Gunkls Kränkungen der Menschheit – Eine Kritik

Gunkl (Günther Paal)

Er ist bekannt als der Intellektuellste unter Österreichs Kabarettisten und der ist er auch zweifelsohne, wie er in seinem neuen Programm “Die großen Kränkungen der Menschheit, auch schon nicht leicht” (Premiere 1. September 2011) erneut unter Beweis stellt: Gunkl (Günther Paal). Und ja: es macht sich wieder jede Menge Gehirnschmalz breit, soll doch ein Gunkl-Programm auch das Publikum -zwar „nicht alle, sondern jeden“- ebenfalls zum Denken anregen, aber dann auch wieder nicht nur staubtrocken, sondern auch durchaus erheiternd sein:

Während es im ersten Teil des Abends unter anderem um den so genannten freien Willen des Menschen geht, an dem Gunkl offenbar aus seiner „Logik“ heraus ernsthaft zweifelt, wobei seine Gedankenergüsse zu diesem Thema aber dennoch äußerst interessant und spannend sind, kann er es im zweiten Teil zum wiederholten Male nicht unterlassen, über Religion und Gläubigkeit zu lästern und dabei über jeden „Andersgläubigen“ mitleidig herunterzublicken von seinem hohen Ross.

Ich liebe anspruchsvolles Kabarett und ich schätze Gunkls intellektuelle Scharfzüngigkeit und seinen Pointenreichtum seit Jahren sehr. Und jeder, vor allem ein Kabarettist oder Humorist, hat das Recht menschliche Verhaltensweisen kritisch zu hinterfragen: Politik, Gesellschaft und auch Religion dürfen und sollen gar von der Kabarettszene durchleuchtet und analysiert werden. Und von dem, was man dank Reflexion und Ehrlichkeit (sich selbst gegenüber) erkennt und für „logisch“ und „richtig“hält, davon darf und soll man auch reden und dies auch aus vollster Überzeugung.

Dennoch sollte man sich -in Anerkennung auch seiner eigenen Begrenztheit und Fehleranfälligkeit (welche jedem Menschen anhaftet)- davor hüten, diese seine eigenen Erkenntnisse als die einzige Wahrheit hinzustellen und jenen anderen, die anders empfinden, verständnislos zu belächeln und ihnen unlogisches Denken und naive Blindheit vorzuwerfen, zumal dies nicht von Weisheit, Größe und Weite des so Agierenden zeugt, sondern vielmehr von Enge und Abschottung gegenüber allem, was den eigenen Horizont übersteigt oder ihm entgegensteht.

Aber ganz im Sinne von Gunkl selbst (und darauf kommt er im Schlussteil des aktuellen Programms zu sprechen) wünsche ich mir und ihm und seinem Publikum und jedem von uns, dass wir alle bestrebt sind, in unserem Menschsein zu wachsen und -trotz aller Kränkungen- zu wirklich besseren Menschen zu werden. In diesem großen Sinne ist auch das aktuelle Gunkl-Programm -wenn nicht einfach nur unkrtitisch aufgesogen- dennoch durchaus höchst sehens- und hörenswert.

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2 Antworten zu “Gunkls Kränkungen der Menschheit – Eine Kritik”

  1. Der gepinselte Einfall sagt:

    Hallo,
    Das zur zeit aktuelle Programm von Gunkl heißt: „Die großen Kränkungen der Menschheit, auch schon nicht leicht“. Es wäre gut, um missverständnissen Vorzubeugen, das auszubessern.
    Die Kritik als solche trifft in etwa meinen Eindruck.
    mfg der gepinselte Einfall

  2. Invisible sagt:

    Wobei man aber vielleicht noch dazu sagen sollte, dass Gunkl in diesem Programm vor allem die ungleiche Behandlung und Wahrnehmung bzw. auch die ungleichen Rechte von Religions- und anderen Gemeinschaften/Vereinen kritisiert und ganz im speziellen die mangelhafte Distanzierung der verschiedenen Religionen von uralten, sämtlichen modernen, aufklärerischen Werten zuwiderlaufenden Verhaltensvorschriften kritisiert.

    „So wie das in der Bibel steht macht das heute eh keiner mehr, das ist ja nur symbolisch gemeint“ – ja warum ändert man den Wortlaut dann nicht, wenn es offenbar eh kein Problem ist dass sich keiner dran hält? (Oder andersherum: wie gläubig sind Gläubige, die ständig ihre Glaubensvorschriften verletzen und – noch krasser – von ihren Oberhäuptern sogar quasi dazu aufgefordert werden?)

    Warum darf ich völlig problemlos und straffrei in meinen „Vereinssatzungen“ Sklavenhaltung, Mord, Unterdrückung von Frauen, … stehen haben sobald ich mich als ‚Religion‘ deklariere und behaupte dass das ja eh nicht so gemeint ist?

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