seine Tochter Ruth (Sandra Cervik) mit Chuzpe außer Rand und Band
Foto: © Sepp Gallauer

Wenn Publikumslieblinge wie Otto Schenk und Sandra Cervik gemeinsam live im Theater auftreten, ist beste Unterhaltung schon mal vorprogrammiert. Dies trifft selbstverständlich auch auf “Chuzpe” zu, die Adaptierung des Bestsellerromans “You Gotta Have Balls” von Lily Brett von Dieter Berner (Dramatisierung: Eva Demski) für die Wiener Kammerspiele (Intendanz: Herbert Föttinger). Und ganz besonders trifft auch der deutsche Titel dieses Romans zu:

Mit einer außergewöhnlichen Chuzpe (“Dreistigkeit”) zieht der 87-jährige Vater Edek (Schenk) nicht nur unerwartet von Australien weg zu seiner Tochter Ruth (Cervik) nach New York, sondern bringt auch noch seine beiden polnischen Reisebekanntschaften Zofia (Grazyna Dylag) und Walentyna (Gabriele Schuchter) mit. Und Edek bringt die “heile” Welt der erfolgreichen Leiterin eines Korrespondenzbüros durcheinander: zunächst macht er sich in ihrem Büro “nützlich” und besorgt “Schnäppchen” für sie und dann plant auch er noch mit seinen Freundinnen die Eröffnung eines Fleischbällchen-Restaurants mit dem klingenden Namen “You Gotta Have Balls”. Und alle Welt, selbst ihre beste Freundin Sonja (Alexandra Krismer) und ihre Empfangsdame Max (Daniela Golpaschin), scheinen sich plötzlich gemeinsam mit Edek gegen sie, die erfolgreiche Geschäftsfrau, verschworen zu haben: Ruth ist dem Nervenzusammenbruch nahe…

Sandra Cervik und Otto Schenk

Zugegeben: Die Hauptthematik “Generationenkonflikt” ist zwar nicht wirklich was Neues, so auch nicht der jüdische Hintergrund der Beiden (mit Diskussionen auch im Stück darüber), welcher die Autorin übrigens ebenfalls biographisch betrifft: Lily Brett (eigentlich Lilijahne Breitstein bzw. Luba Brajsztajn) wurde als Tochter polnischer Juden in Deutschland geboren. Nachdem ihre Eltern zunächst im KZ Auschwitz getrennt wurden, wanderte die Familie 1948 nach Australien aus.

(v.l.n.r.:) Gabriele Schuchter (Walentyna), Grazyna Dylag (Zofia), Sandra Cervik (Ruth und Erzählerin), Otto Schenk (Edek), Alexandra Krismer (Sonja), Daniela Golpaschin (Max)

Ganz großes Lob geht jedoch -ohne Details vorwegnehmen zu wollen- an die Regie (Dieter Berner): Gute Ideen sind vorbildlich umgesetzt. Und es beeindruckt sehr, dass hier mal ein modernes heutiges Stück auf die Bühne kommt, das auch in der Gegenwart spielt, wo also Depressionen, Kalorienzählen, Hektik und Smartphones sich gegenseitig ein ständiges Duell liefern. Und der Alltag ist im Grunde langweilig, verstaubt und prüde.

Wiesehr müsste man also eigentlich dankbar sein, wenn ausgerechnet ein 87-Jähriger beweist, was es bedeutet, kreativ zu sein bewusst zu leben. Und ja: “You Gotta Have Balls” trifft einfach zu: und zwar nicht nur auf die Fleischbällchen, sondern auch im vielfachen übertragenen Sinn. In diesem Sinne: Schauen Sie sich “Chuzpe” in den Wiener Kammerspielen an: Es ist zwar eher “Populärliteratur” denn hochgeistige, aber dennoch äußerst unterhaltsam und absolut sehenswert, schon dank der exzellenten Hauptdarsteller Schenk und Cervik (welche übrigens Ruth und die Erzählerin interpretiert). Und es ist ein lobenswertes Plädojer für ein konstruktives Miteinander von alt und jung und es ermutigt dazu, unabhängig vom Alter “Balls” zu haben und Klischees zu brechen.

Die Urauffuehrung von “Chuzpe” fand am 22.11. übrigens in Anwesenheit von Lily Brett in den Wiener Kammerspielen statt. Und am 25.11. las die Autorin in einer Matinée im Theater in der Josefstadt aus ihrem neuen Roman „Lola Bensky“. Weitere Aufführungen sind  für den 7., 8., 9. (15h u. 20h), 13., 14., 23. (15h u. 20h) Dezember 2012 in den Wiener Kammerspielen geplant.

Montag, 23. Januar 2012, von Elmar Leimgruber

Candide “in der besten aller möglichen Welten”

Die Welt ist so böse und gemein und niederträchtig, aber das hindert uns doch nicht daran, glücklich und vor allem optimistisch zu sein. Realistisch betrachtet klappt dies zwar nicht, aber darum gehts ja auch nicht: auf die Einstellung kommt es an. So ist denn auch das Liebesglück des unschuldigen und naiv optimistischen Jünglings Candide voller Krieg, Mord, Totschlag und Intrigen, aber er steht selbst über dem Tod, genauso wie die anderen Hauptfiguren dieser Gesellschaftssatire von Voltaire (Candide oder der Optimismus), dessen bitterbösen und doch heiteren Stoff sich Leonard Bernstein für sein Musical (Comic Operetta) “Candide” adaptierte.

Dass zudem die deutsche Textfassung vom sprachlichen Genie Loriot (Vicco von Bülow) Garant auch für einen Publikumserfolg in Wien ist, muss nicht eigens betont werden. Die Wiener Volksoper hat dieses Meisterstück über ein bewegtes buntes Leben in “der besten aller möglichen Welten” neu und konzertant (Songs in englisch mit deutschen Untertiteln, gesprochene Texte in deutsch) im Programm, und es ist ein Vergnügen für alle Sinne:

Die Besetzung könnte idealer nicht sein, allen voran Jennifer O’Loughlin (Must Hear und Must See!) als keinesfalls unschuldige, vielmehr durchtriebene und geldsüchtige Cunegonde und die amerikanische Musical-Legende Kim Criswell als genauso männerbenützende “Old Lady”. Stephen Chaundy gibt einen sympatisch-naiven Candide, Morten Frank Larsen den idealistischen Philosophen Pangloss und Volksopern-Hausherr, der Burgschauspieler Robert Mayer (danke für dieses großartige Werk an der Volksoper) ist das Optimum eines spitzzüngigen Erzählers einer verzwickten Liebes-Abenteuerreise, die sich wohl niemals wirklich so zutragen könnte, welche aber dennoch so viel Wahres, wenn auch weniger Schönes bringt. Weniger in Hochform: der Chor der Volksoper, dafür aber umso erfrischender das Orchester der Volksoper Wien unter der Leitung von Joseph R. Olefirowicz.

Kurzum: Die Darsteller sind nicht nur gesangsmäßig grandios, sondern auch schauspielerisch, das Stück selbst ist wunderbar. Und der Volksoper ist mit Candide ein wahres Meisterstück gelungen. Und das Wichtigste: Alle Künstler hatten auffällig viel Spass auf der Bühne: Genau so muss es sein. Schade nur, dass bislang nur sehr wenige Aufführungen geplant sind.

Und hier können Sie in die Musik von “Candide” von Leonard Bernstein reinhören (Hörproben):

Sonntag, 4. September 2011, von Elmar Leimgruber

Gunkls Kränkungen der Menschheit – Eine Kritik

Gunkl (Günther Paal)

Er ist bekannt als der Intellektuellste unter Österreichs Kabarettisten und der ist er auch zweifelsohne, wie er in seinem neuen Programm “Die großen Kränkungen der Menschheit, auch schon nicht leicht” (Premiere 1. September 2011) erneut unter Beweis stellt: Gunkl (Günther Paal). Und ja: es macht sich wieder jede Menge Gehirnschmalz breit, soll doch ein Gunkl-Programm auch das Publikum -zwar “nicht alle, sondern jeden”- ebenfalls zum Denken anregen, aber dann auch wieder nicht nur staubtrocken, sondern auch durchaus erheiternd sein:

Während es im ersten Teil des Abends unter anderem um den so genannten freien Willen des Menschen geht, an dem Gunkl offenbar aus seiner “Logik” heraus ernsthaft zweifelt, wobei seine Gedankenergüsse zu diesem Thema aber dennoch äußerst interessant und spannend sind, kann er es im zweiten Teil zum wiederholten Male nicht unterlassen, über Religion und Gläubigkeit zu lästern und dabei über jeden “Andersgläubigen” mitleidig herunterzublicken von seinem hohen Ross.

Ich liebe anspruchsvolles Kabarett und ich schätze Gunkls intellektuelle Scharfzüngigkeit und seinen Pointenreichtum seit Jahren sehr. Und jeder, vor allem ein Kabarettist oder Humorist, hat das Recht menschliche Verhaltensweisen kritisch zu hinterfragen: Politik, Gesellschaft und auch Religion dürfen und sollen gar von der Kabarettszene durchleuchtet und analysiert werden. Und von dem, was man dank Reflexion und Ehrlichkeit (sich selbst gegenüber) erkennt und für “logisch” und “richtig”hält, davon darf und soll man auch reden und dies auch aus vollster Überzeugung.

Dennoch sollte man sich -in Anerkennung auch seiner eigenen Begrenztheit und Fehleranfälligkeit (welche jedem Menschen anhaftet)- davor hüten, diese seine eigenen Erkenntnisse als die einzige Wahrheit hinzustellen und jenen anderen, die anders empfinden, verständnislos zu belächeln und ihnen unlogisches Denken und naive Blindheit vorzuwerfen, zumal dies nicht von Weisheit, Größe und Weite des so Agierenden zeugt, sondern vielmehr von Enge und Abschottung gegenüber allem, was den eigenen Horizont übersteigt oder ihm entgegensteht.

Aber ganz im Sinne von Gunkl selbst (und darauf kommt er im Schlussteil des aktuellen Programms zu sprechen) wünsche ich mir und ihm und seinem Publikum und jedem von uns, dass wir alle bestrebt sind, in unserem Menschsein zu wachsen und -trotz aller Kränkungen- zu wirklich besseren Menschen zu werden. In diesem großen Sinne ist auch das aktuelle Gunkl-Programm -wenn nicht einfach nur unkrtitisch aufgesogen- dennoch durchaus höchst sehens- und hörenswert.

Freitag, 22. April 2011, von Elmar Leimgruber

Zum heutigen Karfreitag: Brahms: Ein Deutsches Requiem

vgl. meine Kulturkritik: http://www.redakteur.cc/brahms-requiem-barenboim-die-himmelsleiter-cd-besprechung/

Donnerstag, 17. Dezember 2009, von Elmar Leimgruber

kulturia.com relouncht

Sehr geehrte Leserschaft

Nach viel längerer Pause als ursprünglich vorgesehen und nach einer kurzen Testphase ist kulturia.com nun endlich wieder online.

Freuen Sie sich künftig auf wieder mehr konstruktive Kulturkritik und auf provokante Anregungen.
Ich freue mich über Ihr Feedback und über Einladungen zu kulturellen Verstaltungen.

Elmar Leimgruber