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Sonntag, 1. November 2020, von Elmar Leimgruber

Corona: So schaffen wir’s!

Vorab schon mal: Ja, natürlich muss es jetzt (besser früher als später) corona-bedingt einen defakto-Lockdown in Österreich (wie in anderen Ländern Europas auch) geben. Leider.
Und warum? Weil es keine Alternative dazu gibt:

Die Infizierten-Zahlen steigen praktisch in ganz Europa und darüber hinaus rasant. Dies liegt einerseits am Wetter, aber andererseits auch am verantwortungslosen Handeln diverser Gruppierungen, selbst Parteien: Eigenverantwortung setzen diese zunehmend damit gleich, sich einfach an nichts Vernünftiges halten zu wollen: Ja selbst ein kleines Stück Stoff über Mund und Nase (Mund-Nasen-Schutz-Maske) zu stülpen, empfinden sie als „Entmündigung“, obwohl dieses erwiesenermaßen das Leben anderer Menschen retten kann.

Und dies bedeutet zum einen eine nicht zu verantwortende Überlastung der Spitäler dar. Und zum anderen: Österreich, vor allem die westlichen Bundesländer leben vom Tourismus. Gerade Tirol hätte übrigens daher selbstverständlich während der ersten Corona-Welle übrigens viel früher einen Schlussstrich ziehen müssen! Die nach wie vor nicht ausgesprochene Entschuldigung für eigenes unverantwortliches Fehlverhalten wird der Tiroler Tourismus daher wohl noch Jahre zu spüren bekommen.

Dazu kommt, dass obwohl die Grenzen aus heutiger Sicht, zumindest innerhalb der EU, zwar geöffnet bleiben, jedoch Reisewarnungen gelten, was schwerwiegende rechtliche Konsequenzen für Arbeitnehmer haben kann, welche dennoch ihren Urlaub im entsprechenden EU-Ausland verbringen.
Wollen wir also die Reisewarnungen wegbekommen, welche für den Weihnachts- und Winter-Tourismus in Österreich essentiell sind, müssen die Infizierten-Zahlen nicht etwas sinken, sondern zumindest ein Maß nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020.

Und nein, niemand in der Regierung hatte einen zweiten Lockdown geplant, man konnte nur hoffen, dass er nicht nötig sein würde. Und Ja: Obwohl praktisch alle Behörden spätestens ab Herbst mit steigenden Infizierten rechnen mussten, hat man sich in Stadt und Land offenbar kaum wo wirklich darauf vorbereitet, auch nicht die ach so vorbildliche Stadt Wien nicht:

Nach über einem halben Jahr Corona-Erfahrung (wir wissen inzwischen sehr viel über das Virus!) ist die Corona-Notfallnummer 1450 samt Teamschickung und Testauswertung nach wie vor nicht so weit, dass rasch Anrufe entgegengenommen werden, Test-Teams geschickt werden und erst recht nicht, dass die Ergebnisse rasch da sind: Das hat übrigens nichts mit Bashing des seit vielen Jahrzehnten SPÖ-regierten Wien zu tun (der Wahlkampf ist auch vorbei und ist für die regierende Partei auch corona-bedingt- erstaunlich positiv verlaufen), sondern entspricht tatsächlich der Realität.

Dass nun seit einiger Zeit dank Regierungsbeschluss selbst Hausärzte Corona-Tests durchführen können, mag zwar gut gemeint sein. Aber wenn man seit dem Frühjahr weiss, dass sich das Corona-Virus in Italien vor allem deshalb so rasant ausbreiten konnte, weil Covid19-Erkrankte in Arzt-Praxen und Spitäler gestürmt sind und damit viele andere Patienten, Ärzte und Pfleger infiziert haben; das nun zu erlauben, kann doch nicht euer Ernst sein, liebe Regierung! Selbstverständlich braucht es daher weiterhin zentrale „Anlaufstellen“ für Patienten mit Corona-Symptomen.

Aber zurück zum „Lockdown“: Welcher ist nun aber nötig, welcher schädigt nur und welcher wird vermutlich kaum nichts bringen?

Faktenbasiert ist Folgendes festzuhalten:
Das Virus ist glücklicherweise relativ „träge“: es braucht demnach eine große Anzahl dessen, um zu einer Ansteckung zu führen: Hierfür ist meist ein naher Kontakt auf engem Raum über längere Zeit (über eine Viertelstunde) nötig. Und zudem erfolgt die Übertragung grundsätzlich über Aerosole (seltener, aber doch dank niederer Temperaturen) über Oberflächen), also über die Ausatmung (mit Nase und Mund) in die Luft. Und: das Virus ist äusserlich durch die Zerstörung dessen Aussenschicht durch Desinfektionsmittel auf hoher Alkoholbasis (Händereinigung damit) leicht abtötbar.

Wenn wir wissen, dass alle bisherigen Massnahmen und Einschränkungen offenbar nicht dazu geführt haben, dass trotz des ernsthaften Bemühens des Großteils der Bevölkerung die Infizierten-Zahlen gesunken sind, sondern sie im Gegenteil seit Wochen drastisch steigen, dann hat dies seine Ursachen, auf die endlich ernsthaft eingegangen werden muss:

Natürlich bewirken auch die abnehmenden Temperaturen eine allgemeine Schwächung des Immunsystems. Aber viel ausschlaggebender sind unter anderem Reisende aus echten Risikogebieten und für Grossevents mit hunderten Leuten auf engstem Raum aus Kulturen, in welchen die Gefahr des Virus grundsätzlich heruntergespielt wird: Seit Wochen nennt man dies verharmlosend „Privatfeiern“.

Ebenfalls nicht zu unterschätzen sind hier Betreuungseinrichtungen für Kinder und praktisch fast alle Schulen: Vor allem zweitere sind nicht für „Abstand“ konzipiert; dafür fehlt einfach der Platz in den Klassen und in den Schulbussen, aber auch in den Pausen:

Wenn man also weiss, dass sich das Virus vor allem dort verbreitetet, wo Menschen auf engem Raum über lange Zeit hindurch verbringen und sich dann in alle Windrichtungen hin verteilen, ist klar, dass vor allem die Schulen ein Superspreader für das Virus sind:

Mal abgesehen davon, dass auch die Schulbusse und die Nachmittagsbetreuungen meist zudem an Überfüllung leiden (null Abstand möglich): Nirgendwo sonst verbringen so viele Menschen so viel Zeit gemeinsam auf engem Raum und fahren dann in jeweils vollkommen unterschiedliche Haushalte.

Auch wenn erwiesen ist, dass kleinere Kinder nur sehr selten selbst an Corona erkranken: sie sind nunmal unfreiwillige Überträger des Virus nach Hause in ihre Familien. Ein halbherziger Lockdown ohne Schliessung von Schulen umzusetzen kann daher (bei allem Verständnis für überforderte Eltern) logischerweise nicht zu einer notwendigen Senkung der Infiziertenzahlen führen!

Dass es zum Thema Corona und Schule kaum vernünftigen Studien gibt, liegt übrigens vor allem daran, dass aufgrund der tagelangen oder dauernden Symptomlosigkeit der meisten Schülerinnen und Schüler leider nicht einwandfrei nachgewiesen werden kann, wer wann und wo den Virus in sich aufnahm und in Folge auch übertrug. Dasselbe gilt übrigens auch für Ölfis, in denen die meisten Fahrgäste für eine gewisse Zeit verharren und dann oft umsteigen: Auch hier ist der Nachweis der Herkunft und der Weitergabe des Virus beinahe unmöglich. Anstatt für weniger Menschen in den Öffis zu sorgen (diese steigen dann meist auf umweltschädliche Autos um), wäre es viel sinnvoller, die Intervalle der Öffis zu verkleinern und mehr Schulbusse zur Verfügung zu stellen.

Um die Wirtschaft zu stützen, müssen trotz eines defakto-Lockdowns jedoch sowohl Handel als auch Gewerbe und Industrie weiter agieren, produzieren und verkaufen können, wobei gerade im Dienstleistungssektor gerade jetzt das so genannte Home Office endlich zum Wohle aller (Nur Mut Unternehmer!) nach Möglichkeit umgesetzt werden sollte.

Die Gastronomie triffts aber wieder mal besonders hart: Da erwiesen ist, dass aufgrund der corona-angepassten Vorgaben (Gästeregistrierung, Abstand, Maximal-Plätze am Tisch, kein Barbetrieb…) in den letzten Monaten sich kaum wer dort infizierte, ist eine Schliessung dieser während des Tages nicht wirklich nachvollziehbar. Wenn man die Abend-Touren durch diese verhindern möchte, reicht eine vorübergehende frühere Sperrstunde (verknüpft an Ausgangsbeschränkungen zur selben Zeit) als Massnahme: Die Gastronomie ganztags zu schliessen, entbehrt daher jeglicher Logik, schädigt nur und bringt vermutlich für die Eindämmung der Pandemie gar nichts. Der von der Regierung beschlossene Spesenersatz in Höhe von 80 Prozent der deklarierten Einnahmen vom November 1019 für dieses Jahr ist dennoch vernünftig.

Einer frühen Gastro-Sperrstunde am Abend kann ich zwar aufgrund der aktuellen drastischen Infiziertenzunahme durchaus was abgewinnen, jedoch nicht, wenn man als Regierung verabsäumt, Gesetze zu verabschieden, die es der Polizei erlauben würde, die Verlagerung von grösseren Feiern (beispielsweise ab 20 Personen) aus der Gastronomie hin in den so genannten „privaten Bereich“ auch entsprechend ahnden zu können.

Zweifelhafter erscheint hingegen die Vorgabe, dass sich nur Menschen aus zwei verschiedenen Haushalten treffen dürfen und dies offenbar auch nur zwischen 6.00 Uhr und 20.00 Uhr: hier sollte man -trotz Pandemie- die Privatsphäre der Menschen respektieren und als Regierung -falls es keine grossen (weit über 10 Personen) Privatfeste sind- keinesfalls eingreifen.

Zudem steht diesbezüglich auch noch nicht fest, ob man für gegenseitige Besuche Öffis verwenden darf, was selbstverständlich sinnvoll wäre: Dasselbe gilt -da alle Geschäfte zu Recht geöffnet bleiben- auch für den Weg zum Geschäft: Nicht jeder hat selbst ein privates Verkehrsmittel, um von A nach B zu kommen.

Noch härter treffen die neuen Corona-Massnahmen die Kultur: Viele Künstlerinnen und Künstler leiden aktuell sehr an allem: die meisten sind freiberuflich unterwegs und verdienen demnach nur durch ihre Auftritte: Seit Corona wurden unzählige Termine gestrichen, was manche massivst an den Rand ihrer künstlerischen Existenz bringt:
Wenn es auch vielleicht nötig sein muss, dass alle kulturellen Events bis auf Weiteres behördlich verboten sind, so steht die öffentliche Hand -wie in vielen anderen Bereichen auch- zumindest in der Pflicht, gerechte Entschädigungszahlungen an die Künstlerinnen und Künstler zu leisten: auch hier sind die zugesagten 80% Entschädigung sinnvoll, richtig und notwendig.

Und nun zu uns: Ja, wir schaffen das!
Wir werden zwar sehr wahrscheinlich (da die vor dem Lockdown Angesteckten leider später erst „sichtbar werden) in den kommenden 2 Wochen noch weitere Zunahmen an Infektionen erleben. Aber dann sollten -sofern die Lockdown-Maßnahmen wirken-  die Infiziertenzahlen drastisch nach unten sinken. Hoffentlich.

Viele Unternehmen, Arbeitgeber und selbst viele Arbeitnehmer rechnen zu Recht seit Monaten mit einem zweiten Lockdown. Und ich hoffe und vertraue darauf: die meisten haben sich auch finanziell darauf eingestellt:

Mit Rücksicht, Verständnis, Abstand, Mundnasenschutz (MNS), Desinfektion und dadurch, dass wir jetzt mal zumindest für einen Monat nicht gross feiern, sondern uns in Bescheidenheit und Geduld üben:
Dann sollte auch Weihnachten und dem Winterurlaub nichts mehr im Wege stehen.
Und anschliessend werden uns dann hoffentlich wirksame Medikamente und eine Impfung für alle nachhaltig vor weiteren Corona-Schäden bewahren.

So überstehen wir Corona: Gemeinsam schaffen wir das!
Das hoffe ich zumindest.

Mittwoch, 21. Oktober 2020, von Elmar Leimgruber

“Die Zauberflöte” oder “Lasset die Puppen tanzen”

Auch wenn sie im ehrwürdigen Theater an der Wien von Emmanuel Schikaneder (welcher auch das Libretto zur weltberühmten Oper schrieb) am 17. September 1791 uraufgeführt wurde, gehört sie inzwischen zum Standard-Repertoire beinahe jedes Opernhauses weltweit: „Die Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Gerade diese über unzählige Generationen hindurch reichende Bekanntheit scheint es zu verunmöglichen, sie tatsächlich auf der Bühne neu in Szene zu setzen.

Henry Mason, welcher grundsätzlich ein Meister seines Fachs ist, (es mag wohl an meiner persönlichen Wahrnehmung liegen oder vielleicht muss ich mir das Stück eben ein zweites Mal gönnen) verstehe ich in dieser Neuinszenierung der „Zauberflöte“ an der Wiener Volksoper nicht oder zumindest nicht nachvollziehbar. Umso überzeugender und im wahrsten Sinne beglückend und kaum zu übertreffen ist die aktuelle musikalische Darbietung:

Der Tiroler Tenor Martin Mitterrutzner (Debut an der Volksoper) interpretiert Tamino -trotz seines jungen Alters mit noch weiterem Potential nach oben- mit einer Gänsehaut-erzeugenden und charmanten Leichtigkeit, in der er gar vielleicht bekannte so genannte Weltstars (bei denen ich teils schon beim Zuhören quälende Halsschmerzen verspüre) herausfordern könnte: da kommt hoffentlich in Zukunft noch viel Schönes und Erhebendes auf uns zu: so einen herausragenden „Tamino“ habe ich persönlich tatsächlich weder live noch auf Tonträgern gehört.

Taminos grosse Liebe Pamina, ebenfalls eine Rolle, bei der ich aufgrund der Überforderung so vieler Sängerinnen regelmässig mitleide, singt hier an der Volksoper Rebecca Nelson, die keinerlei Probleme mit Atem, Höhen und Ausdauer hat: so wünsche ich mir das.

Absolut herausragend interpretiert Anna Siminska die Königin die Nacht: Jeder Ton sitzt -im Gegensatz zu vielen anderen ihrer Kolleginnen klar- präzise und taktgenau. Dies trifft genauso auf Stefan Cerny als Sarastro zu: Hier sind nicht nur die getragenen Melodien präsent, sondern auch die tiefsten Töne, die bei anderen im Nichts verschwinden. Allem in allem ist das gesamte Ensemble dieser Produktion hervorragend gecastet und eingesetzt.

Dafür empfinde ich aber dessen Inszenierung als eine sonderbare Mischung aus von Maschinengewehrträgern bewaffneten Revolutionsführer, österreichischem Kaiser mit Reiterstiefeln und Sektenguru als äußerst fragwürdig. Im „Zauberer von Oz“ in der Volksopern-Inszenierung von Mason war noch nachzuvollziehen, dass der Hund eine Puppe ist. In der „Zauberflöte“ gibts -vielleicht angelehnt an das Musical „König der Löwen“ unzählige -durchaus wunderbar gestaltete- Tiere (Rebekah Wild), und selbst die Drei Knaben (Wiener Sängerknaben) treten anfangs als Marionetten auf, während dies beispielsweise bei den Drei Damen nicht der Fall ist.

Dieses zweifelhafte „Puppenspiel“, das die Handlung mehr stört als sie unterstützt, findet absolut keinen Zugang zu mir.
Dennoch sollte diese meine Kritik keinesfalls abschreckend wirken: im Gegenteil: anschauen und selbst beurteilen.

Und vor allem: Musikalisch ist die „Zauberflöte“ in der Wiener Volksoper ein Top-Highlight vieler vergangener Jahre, was vermutlich auch auf das aussergewöhnliche Gespür der begnadeten Dirigentin Anja Bihlmaier zurückzuführen ist: Das Orchester der Volksoper musizierte noch selten (z.B. vor Jahren „Hänsel und Gretel“ unter Dietfried Bernet) so weit überdurchschnittlich wie jetzt:

Diese „Zauberflöte“ an der Wiener Volksoper ist daher -neben der vielleicht optischen Herausforderung- schon musikalisch ein „Muss“, selbst wenn man sie -wie ich- schon xfach live gesehen hat.

Freitag, 29. November 2019, von Elmar Leimgruber

Volksoper: Es regiert zwar “König Karotte”, doch die Menschen sind “verzaubert”…

Dass die Wiener Volksoper seit vielen Jahrzehnten herausragende Produktionen auf die Bühne stellt, ist ja nichts Neues. Dass aber immer wieder auch der aktuellen Politik (schon vor Jahren “Der Kongress”) auf liebenswürdige Weise gedacht wird, ist wohl der Klugheit und dem immerdar kritischen Geist der Intendanz des Nestroy- und Valentin-Verehrers Robert Meyer zu verdanken.

Die komische Zauberoper “König Karotte” von Jakob (Jacques) Offenbach (Musik) und Victorien Sardou/Jean Abel (Text), welche am 23. November in der Wiener Volksoper ihre Premiere hatte, könnte zeitgemäßer kaum sein: Zwar stammt das Werk aus dem 19. Jahrhundert, aber die Parallelen zur Gegenwart sind (wohl bewusst) kaum zu übersehen:

Ein mehr auf sich achtender, prassender und zweifelhafter Regent (Politiker), der zudem Unmengen an Schulden anhäuft und deswegen auch eine sehr reiche Prinzessin ehelichen will, soll zum Wohle aller abgesetzt werden: “Student” Robin, der nebenher ein “guter Geist” ist, zieht die Fäden in seiner Hand  und verbündet sich mit einer bösen Hexe, welche nicht nur die Bevölkerung durch “Magie” verzaubert, sondern auch einen König aus der Unterwelt, König Karotte und weiteres Gemüse an die Macht im Land bringt. Dieser neue König hat zwar weder Konzepte noch Pläne, jedoch scheint das Land ihm nun vollends zu unterliegen, während der ehemalige Prinz keine Macht mehr hat. Dieser trachtet natürlich danach, die Herrschaft wiederzuerlangen…

Unter der grossartigen Regie von Matthias Davids ist mit diesem Stück, das übrigens auch musikalisch herausragend ist, ist der Wiener Volksoper ein Meisterwerk gelungen. Die einzelnen Hauptrollen sind hervorragend besetzt, vor allem Elmira Elmadfa als Robin, Johanna Arrouas als Rosee-du Soir, Julia Koci als Prinzessin Kunigunde, Sung Keun Park als König Karotte und Mirko Roschkowski als Prinz Fridolin. Besondere Erwähnung verdienen zudem Christian Graf als Hexe, die aussergewöhnlichen Kostüme von Susanne Hubrich sowei das Orchester der Wiener Volksoper unter der Leitung von Guido Mancusi.

Wer klassische Musik zwischen Wiener Walzer, Romantik und leichter Muse liebt und sich zudem mit viel Witz und Charme gern prächtig unterhalten lassen will, dem sei “König Karotte” an der Wiener Volksoper sehr empfohlen. Bitte mehr davon, liebe Volksoper.

Montag, 23. April 2018, von Elmar Leimgruber

27.+28. April: Staatsoper Stara Zagora zu Gast in Wien: Premiere:”Marilyn Monroe – Der Prozess”

Sie gehört zu den bleibendsten und bewegendsten Persönlichkeiten der Filmgeschichte und so mancher Künstler hat sie bereits auf seine Weise verewigt: Marilyn Monroe.

Der österreichische Erfolgskomponist Roland Baumgartner, der unter anderem für die Opernhäuser in Hof, Bamberg und Bratislava und die Musik zur 200-Jahrfeier der US-Verfassung komponiert und hatte, setzte bereits vor einigen Jahren ein musikalisches Denkmal zu Ehren der vielseitigen Diva der Filmgeschichte:

Die Geschichte von Marilyn Monroe ist ein Mythos und fasziniert bis heute die Menschen.

„Marilyn Monroe – Der Prozess“ von Roland Baumgartner erzählt eine ergreifende Geschichte über die Filmlegende und der durch sie ausgelösten
widersprüchlichen Reaktionen der Gesellschaft, die aktueller sind denn je.

Es ist eine hervorragende, interaktive Oper, bei der das Publikum bei der Urteilsfindung als Jury mitwirkt.

Die Kammeroper “Der Marilyn Monroe-Prozess” von Roland Baumgartner (Musik) und Geirun Tino (Libretto) wurde 2013 erstmals in Wien aufgeführt. Darüber gibts hier eine ausführliche Kritik.

Inzwischen wurde das vielbeachtete Werk in diversen Städten aufgeführt und kehrt nun unter der EU-Präsidentschaft Bulgariens in einer erweiterten Fassung als Gastspiel der Staatsoper Stara Zagora wieder nach Wien zurück: Die Kammeroper “Marilyn Monroe – Der Prozess” wird nun an nur zwei Tagen live in Wien zu erleben sein und zwar erstmals mit Orchester, Ballett und den Solisten der Staatsoper Stara Zagora aus Bulgarien:

Kammeroper: “Marilyn Monroe – Der Prozess”

Musik: Roland Baumgartner

Libretto: Geirun Tino

Kammerorchester, Ballett und Solisten der Staatsoper Stara Zagora, Bulgarien

Dirigent: Andria Pavlic

Regie: Ognyan Draganov

Zeit: (nur!) 27. und 28. April 2018, 19.00 Uhr

Ort: Theater des bulgarischen Kulturinstitutes (BKI) 1030 Wien, Parkgasse 18 „Haus Wittgenstein

Tickets zu diesen einmaligen Aufführungen sind online (kultur-schnaeppchen.at, es-promotion.at, office@haus-wittgenstein.at) und telefonisch erhältlich: Tel. 00436765072505 (es-promotion) oder 004317133164 (BKI).

 

Dienstag, 19. April 2016, von Elmar Leimgruber

Jan Böhmermann und die Grenzen der Satire (Kommentar)

Karikaturen eines Satiremagazins verhöhnen einen Religionsgründer, was zunächst zu Unruhen führt, schließlich zu Terror. Und jetzt kürzlich ein Schmähgedicht über einen totalitären Staatsführer, der im eigenen Land keine andere Meinung duldet und all seine lautstarken Kritiker jahrelang hinter Gitter bringt oder sie verschwinden gar von der Bildfläche. Und dieser “Staatsmann” fordert dann auch noch von der Bundesrepublik Deutschland, dass eben dieser Satiriker wegen Beleidigung eines benachbarten Staatsoberhauptes strafrechtlich verfolgt wird.

Daher die Frage: Was muss Kunst? Was darf Satire? Was darf sie nicht? Die Grenzen der Kunst: Gibt es welche?

Und meine klare Antwort dazu lautet eindeutig: Kunst und Satire dürfen alles mit einer einzigen Einschränkung: Ernsthafte Aufrufe zu Gewalt oder anderen schwerwiegenden Straftaten müssen eine Ausnahme darstellen. Alles andere jedoch darf und muss sogar erlaubt sein. Wenn ein so genannter Staatsmann sich “beleidigen lässt” (also Zensur ausüben möchte), dann spricht dies nicht für seine Macht und Stärke, sondern von Schwäsche und mangelendem Selbstbewusstsein und entspricht wieder genau jener Praxis in seinem Land, wo Kritiker einfach auf die eine oder andere Weise zum Schweigen gebracht werden.

Natürlich müssen wir auch darüber diskutieren, ob Kunst sich selbst zensurieren darf (also nicht von außen her verpflichet). Und auch hier sage ich in aller Klarheit: JA:

Jeder der öffentlichkeitswirksam tätig ist, der publiziert, trägt Verantwortung, auch wenn man zuweilen den Eindruck hat, dass man sich vor allem im Bereich der Satire um nichts dergleichen schert und einfach wild drauf losballert ohne Rücksicht darauf, ob wer in seiner Würde verletzt wird oder nicht. Das muss sich also natürlich ändern.

In einer zivilsierten Gesellschaft über massive Kritik und Satire den Bann zu erheben, widerspricht  jedenfalls klar unseren europäischen Grundsätzen wie der Meinungs- und Pressefreiheit. Wir können inhaltlich selbst schwerwiegende Probleme mit irgendwelchen Satiren oder Karikaturen haben; dies rechtfertigt aber niemals einen Bann. Hier muss man klar und entschieden auch nur die leiseste Zensur bekämpfen.

Wenn unsere Gesellschaft damit beginnt, Zensur zu begrüßen, sind jeglichem Missbrauch damit Tor und Tür geöffnet. Dies darf somit in einer europäischen freiheitlichen Gesellschaftsordnung niemals akzeptiert werden, selbst dann wenn im konkreten Fall gerichtliches Eingreifen vernünftig erscheinen sollen. Also bitte sich hier niemals zum problematischen Einreissen unserer Freiheit verführen lassen. Europa darf hier keinesfalls undemokratie und Meinungsfreiheit-verachtende Denkweisen von wo auch immer importieren.

Und dann noch die letzthin vielfach diskutierte Frage: Warum lassen wir nicht die Gerichte entscheiden? Normalerweise würde ich sagen: Ja selbstverständlich. In diesem Fall aber nein. So lange es längst überholte Unrechtsparagraphen aus dem 19. Jahrhundert gibt, welche tatsächlich Verhöhnung von ausländischen Staatsoberhäuptern unter Strafe stellen, also: nein Danke. Sind diese Gesetze hingegen endlich Geschichte und es würde damit juristisch sehr schwer möglich sein, dass wer für eine Satire oder ein Kunstwerk bestraft wird, würde dem nichts entgegenstehen. Dem ist aber nicht so. Und daher zum aktuellen Zeitpunkt: Nein Danke zur Verurteilung von Vertretern der Meinungs- und Pressefreiheit!

Ich schätze die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sehr, zumindest im Prinzip. Aber dass sie hier -wohl unter massiven internationalem Druck- einer strafrechtlichen Verfolgung des Satirikers Jan Böhmermann wegen Beleidigung von Recep Tayyip Erdoğan, zustimmt, zeugt von Charakterschwäche und Duckmäusertum, das vor allem an der Spritze Deutschland und Europas untragbar und zutiefst demütigend ist. Öffentliche Buße zumindest im Sinne einer öffentlichen Entschuldigung bei der Bevölkerung wäre höchst angebracht.

Und bitte kämpfen wir für unsere europäischen Werte, allen voran Meinungsfreiheit und Pressefreiheit! Sonst werden unsere freien Tage schon bald gezählt sein.

Donnerstag, 24. September 2015, von Elmar Leimgruber

Es muss was Wunderbares sein… Kritik: “Im weißen Rössl” (Volksoper)

Am 8. November 1930 durfte man in Berlin erstmals das Singspiel “Im Weißen Rössl” von Ralph Benatzky live erleben. Und auch heute, 85 Jahre und zahllose Aufführungen und mehrere Verfilmungen (u.a. mit Peter Alexander und Waltraud Haas) später, hat die oft auch als “erstes deutsches Musical” betitelte Operette nichts von ihrer Popularität eingebüßt.

Anlässlich dieses Jubliäums präsentierte die Wiener Volksoper (über zwei Jahrzehnte nach der Inszenierung des von mir hochgeschätzten und leider inzwischen verstorbenen Robert Herzl) kürzlich eine “Revue”-Neuinszenierung des witzigen Stücks von Josef E. Köpplinger nach der Rekonstruktion der Originalfassung von Matthias Grimminger und Henning Hagedorn.

Ich hatte seinerzeit bereits die Herzl-Inszenierung sowohl in der Volksoper (u.a. mit Martina Dorak als Klärchen und dem heutigen Volksopern-Intendanten Robert Meyer als schöner Siegismund) als auch dann viele Jahre später in “seinem” Stadttheater Baden sehr genossen. Umso mehr war ich gespannt auf die sich ans Original beziehende Inszenierung von Köpplinger (übrigens eine Kooperation mit dem Münchener Theater am Gärtnerplatz, dessen Intendant er auch ist).

Noch selten zuvor saß ich in einem Opernhaus fast durchgehend mit einem Grinser da, so bunt, grell, pseudo-Volkstümlich und übertrieben kitschig und daher äußerst unterhaltsam und unboshaft hintergründig wurde hierfür gearbeitet, auch wenn ich beispielsweise die menschlichen Kühe und die Liebesengel sehr witzig, den Holz-Jägerhund aber eher einfallslos finde. Ob die zahlreichen “Berg-Szenen” nicht mehr vom Stück ablenken als es zu bereichern, darf ebenfalls gefragt werden: lustig sind sie allemal.

Sigrid Hauser interpretiert die Rössl-Wirtin bei weitem nicht so aggressiv und hart wie manche andere vor ihr, sondern gibvt einerseits die verliebte Geblendete, eienrseits die mit dem liebenden Leopold Mitleidende und andererseits die verantwortungsbewusste Chefin, von der man Durchsetzungsvermögen erwartet. Und: diese Überraschung ist gelungen, für mich war sie äußerst positiv.

Dass Boris Eder eine wunderschöne Stimme hat und keinerlei Probleme mit den Höhen hat, dürfte nun hoffentlich für jedermann hörbar sein: Er gibt einen wunderbaren Oberkellner Leopold, der wohl schwer durch wen anderen getoppt werden könnte. Und auch das restliche Ensemble entspricht durchaus meinen hohen Erwartungen. Besonders lobend hervorzuheben sind hier Helga Papauschek (sie war früher selbst ion der Volksoper Rösslwirtin) als Reiseleiterin, Simon Jung als Piccolo, Martin Dablander als Todesjodler, Juliette Khalil als Klärchen, Markus Meyer als Sigismund sowie Wolfgang Hübsch als Kaiser.

Das Orchester der Volksoper Wien inklusive Jazzkombo und Zithertrio unter der Leitung von Michael Brandstätter spielt gewohnt beinahe perfekt, wenn auch an manchen Stellen Orchester und Sänger leider nicht synchron sind, so vor allem (ich sah ich Vorstellung am 8. September) der Song von Professor Hinzelmann (Hans Dieter Knebel, der dafür aber schauspielerisch in dieser Rolle großartig ist).

Alles in Allem ist das neue Rössl an der Wiener Volksoper eine wunderbare Produktion, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Allerdings sollte man hierfür auch eine gehörige Portion Humor und gute Laune mitbringen. Und: Rechnen Sie mit Blasmusik bereits vor der Vorstellung.

Und es bleibt zu hoffen, dass es in Zukunft an der Wiener Volksoper auch noch weitere Stücke von Ralph Benatzky zu sehen geben wird, beipielsweise “Die drei Musketiere”, welche 2012 in Baden bereits erfolgreich zur Aufführung gelangten.

Donnerstag, 2. Juli 2015, von Elmar Leimgruber

ÖJC: Rechtssicherheit für Journalisten im Urheberrecht + Kurzkommentar

Der Autor dieses Beitrags, Elmar Leimgruber, vor dem Gebäude der Europäischen Zentralbank in Frankfurt. © Elmar Leimgruber, redakteur.ccDer Österreichische Journalisten Club (ÖJC) fordert vom Europäischen Parlament Rechtssicherheit im Urheberrecht. Ursache des aktuellen Statements ist die von EU-Bürokraten angedachte Einschränkung der so genannten “Panoramafreiheit”, also die Freiheit beispielsweise vor Kulturdenkmälern Selfies zu schiessen. Die “Panoramafreiheit” muss erhalten bleiben, fordert die Journalistenvereinigung.

 

Der Österreichische Journalisten Club (ÖJC ) kritisiert ” die weltfremde und verwirrende Entscheidung” des Rechtsausschusses des Europäischen Parlaments die sogenannte “Panoramafreiheit” einzuschränken. “Es kann nicht Sinn europäischen Rechts sein, dass wenn man ein Selfie vor der Karlskirche in Wien machen will, vorher die Erlaubnis der Katholischen Kirche und des Barock-Architekten Johann Bernhard Fischer von Erlach einholen muss”, macht sich ÖJC-Präsident Fred Turnheim über diesen Streich einiger EU-Abgeordneten lustig.

Der öffentliche Raum gehört uns allen. Eine Kommerzialisierung und Privatisierung des öffentlichen Raumes wird vom ÖJC strikt abgelehnt. Die österreichischen Abgeordneten zu EU-Parlament werden ersucht, für den Erhalt der Panoramafreiheit zu stimmen.

Der ÖJC begrüßt die Ablehnung des Geoblockings, da dies für die Informationsfreiheit von wesentlicher Bedeutung ist. Der ÖJC fordert ein einheitliches europäisches Urheberrecht als Gegengewicht zum amerikanischen Copyright. Diese beiden Rechte sind völlig unterschiedlich, da das Urheberrecht die Autoren schützt, das Copyright die Verlage.

Der ÖJC erwartet sich von den EU-Abgeordneten einen massiven Schutz der Urheberinnen und Urheber und ihrer publizistischen und künstlerischen Werke. Daher muss das Urheberrecht aus den TTIP-Verhandlungen herausgenommen werden.

Ich schließe mich den Forderungen des Österreichischen Jouzrnalisten Clubs vollinhaltlich an, besonders was die geplante Einschränkung der so genannten Panoramafreiheit betrifft: Fotos von öffentlichen Gebäuden zu schiessen und auch Selfies vor diesen darf kein Privileg von einigen wenigen sein, sondern muss Allgemeingut sein und bleiben!

Man muss sich nicht wundern, wenn die Zustimmung zur Europäischen Union und vor allem zu ihren Institutionen ständig sinkt, wenn irgendwelchen Bürokraten in Brüssel offenbar so langweilig ist (wieso sie in Zeiten der europaweiten Sparkurse nicht einfach einsparen?), dass sie ständig unsinnigere Ideen entwickeln, um das Leben und die Freiheit der Menschen in der EU immer noch mehr einzuschränken. Ich sage dazu nur: Nein danke!

Dienstag, 26. Mai 2015, von Elmar Leimgruber

Was bleibt vom 60. Eurovision Song Contest in Wien?

Jetzt wo selbst die ESC-Bühne in der Wiener Stadthalle in Windeseile schon wieder abgebaut und eingeschmolzen wird, bleibt eine gewisse Leere zurück in Wien. Ein Jahr lang wurde hingefiebert auf das große Ereignis, dass Österreich -dank Conchita Wurst- nach so vielen Jahren endlich wieder Austragungsort des wichtigsten musikalischen Events der Welt sein darf: für den 60. Jubiläums-Eurovision Song Contest:

Unzählige Freiwillige haben sich sogar eigens für diesen Zeitraum Urlaub genommen, um nicht nur im Publikum mit dabei zu sein, sondern als freiwillige Helfer. So viel Idealismus kommt selten vor, zumal es sich hier ja nicht um eine Charity handelt: Respekt.

Nicht nur die internationalen Organisatoren, Teilnehmer und auch die zahlreichen Gäste aus aller Welt waren voll des Lobes für die Gastfreundschaft und das österreichische Planungs- und Organisationsteam, welches eine Produktion der Superlative auf die Bühne (die Bühne selbst ist auch ein Meisterwerk) brachte und damit wieder mal der führenden Rolle Österreichs als Musikland voll entsprach. Allein in Österreich selbst waren bis zu 1,9 Mio. Menschen beim Finale vor dem Fernseher (weltweit bis zu 200 Mio.), um dem Großevent zu folgen, insgesamt wurde die Show in 45 Länder weltweit übertragen, nun erstmals auch nach China. Dennoch: Wieso gleich drei Moderatorinnen, die beinahe nichts zu sagen hatten in der Show? Die charismatische Tirolerin Mirjam Weichselbraun hätte vollkommen gereicht.

Und das Ziel war heuer ganz besonders “Building Bridges”, Musikbeiträge aus den verschiedenen europäischen Staaten (und erstmals mit Australien), die Brücken bauen sollte auch zwischen den einzelnen Ländern: niemand gegen niemand und alle für die Musik und für ein gemeinsames Europa, für die Einheit in der Vielfalt. Dass der ORF dem Verantwortlichen für den ESC in Österreich und Botschafter für die Vielfalt, Conchita, aber in der Liveübertragung dessen Kurzkonzert in der Stadthalle einfach kurzerhand durch Werbeeinschaltungen ersetzte, ist wohl ein Zeichen dafür, dass es dem ORF vorrangig offensichtlich nicht um die Künstler geht, sondern um seine eigene Kohle.

Dennoch: Eines war in diesem Jahr im Voting ganz besonders offenbar: die alten historischen Blöcke in Europa existieren nach wie vor, was sich besonders beim Wahlverhalten von Staaten des ehemaligen Jugoslawien und der ehemaligen Sowjetunion zeigt: da geht es leider immer noch weniger darum, wer die herausragendsten Künstler sind, welche nun auftreten, sondern vielmehr darum, aus welchem Land sie kommen. Und so wählt man sich eben vielfach (wohl aus alter historischer Tradition heraus) als geografische Nachbarn gegenseitig die meisten Punkte. Dass so niemals ein objektives Ergebnis zustande kommen kann, erklärt sich von selbst. Bei den Vergabekriterien ist daher dringender Handlungsbedarf seitens der Organisatoren angebracht. Da freut mich sich, dass wenigstens die Performance des Ausnahmepercussionisten Martin Grubinger ausgestrahlt wurde, wenn man ihn auch eigentlich live als Musiker erleben muss: Das ist saugeil.

Was dennoch natürlich nicht geht, ist aufgrund politischer Vorkommnisse einen ESC-Teilnehmer auszubuhen, wie das offenbar der Kandidatin aus Russland widerfahren ist: Der Eurovision Song Contest steht für Vielfalt in der Musik und für gemeinsam und nicht für dagegen.

Dass Österreich (trotz guter internationaler Jury-Bewertung) so schlecht abschnitt, ist leider ein Wermutstropfen: Die Nummer “I’m Yours” ist meines Erachtens besser als so manche andere Ballade im Wettbewerb und sie wurde von den MakeMakes auch gut performt. Ihr schlechtes Abschneiden im Voting ist daher -rein musikalisch betrachtet- nicht nachvollziehbar. Genauso bedauere ich auch das frühzeitige Ausscheiden Finnlands, Irlands und besonders der Schweiz.

Ich gratuliere Mans Zelmerlöw, dem diesjährigen Charm-Gewinner des Eurovision Song Contest, aber wirklich zufrieden bin ich mit dem Ergebnis nicht: Sein Song “Heroes” ist mir leider zu mainstream-langweilig, das macht ein sehr sympathisch wirkender Sänger mit Laser-Grafiken-Unterstützung auch nicht wett: bin ja gespannt, ob er wenigstens die Spitzen der europäischen Charts erreichen wird. An sich hätte in diesem Jahr in jedem Fall der Beitrag “Grande Amore” der italienischen Poptenöre Il Volo eindeutig gewinnen müssen: So votete das begeisterte Publikum Il Volo mit 80 PUnkten Vorrang auf den ersten Platz: Die Jurys der einzelnen Länder waren aber trotz einer großartigen und bravourös interpretierten Komposition aber offenbar anderer Meinung. Auf den weiteren Spitzenplätzen hätte ich mir übrigens die Schweiz, Israel, Großbritannien und vor allem Lettland und Serbien gewünscht und ja: Österreich wenigstens in den Top 10.

Aber was bleibt jetzt vom Eurovision Song Contest? Ist Österreich dadurch weltoffener und toleranter geworden? Ich hoffe doch sehr: Sind Sie Sie für ein Österreich, in dem es immer noch mehr Vorschriften und Möglichkeiten der Überwachung gibt und wo der einzelne Mensch immer unfreier wird? Oder wünschen Sie sich nicht vielmehr ein offenes Österreich und eine offene Gesellschaft, wo jeder so leben kann, wie er es für richtig hält, sofern er anderen damit nicht schadet? Ich plädiere für ein Leben in Freiheit, wo jeder Mensch selbst über sein Leben bestimmen kann, ohne dass Gesetze oder Gesellschaft ihn in irgendwelche (zu oft auch medial forcierten) konformen Massenzwänge stecken wollen und wo alle Menschen in ihrer Verschiedenheit und Vielfalt auch ihre Meinung frei äußern können: Wer Toleranz fordert, muss sie auch (jenen, die entgegengesetzt denken) gewähren und zwar genausoweit uneingeschränkt, als sie anderen nicht schadet. Ich bin dafür!

Wenn das vom Eurovision Song Contest bleibt, bin ich zuversichtlich, dass wir einer guten Zukunft entgegen gehen.

Und hier sind interne (mitten im Publikum fotografiert) Eindrücke in Bildern (Fotos) vom 60. Eurovision Song Contest in Wien:

Donnerstag, 23. April 2015, von Elmar Leimgruber

Die Wikinger auf der Schallaburg (Ausstellung in NÖ)

Wenn die gefürchteten Wikinger die Schallaburg in Niederösterreich entern, lohnt sich allemal eine Tour dorthin. Also begab sich unlängst auch eine Runde Journalisten mit dem Österreichischen Journalisten Club (ÖJC) auf eine Reise dorthin. Am 28. März 2015 eröffnete die Schallaburg mit „WIKINGER!“ die bislang umfassendste Ausstellung zum Thema in Österreich.

Bereits am ersten Ausstellungswochenende begaben sich zahlreiche Besucherinnen und Besucher „auf vikíng“ und tauchten in die faszinierende Welt der legendären Nordmänner ein. Regelmäßige Führungen und kostenlosen Workshops im „Treffpunkt ICH UND WIR“ standen an diesem Wochenende genauso auf dem Programm wie stimmungsvolle Musik und Lesungen. Für skandinavisches Flair sorgten typische Snacks, Bücher und farbenfrohe Kindermode.Der Besuch der Ausstellung, die noch bis 8. November 2015 täglich geöffnet ist,  kostet einmalig 10 Euro,  wobei dieses Ticket auch gleichzeitg als Jahreseintrittskarte gilt. Nächste Höhepunkte sind das Familienfest am 3. Mai 2015 und das Midsommarfest am 30. Mai. 2015.

Die Wikinger faszinieren. Wenn wir an sie denken, tauchen Stimmungen und Bilder auf, die von Literatur und Kunst, von liebevoll gezeichnetem Kinderfernsehen oder gründlich recherchierten Historienserien gefärbt sind. Doch es gibt noch viel mehr zu erfahren über diese Menschen, die sich vor Hunderten von Jahren im Norden auf Reisen begaben und – möglicherweise zu Recht – nicht immer gastfreundlich empfangen wurden. Die große Faszination mag auch eben daran liegen: dass wir noch immer vieles über sie lernen können.

Dem trägt die Ausstellung „WIKINGER!“ auf der Schallaburg Rechnung: In Kooperation mit dem Swedish History Museum Stockholm, MuseumsPartner Innsbruck und dem Lokschuppen Rosenheim dokumentiert die Schallaburg aktuelle Erkenntnisse und den zeitgemäßen Blick der Wissenschaft auf die Wikinger – jenseits der Klischees und Stereotype. Denn in den letzten Jahrzehnten haben archäologische und historische Forschungen die Vorstellungen, die wir von der Epoche zwischen ca. 750 und 1100 n. Chr. in Skandinavien haben, erheblich verändert. Mit 500 hochkarätigen Exponaten und einer spannenden Architektur beweist die bisher umfassendste Wikinger-Ausstellung in Österreich auf 1.300 Quadratmetern, dass die wahre Geschichte der skandinavischen Völker im Frühmittelalter noch spannender ist als sämtliche Mythen, die sich um sie ranken.

„Die vielen begeisterten Reaktionen an den ersten beiden Ausstellungstagen zeigen, dass unsere Herangehensweise an das Thema „Wikinger“ bei den Besucherinnen und Besuchern gut ankommt“, freut sich Kurt Farasin, Leiter der Schallaburg. „Es geht uns nicht darum mit Einzelobjekten zu dokumentieren wie einzigartig und heldenhaft die Wikinger waren. Stattdessen möchten wir zeigen, welche Geschichten rund um die Wikinger existieren, Anknüpfungspunkte an unsere heutige Gesellschaft finden und Fragen aufwerfen“, erklärt Farasin. „Im ‚Treffpunkt ICH UND WIR’ spüren wir etwa dem Thema Identität nach: Wer waren die Wikinger? Was ist ein Volk? Und schließlich: Wer bin ich selbst? Mit Fragen wie diesen möchten wir unsere Ausstellungsgäste zur Auseinandersetzung mit sich selbst, zum Dialog miteinander und natürlich zum Wiederkommen einladen“, so Farasin weiter.

Damit die Reise zu den Wikingern und die damit verbundene Reise zur eigenen Identität nicht mit dem Ausstellungsbesuch endet, gibt es 2015 auf der Schallaburg ein besonderes Novum: Erstmals wird das Tagesticket um 10,- Euro zur persönlichen Saisonkarte. Damit erhalten die Besucherinnen und Besuchern während des gesamten Ausstellungszeitraums (28. März bis 8. November 2015) unbegrenzten Eintritt zur „WIKINGER!“-Ausstellung.

 

Hier sind Eindrücke in Bildern von der ÖJC-Tour zur Wikinger-Ausstellung in der Schallaburg:

Freitag, 17. April 2015, von Elmar Leimgruber

18. April: Weltweiter Aktionstag gegen TTIP

Das geplante Freihandelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA führt weiterhin zu Verstimmungen in Europa. Regierungen beruhigen, Wirtschaftskammer (WKÖ) und Industriellenkammer sehen durch TTIP neue Chancen auch für Klein- und Mittelbetriebe.

Die Skeptiker hingegen befürchten, dass die Interessen der größten internationalen Konzerne jeweils über die Interessen von Mensch und Umwelt gestellt werden. So ist für morgen, 18. April ein weltweiter Aktionstag gegen TTIP, CETA und TiSA angesetzt. Zu den Gegnern von TTIP gehören unter anderem die deutsche Konsumentenschutzorganisation Foodwatch, der Österreichische Journalistenclub (ÖJC) und der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB), der ebenso aufruft, am Aktionstag teilzunehmen. Nähere Infos zum Aktionstag gibts online. Und die Diskussionsgrundlagen der EU zum Thema TTIP sind ebenfalls online abrufbar.


Foodwatch sieht in TTIP einen massiven “Angriff auf die Demokratie” und lädt zu einer Online-Aktion ein, bei der die Abgeordneten an Ihre Pflicht erinnert werden. Seit dem Start dieser Aktion vor zwei Wochen haben laut foodwatch bereits tausende Bürgerinnen und Bürger insgesamt weit mehr als 30.000 persönliche E-Mails an Ihre Wahlkreisabgeordneten geschickt und nachgefragt: “Ist Ihnen bewusst, dass das geplante Freihandelsabkommen auch Ihren politischen Handlungsspielraum einschränken kann? Warum lassen Sie sich entmachten?”. foodwatch (deren Geschäftsführer Thilo Bode schrieb den TTIP-Bestseller “Die Freihandelslüge”) ist aus folgenden Gründen gegen TTIP:

“1. Alle im TTIP-Vertrag zwischen der EU und den USA gegenseitig anerkannten Standards und Richtlinien könnten zukünftig nur noch einvernehmlich weiterentwickelt werden. Denken Sie nur an die mehr als dringend nötige Verbesserung des Tierschutzes in der Landwirtschaft! Wollen wir in Europa in dieser Frage wirklich vom Konsens mit einem Handelspartner abhängig sein? Wir meinen: Nein. Wir wollen selbst vorangehen und Standards im Verbraucher- und Umweltschutz jederzeit eigenständig und mutig weiterentwickeln können.

2. Der TTIP-Vertrag wäre ein völkerrechtliches Abkommen und würde damit Vorrang vor EU-Recht und Gesetzen der EU-Mitgliedstaaten genießen. Das bedeutet in der Praxis: Künftige Gesetze müssten “TTIP-kompatibel” sein, dürften den Vereinbarungen im Freihandelsabkommen nicht widersprechen. Dies würde ganz automatisch zu einer Einschränkung des politischen Handlungsspielraumes führen. Das glauben Sie nicht? Das Bundeskanzleramt hat uns in einem Brief ganz offiziell bestätigt, “dass der Regelungsspielraum der EU und der EU-Mitgliedstaaten [?] in Teilen eingeschränkt werden kann.”” (foodwatch)

Sowohl TTIP als auch CETA beinhalten einen “Investor-Staat-Streitbeilegungsmechanismus” (ISDS), kritisiert der Österreichische Gewerkschaftsbund: Mit diesem Mechanismus zur Beilegung von Streitigkeiten können Konzerne das nationale Gerichtswesen umgehen und direkt vor privaten internationalen Schiedsgerichten – und damit außerhalb der nationalen und europäischen Rechtssysteme – gegen einen Staat klagen. Es geht um Entschädigungen für Regulierungen in Bereichen wie Gesundheit, Umwelt, Finanzen oder anderen Bereichen öffentlicher Politik, die aus Sicht der Investoren ihre Rechte beeinträchtigen. “Eine Neuausrichtung der Handelspolitik muss auf fairem Handel, auf hohen Standards zum Schutz der ArbeitnehmerInnen, Gesundheit und der Umwelt für alle weltweit sowie auf Demokratie und Transparenz basieren”, fordert Bernhard Achitz, Leitender Sekretär des ÖGB.

Während Investoren Sonderrechte in der Form von privaten Schiedsgerichten bekommen sollen, ist für die Bestimmungen zu international anerkannten sozialen Mindeststandards der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) Unverbindlichkeit vorgesehen. Damit heißen die Handelsminister gut, dass grundlegende Bestimmungen für die Arbeitnehmer nicht rechtsverbindlich durchsetzbar sind und bei Verstößen ohne jegliche Konsequenz bleiben, kiritiseirt der ÖGB. Weder USA noch Kanada haben das Übereinkommen zur Vereinigungsfreiheit und dem Recht auf Kollektivvertragsverhandlungen zur Durchsetzung von Gewerkschaftsrechten ratifiziert. In den USA sind Arbeitgeber extrem gewerkschaftsfeindlich eingestellt und verhindern die Gründung von betrieblichen ArbeitnehmerInneninteressenvertretungen, wenn nötig auch mithilfe von auf Zerschlagung von Gewerkschaften spezialisierten Anwaltsfirmen.

Gewerkschaften kritisieren, dass wichtige öffentliche Dienstleistungen wie Bildung, Gesundheit, Verkehr, Kultur, Wasser nur ungenügend aus den Freihandelsabkommen ausgenommen sind.

Die wichtigsten-ÖGB Forderungen:

  • Keine Investitionsschutzbestimmungen und Investor-Staat-Streitbeilegungsverfahren (ISDS)
  • Öffentliche Dienstleistungen müssen unmissverständlich aus dem Anwendungsbereich ausgenommen werden.
  • Verbindliche Verankerung von ILO-Kernarbeitsnormen und internationalen Umweltabkommen
  • Nein zum Regulatorischen Kooperationsrat
  • Keine Verhandlungen im Lebensmittelsektor
  • Keine Geheimverhandlungen.

Der Österreichische Journalisten Club (ÖJC) fordert anlässlich des morgigen globalen Aktionstages gegen das Handelsabkommen TTIP die österreichischen Verhandler und die Abgeordneten zum EU-Parlament dringend auf, die Bereiche Medien, Kultur und Urheberrechte aus den TTIP-Verhandlungen mit den USA herauszunehmen. “Urheberrechte gehören nicht in das Freihandelsabkommen”, fordert der ÖJC. Das deutsch-österreichische Urheberrecht ist demnach um ein Vielfaches journalisten- und autorenfreundlicher als das anglo-amerikanische Copyright. “Es geht daher in diesen Verhandlungen schlicht und einfach um das Geld der Autorinnen und Autoren und um einen kostenlosen Wissenstransfer von Europa in die USA”,erklärtÖJC-Präsident Fred Turnheim. “Da das Urheberrecht autorenorientiert und das Copyright verlagsorientiert sind, ist hier ein Zusammenwachsen beider Rechtssysteme nicht möglich”, so Turnheim.