EU kündigt Bloss-Stellung von Spam-Netzwerken an

Die europäische Agentur für Internetsicherheit (European Network and Information Security Agency, ENISA) hat ihren dritten Spambericht bezüglich der Antispam-Massnahmen, die von europäischen Internetdienstanbietern implementiert werden, veröffentlicht. Demnach kann bei der Bekämpfung von Spam kein signifikanter Fortschritt berichtet werden. Die ENISA fordert daher die Identifizierung vom Spam-Quellen und kündigt die Veröffentlichung von so genannten Botnets (Spam-Netzwerke) an.

„Spam ist weiterhin eine nicht notwendige, zeitaufwendige und teure Belastung für Europa. In Anbetracht der Anzahl der Spamnachrichten komme ich zu dem Schluss, dass geeignetere Massnahmen ergriffen werden müssen“, erklärte dazu Udo Udo Helmbrecht, geschäftsführender Direktor der ENISA: „E-Mail-Anbieter sollten Spam besser überwachen und deren Quelle identifizieren. Und politische Entscheidungsträger und Aufsichtsbehörden sollten die Konflikte zwischen Spamfiltern, Datenschutz und der Serviceverpflichtung lösen“.

Wie wird Spam in Europa bekämpft? Grafik: ENISA

Eine ENISA Umfrage bei 100 Email-Dienstleistern aus 30 europäischen Ländern, die zusammen 80 Millionen Postfächer verwalten, untersuchte, wie E-Mail-Dienstanbieter Spam in ihren Netzwerken bekämpfen, und identifiziert die modernsten Technologien, die im Kampf gegen Spam eingesetzt werden können. Einige der wichtigsten Ergebnisse der Umfrage:

– Weniger als 5% des gesamten E-Mail-Verkehrs wird in Postfächer übermittelt. Das heisst, dass es sich beim grössten Anteil der E-Mails, nämlich bei 95%, um Spam handelt. Dies stellt nur eine geringfügige Abweichung der 6% in früheren ENISA-Berichten dar.

– 70% der Befragten betrachten Spam als äusserst signifikant bzw. signifikant für ihre Sicherheit.

– Über ein Viertel der Befragten macht Spam für mehr als 10% der Helpdesk-Anrufe verantwortlich.

– Ein Viertel der sehr kleinen Anbieter reservieren Antispam-Budgets von mehr als 10.000 Euro pro Jahr.

– Ein Drittel der sehr grossen Anbieter reservieren Antispam-Budgets von mehr als 1 Million Euro pro Jahr.

In einem nächsten Schritt wird die ENISA nach eigenen Angaben Ende 2010 einen Bericht über Botnets veröffentlichen, der die Hauptursachen von Spam untersucht. Botnets sind Netzwerke mit Tausenden von remote gesteuerten Computern, die heimlich mit böswilligen Programmen (Bots) infiziert werden, um Spam zu verteilen und kriminelle Aktivitäten zu ermöglichen.

Der aktuelle Spambericht der ENISA kann hier downgeloadet werden.

Ich habe persönlich kein Problem damit, wenn mich beispielsweise ein Unternehmen aus Wien auf ihr neues Produkt aufmerksam macht, das für mich von Interesse sein könnte. Die derzeit geltenden und verfolgbaren europäischen Anti-Spam-Gesetze verbieten aber leider genau das.

Jene anderen wirklich nervenden Online-„Apotheken“ , -Casino- und -Pseudo-Bankseiten, die alltäglich meine Mailboxen zumüllen, lassen sich aber leider (noch) nicht wirksam bekämpfen, da viele von denen nicht in Europa ihren Sitz haben und daher nicht unter die europäische Gesetzgebung fallen und so auch schwer bekämpft werden können. Daher bin ich für den Plan der ENISA, solche unseriösen Netzwerke blosszustellen und auch rechtlich verfolgbar zu machen.

Ich bin daher -im Sinne eines fairen Wettbewerbs zu Gunsten der europäischen Firmen- für eine geregelte Spam-Gesetzgebung, die es europäischen Unternehmen ermöglicht, potentielle Kunden innerhalb Europas auch via Email zu kontaktieren (natürlich nicht täglich und verbunden mit der Möglichkeit durch Empfänger, die Bewerbung rechtsgültig abzulehnen).

Aber um dieses Thema wirklich lösen zu können, muss vor allem ein weltweites Verbot des Handels mit Post- oder Emailadressen angestrebt werden. Aber davon sind wir vermutlich noch meilenweit entfernt.

Zu diesem Thema habe ich übrigens hier bereits in den Jahren 2006 und 2008 Stellung bezogen.

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