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Sonntag, 22. April 2012, von Elmar Leimgruber

If Thomas Borchert Sings… – Kritik –

Ja, wenn er singt, der große Thomas Borchert, dann füllen sich die Theater und die Säle und alle wollen ihm lauschen. So geschehen auch am Freitag in Wien: Er hat eine einmalige und großartige Stimme, keine Frage. Und an diesem Abend war er auch richtig gut drauf und selbst die schwierigsten Songs „Dies ist die Stunde“, „Der Mann, der ich einst war“ und selbst „Bring ihn heim“ gelangen ihm problemlos: Er ist einfach einer der Besten in seinem Fach.  Kein Wunder also, wenn es ihm gar gleich zu Beginn der Show gelingt, auch das Publikum zum Mitsingen zu bewegen. Nur die „Musik der Nacht“ -ja vermutlich überhaupt diese gebrochene und verletzte bzw. verletzliche Figur des „Phantoms der Oper„-  passt einfach irgendwie nicht zu ihm, dem Perfekten, Schönen und Begehrten.

Und das ist auch irgendwie das Problem: Borchert ist neben seinen hervorragenden Gesangeskünsten auch ein perfekter Entertainer, aber im Grunde sieht er irgendwie nur sich selbst und suhlt sich in dieser herausragenden Rolle. So betrat die wunderbare Carin Filipcic (sein Gast) bei ihrem ersten Auftritt die Bühne und verließ sie genauso auch wieder ohne jegliche Vorstellung durch Borchert: das ist schon -zumindest- peinlich. Sein überdurchschnittliches „Ich“ mag bie vielen ankommen, aber jedermanns Geschmack trifft er mit seiner Persönlichkeit, die an einem solchen Soloabend viel deutlicher hervorkommt wie wenn er einfach eine klare Musicalrolle einnimmt, sicherlich nicht.

Thomas Borchert ist ein großartiger Schauspieler, Entertainer (ja er hat auch eine wunderbare Sprechstimme), Musiker (er spielte an diesem Abend nicht nur den Flügel, sondern rockte auch mit der E-Gitarre) und Sänger, den ich seit Jahren künstlerisch und musikalisch sehr bewundere. Und wenn er ein bisschen weniger ER und dafür ein bisschen mehr WIR leben würde, dann würde er noch um einiges sympathischer wirken. Allein für die Referenzinterpretation einiger seiner Glanzrollen, vor allem Krolock im „Tanz der Vampire“ (ab 12. Mai ist er wieder der Vampirgraf) aber lohnt es sich schon, auch in sein Solo-Konzert zu kommen.

Es gibt wenige Frauen, die so eine menschliche Größe und Liebe ausstrahlen wie Carin Filipcic: ihr zuzuhören und zuzuschauen, wärmt die Seele, auch wenn sie an diesem Abend mal nicht „Gabrielles Sang“ oder „Gold von den Sternen“ sang, dafür aber -wofür ihr ein großes Kompliment gebührt- unter anderem erstmals „Ich gehör nur mir“: Ich liebe ihre Stimme und ihre Persönlichkeit. Ebenfalls auch an diesem Abend großartig: Marina Komissartchick am Flügel.

Bevor Thomas Borchert im Dezember erneut Wien mit einem Solokonzert beehren wird, sind noch weitere Solokonzerte mit ihm in Deutschland geplant, darunter am 4. Mai erstmals in seiner Heimatstadt Essen. Tickets sind unter anderem beim Veranstalter erhältlich. Wer Musicals liebt, wird dort auch, was weitere Konzerte betrifft, fündig: am 14. Mai gibts beispielsweise eine Premiere in Wien: „Musical Moments“, die größten Musicalerfolge mit Andreas Bieber, Carin Filipcic und Jan Ammann, während am 17 Juli Andreas Bieber, Pia Douwes, Carin Filipcic und Matthias Stockinger in der Gala ICH GEHÖR NUR MIR in Regensburg ein Musical-Konzert im Rahmen der Thurn & Taxis Schlossfestspiele geben werden.