Mit ‘Alan Menken’ getaggte Artikel

Donnerstag, 13. Oktober 2011, von Elmar Leimgruber

Alice, Mulan und Aladdin im Wunderland Wien

Anetta Szabo als Jasmin mit Peter Knauder als Aladdin
Foto: Agentur Zolles/ Martin Steiger

Zum ersten Mal im deutschsprachigen Raum (laut Wiener Rathauskorrespondenz) gibt es nun eine längere Kooperation zwischen Walt Disney und der Wiener Stadthalle: Gemeinsam präsentieren sie “Disneys Junge Bühne”, bei welchem innerhalb von drei Jahren bis zu vier verschiedene Disney-Musicals speziell für Jugendliche und Familien mit Kindern in Wien aufgeführt werden könnten. Das Performing Center Austria freut sich, damit jungen Talenten eine Chance für die große Bühne zu bieten.

Dabei werden mehrere Disney Shows als Produktion des Performing Center Austria, der Wiener Kaderschmiede für die Musicalstars von morgen, auf die Showbühne der Halle F gebracht. Gestartet wird mit “Aladdin jr.” am 26. Februar 2012, gefolgt von der deutschsprachigen Erstaufführung  von “Alice im Wunderland jr.” im Mai 2012. Für 2013/2014 ist zusätzlich noch die Musical-Umsetzung von Mulan und einer Überraschungs-Show geplant. Und auch Castings sind vorgesehen.

Tiziana Turano als Alice
Foto: Agentur Zolles/ Martin Steiger

Die Hauptrolle des Aladdin (Musik von Alan Menken) wird Peter Knauder übernehmen. Die Rolle der Alice spielt Tiziana Turano. Regie bei beiden Stücken führt Rita Sereinig. Für die Choreographie wurden Sabine Arthold und Susanne Rietz engagiert. Die musikalische Leitung hat Marie Landreth inne. Bei allen Shows werden erstmals in Österreich die bekannten und berühmten Disney Songs aus den bekannten Animationsfilmen zu hören und – schwungvoll tänzerisch umgesetzt – zu sehen sein.

Hintergrund für diese Kooperation sind die von der Erste Bank Wiener Stadthalle und dem Performing Center Austria bereits künstlerisch erfolgreich umgesetzten Disney Musicals “High School Musical” und “Camp Rock” in den Jahren 2007 und 2010. “Die Professionalität und hervorragende Qualität haben uns überzeugt. Deshalb hat sich Disney auch entschlossen, nun diese mehrjährige Kooperation einzugehen. Wir freuen uns auf die bevorstehende Premiere”, so Felipe Gamba, Director International Production Strategy Disney Theatrical Group.

Seit drei Jahren fördert die Wien Holding gemeinsam mit der Wiener Stadthalle und den Vereinigten Bühnen Wien junge Musicaltalente. Herzstück dieser Initiative ist eine Kooperation mit dem Performing Center Austria, der Kaderschmiede für junge Musicaltalente in Österreich. Unter der Gesamtleitung von Alexander Tinodi zeichnen seit 2010 Sabine Arthold und Marie Landreth für die künstlerische Leitung verantwortlich.

Die ersten acht Showtermine für das erste Halbjahr sind bereits fixiert:

  • Aladdin jr. ist an folgenden Sonntagen, jeweils um 11.00 und 14.30 Uhr zu sehen:
    26. Februar 2012, 29. April 2012
  • Alice im Wunderland jr. läuft an folgenden Sonntagen, jeweils 11.00 und 14.30 Uhr:
    13. Mai 2012, 17. Juni 2012

Für den Herbst 2012 sind weitere 8 Termine mit diesen beiden Shows in Vorbereitung.

Dienstag, 4. Oktober 2011, von Elmar Leimgruber

Unterhaltsames, aber nichts Himmlisches im Wiener Ronacher

Nur wenige Musicals habe ich in Wien mit mehr Spannung und Neugier erwartet als Sister Act und am 3. Oktober 2011 war es soweit. Im Gegensatz zu manchen anderen Besuchern habe ich mir aber gar nicht die Musik von Marc Shaiman aus dem gleichnamigen Film erwartet und war daher auch nicht überrascht, sie nicht zu hören. Die Musik des Musicals vom Disney Haus- & Hofkomponisten Alan Menken erinnert jedoch an manchen Passagen ganz klar an den damaligen Original Score, jedoch finde ich, dass er schon schönere Musik komponiert hat (“Arielle”, “Glöckner”, Schöne und das Biest”, “Hercules”…). Auch die Story wurde an manchen Stellen etwas abgeändert (beispielsweise findet die Verfolgungsjagd nun nicht mehr in einem Casino statt, sondern direkt im Kloster). Da aber nicht nur das Musical denselben Titel wie der Film trägt und der Grundstrang der Story im Grunde derselbe ist und zudem auch noch die damalige Film-Hauptdarstellerin, nämlich Whoopi Goldberg , auch Co-Produzentin des Musicals ist, sind Vergleiche angebracht:

Und da fällt Eines schon ganz deutlich auf: Das filmische Haupt-Thema: Oberflächliche Disco-Queen landet durch Verfolgung im Kloster und findet dort ihre Läuterung und einen neuen Sinn im Leben, kommt im Musical nur sehr am Rande vor, im ersten Teil überhaupt nicht, was ich sehr bedauerlich finde, was jedoch an Glenn Slater (Liedtexte) sowie an Cheri & Bill Steinkellner (Buch) liegen dürfte. Außer der Mutter Oberin werden alle Klosterschwestern so dargestellt, wie wenn sie ihr Ordens-Leben nicht wirklich lieben würden. Und auch Monsignore O’Hara wirkt im Musical eher lächerlich und oberflächlich und ausschließlich an Geld und eigenem Prestige interessiert, jedenfalls nicht wie ein Mann Gottes. So verliert eine (durch im Film sinnvolle und tiefgehende und auch noch höchst erfolgreiche) Story im Musical leider an Gehalt und Tiefgang und verkommt zu einer zugegebenermaßen lustigen Unterhaltungs-Show von Tänzerinnen in kitschig glitzernden Nonnenkostümen. Aber mit dem Film “Sister Act” hat das Musical leider nur den oberflächlichen Erzählstrang gemeinsam.

Nichts desto Trotz: die Darstellerinnen und Darsteller der Wiener Produktion sind ausgezeichnet gecastet: allen voran Ana Milva Gomes als Deloris van Cartier und Suzanne Carey als Mutter Oberin: Gomes ist ein außergewöhnliches Talent im Singen, im Tanzen und im Schauspiel und sie ist die Idealbesetzung für diese Rolle und dasselbe trifft auch auf Carey zu: Die Frau hat eine unglaublich schöne Stimme und sie ist nicht die Mutter Oberin: sie ist sie: Dieser hat Alan Menken übrigens die meines Erachtens schönsten Melodien geschrieben, die teilweise sehr an seinen “Glöckner von Notre Dame” und “Die Schöne und das Biest” erinnern, aber einfach traumhaft sind.

Michael Schönborn, der Bruder des Wiener Erzbischofs Kardinal Christoph Schönborn, ist zwar sicher ein ausgezeichneter Schauspieler und beweist hier vor allem auch komödiantisches Talent als Monsignore O’Hara, doch aber bei aller Sympathie: ich würde diese Rolle nicht spielen wollen. Besonders positiv erwähnenswert seien noch Barbara Obermeier als faszinierend schön singende Novizin Sr. Mary Robert, komödiantisch hervorragend Sonja Atlas als Sr. Mary Patrick, Thada Suanduanchai als tollpatschiger Polizei Eddie (ein großartiges schauspielerisches Talent mit Vorzügen auch im gesanglichen Bereich) die drei “Unterweltganoven” Bernhard Viktorin, Peter Kratochvil und Arcangelo Vigneri und vor allem Kathy Tanner als Sr. Mary Lazarus, die für mich nach diesem Abend bereits eine Schauspiel-Legende ist. Das Orchster der Vereinigten Bühnen Wien unter der Leitung von Michael Römer musizieren -wie meistens- großartig, die Regiearbeit von Carline Brouwer ist gut durchdacht (wenn es mir teilweise auch zusehr glitzert) und das Bühnenbild von Klara Ziglerova passt ebenfalls.

Zusammengefasst: Wer sich also bei “Sister Act” ein religiöses oder gar tiefgehendes Musical erwartet, dürfte ziemlich sicher enttäuscht werden: Den Autoren sei an dieser Stelle empfohlen, ihre Texte (vor allem “Nonnen haben’s gut”) zu überarbeiten. Wer hingegen einfach nur einen lustigen Musicalabend, fernab von religiösen oder tiefgehenden Gedanken verbringen, will, wird damit in “Sister Act” bestens bedient. Und dasselbe trifft auch für jene Freunde von Musicals zu, die schöne Stimmen und fabelhafte Interpretationen auch im schaupielerischen Bereich zu schätzen wissen.

Und hier sind Eindrücke in Bilder vom Musical “Sister Act”, unter anderem von der Premiere am 15. September im Wiener Ronacher.
Fotos, auf denen nicht kulturia.com als Urheber aufscheint,  sind ©  Vereinigte Bühnen Wien (VBW)/ Ralf Brinkhoff/Birgit Mögenburg:

Sonntag, 27. August 2006, von Elmar Leimgruber

Bonifatius bringt auch heute reiche Frucht (gesehen am 23. August 2006)

Ich hatte es am 4. August hier angekündigt, und hier ist sie meine Kritik zum derzeitig wohl mutigsten Musicalprojekt Europas:
Bonifatius, ein gebürtiger Engländer, wird im 8. Jahrhundert von Papst Gregor II. damit beauftragt, das heidnische Deutschland zu missionieren. Unterstützung erhält er hierbei u.a. von seinem Schüler Sturmius und von den Söhnen Karl Martells.
Viele Anhänger des heidnischen Fürsten Radbod verlassen nach einer öffentlichen Konfrontation mit Bonifatius ihren Götterglauben und bekehren sich zum Christentum. Doch der Mainzer Bischof Gewilip, der durch Mord an den Bischofsstuhl kam, führt ein lasterhaftes Leben und beutet die Menschen aus. Bonifatius lässt ihn durch den Papst absetzen, wodurch er sich die Rache Gewilips zuzieht: Bonifatius wird in einen Hinterhalt gelockt und getötet.
Der in die schöne Wirtshaustochter Alrun verliebte Sturmius entscheidet sich angesichts der neuen Situation mit deren Unterstützung für ein klösterliches Leben als 1. Abt des Klosters Fulda.
Ein Musical über einen Heiligen: kann das funktionieren? Erstaunlich, aber ja: es kann: heuer bereits im dritten Jahr wird das Werk von Dennis deMartin und von Peter Scholz in Fulda aufgeführt und das ausverkauft. Und im Oktober übersiedelt “Bonifatius” in Musicaltheater Bremen.
Das Musical ist großartig, wenn der Musikkenner auch zuweilen Einflüsse vor allem von Vangelis, Sylvester Levay und Alan Menken heraushört.
Die Inszenierung ist mit Ausnahme der prächtigen und sehr passenden Kostüme eher spartanisch und vor allem auf Lichteffekte setzend. Aber genau das passt auch, um zu verhindern, dass “die Botschaft” des großartigen Werkes übersehen wird.
Ethan Freeman (Bonifatius) ist zweifelsohne gesanglich und schauspielerisch ein begnadeter Musialstar, er war aber im Vergleich zum einmaligen Reinhard Brussmann (Bonifatius-Urbesetzung) zumindest in der Aufführung am 23. August in Fulda zu wenig authentisch. Dabei liebe ich es vor allem in Musicals, wenn Funken der Begeisterung durch die Hauptdarsteller aufs Publikum überspringen.
Wirklich großartig in jeder Hinsicht und wie geschaffen für seine Rolle aber ist und bleibt Stefan Poslovski.
Sensationell gut interpretiert auch Daniel Dodd-Ellis den Heidenfürsten Radbod. Ebenfalls beeindruckend ist Simone Kerchner als “Mutter”: sie hat nicht nur eine überdurchschnittlich gute Stimme, sondern sie singt jeglichen Soul-Part im Musical so intensiv, dass ich dabei Gänsehaut bekam.
Bonifatius ist ein Werk, das jeder Musicalfan zumidnest einmal in seinem Leben gesehen haben sollte: viele Möglichkeiten dazu gibts derzeit allerdings nicht mehr: noch bis 6.9. im Schlosstheater Fulda und dann vom 12.-28. Oktober im Musicaltheater Bremen. Weitere Infos zum Musical und Tickets gibts hier. Im kommenden Juli startet übrigens das zweite ebenfalls mutige Musicalprojekt dieses Teams: Elisabeth von Thüringen.