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Sonntag, 4. März 2012, von Elmar Leimgruber

Carmina Burana an der Wiener Volksoper: So macht Ballett Spaß

„Fortuna“ (Florian Hurler) mit Ballett und Chor der Wiener Volksoper in „Carmina Burana“
Foto: © Volksoper

Ich bin nicht wirklich ein Ballett-Fan: Das gebe ich gerne zu. Aber das, was die Wiener Volksoper nun als Premiere geboten hat, übertrifft meine Erwartung und Neugier bei Weitem. Dass die „Carmina Burana“ von Carl Orff natürlich durch ihre Popularität aufgrund ihrer Beinahe-Volkstümlichkeit schon ein Publikumsmagnet sein würden, war mir klar. Aber dennoch konnte ich mir schwer vorstellen, wie diese Musik, die musikalisch und inhaltlich und selbst rhythmisch keinesfalls primitiv oder einfach ist, getanzt werden kann.

Und meine Neugier wurde nicht nur befriedigt, sondern weit übertroffen. Da passt einfach alles: Die Choreographie von Vesna Orlic ist großartig,das Wiener Staatsballett in Hochform: Die mittelalterlichen von Orff arrangierten Benediktbeurer Gedichte und Lieder leben durch diese Inszenierung im wahrsten Sinne des Wortes und entführen in eine längst vergangene Zeit, die aber dennoch höchst aktuell sind. Und vor allem „in Taberna“ gehts kräftig zur Sache: das ist unterhaltsam und ernst und höchst provokativ gleichermaßen. Mehr verrate ich dazu bewußt nicht.

„Faun“ Mihail Sosnovschi mit „Liebestraum“ Taina Ferreira Luiz
Foto: © Volksoper

Ebenfalls in Hochform sind auch Chor und Orchester der Volksoper Wien unter der vorbildlich-meisterhaften Stabführung von Guido Mancusi. Und auch die Gesangssolisten leisten Hervorragendes: Beate Ritter brilliert als Sopran, Klaus Kuttler als Bariton und vor allem herzergreifend bewegend und mit einer ganz außergewöhnlichen  fast countertenorartigen Stimme ausgezeichnet ist Jörg Schneider als „gebratener Schwan“.

Bei allem Lob für die „Carmina Burana“ sei jedoch ergänzt, dass an diesem Abend von Ballett und Orchester noch zwei weitere klassische Meisterstücke darbieten: „Bolero“ von Maurice Ravel und „Nachmittag eines Fauns“ von Claude Debussy:

 

Beim Schlussapplaus: Chor und Orchester der Wiener Volksoper, Wiener Staatsballett mit Solisten

Der „Bolero“ ist bereits so abgedroschen“, dass ich ihn kaum mehr hören kann. Aber sowohl die musikalische Dramaturgie, die hier vom Orchester unter Guido Mancusi geboten wird als auch die Choreographie von Andras Lukacs und die Darbietung durchs Wiener Staatsballett sind positiv überraschend und bewegend. Wirklich meditativ und aus dem Alltag entführend und dennoch erhebend aber ist das erste Stück des Abends: „Der Nachmittag eines Fauns“ von Debussy: leise und zur Ruhe führende Musik, welche nur funktioniert, wenn das Orchester auch in der Lage ist, zärtlich zu musizieren.

Dirigent Guido Mancusi und Choreographin Vesna Orlic

Und das Orchester der Wiener Volksoper unter Mancusi musiziert an diesem Abend himmlisch schön. Und es harmoniert perfekt mit den beiden Ballettsolisten auf der Bühne: Taina Ferreira Luiz und Mihail Sosnovschi. Die beiden sind ein Traumpaar und tanzen die weit überdurchschnittliche Choreographie von Boris Nebyla so natürlich und fantastisch, dass man als Zuschauer beinahe mit offenem Mund dasitzt und aus dem bewundernden Staunen nicht mehr herauskommt.

Auch wenn ich also kein wirklicher Ballet-Fan bin: Aber wenn schon Ballett, dann so wie es in der Volksoper Wien dargeboten wird. Dieser Abend lohnt sich unbedingt und zwar selbst für Menschen, die sich ansonsten lieber Opern, Operetten, Musicals und klassische Konzerte ansehen wie ich. Schauen Sie sich das an: Weitere Aufführungen der „Carmina Burana“ und der anderen beiden Stücke sind am 5., 11., 21. und 27. März, sowie am 17. und 23. April und am 3. Mai an der Wiener Volksoper vorgesehen. Nähere Informationen dazu und Tickets gibts hier online.