Archiv für August 2015

Sonntag, 16. August 2015, von Elmar Leimgruber

Internet-Studie: Der digitale Deutsche und das Geld

Deutsche surfen durchschnittlich 40 Stunden pro Woche im Internet. Dies geht aus einer großangelegten Studie der deutschen Postbank hervor. Demnach sind die Berliner (50,6 h) am längsten im Netz unterwegs, während sich die Bayern (36 h) eher als Internet-Muffel entpuppen.

Deutschlandweit ist laut Studie die Kommunikation über Online-Kanäle in den vergangenen zwölf Monaten gestiegen. Dies sind Ergebnisse der Postbank Studie „Der digitale Deutsche und das Geld“. Dafür wurden mehr als 6.000 Bundesbürger befragt; darunter 3.000 Vertreter von besonders digital-affinen Zielgruppen.

Mit knapp 52 Stunden verbringen die 18- bis 24-Jährigen die meiste Zeit im Netz. Doch auch die Altersgruppe 60plus kommt auf fast 30 Stunden. Männer und Frauen verbringen dabei etwa gleich viel Zeit online. Das meistgenutzte Gerät zum Surfen ist der Laptop, den 68 Prozent der Befragten verwenden.

Der Siegeszug des Smartphones scheint jedoch unaufhaltsam: 57 Prozent aller Deutschen gehen damit bereits mobil online, insgesamt 18 Stunden pro Woche. Bei den besonders technik-affinen Deutschen, den so genannten Digital Natives und den Early Adopters, ist das Smartphone mit 84 Prozent Nutzung bereits die erste Wahl. Auch Tablet-PCs sind auf dem Vormarsch: 32 Prozent der Deutschen und 44 Prozent der digitalen Trendsetter nutzen sie regelmäßig, so die Studie.

Auch privat kommunizieren die Deutschen über mehrere digitale Kanäle. Überraschendes Ergebnis der Studie: Die klassische SMS ist als privater Kommunikationskanal weiter beliebt, fast zwei Drittel der digitalen Deutschen nutzen sie zum Austausch mit Familie und Freunden. Am häufigsten wird aber per Instant Messenger wie z.B. WhatsApp (73 Prozent) kommuniziert, gefolgt von E-Mail (67 Prozent) und Social Media (65 Prozent).

34 Prozent aller Bundesbürger geben an, heute öfter online zu kommunizieren als noch vor einem Jahr. Bei den digitalen Trendsettern ist das sogar bei jedem Zweiten der Fall. „Ein Ende dieser Entwicklung ist hier noch nicht in Sicht, aber der Trend wird sich wahrscheinlich verlangsamen“, sagt Laucks. Die Postbank Studie zeigt nämlich noch eine andere Entwicklung: Bei vielen Deutschen steigt der Wunsch nach persönlichem Kontakt. So sind 64 Prozent der Meinung, dass durch die steigende Online-kommunikation die Qualität persönlicher Beziehungen leidet. 53 Prozent lehnen es ab, ständig erreichbar zu sein. Auch die technik-affinen Bundesbürger sehen nicht nur Vorteile in der digitalen Kommunikation: 61 Prozent von ihnen befürchten, dass persönliche Beziehungen beeinträchtigt werden könnten.

„Die Studienergebnisse verdeutlichen, dass die Menschen in Deutschland noch dabei sind, das für sie subjektiv passende Maß an digitaler Kommunikation zu definieren. In Bezug auf ihre Bankgeschäfte ist aber heute schon klar, dass Menschen ein durchdachtes Multikanal-Angebot erwarten. Dieser Trend wird sich fortsetzen“, so Laucks.

Hintergrundinformationen zur Postbank Studie „Der digitale Deutsche und das Geld“:

Mit der Studie „Der digitale Deutsche und das Geld“ untersucht die Postbank, wie sich die Bedürfnisse und das Verhalten moderner Bankkunden verändern und was die Bank der Zukunft leisten muss. Das zugrunde liegende Studiensetting ist einzigartig: Insgesamt wurden über 6.000 Bundesbürger befragt, die in zwei Gruppen aufgeteilt sind: 1. Digitale Vorreiter, die für den Bankkunden der Zukunft stehen; 2. die Gesamtbevölkerung, die den Bundesdurchschnitt repräsentiert.

1. Die digitalen Vorreiter: Sie bestehen aus 3.000 Menschen, die besonders onlineaffin sind. 2.000 Personen dieser Zielgruppe gehören den so genannten Digital Natives an. Das sind die heute 18 bis 34-Jährigen, die mit dem Internet und Handys aufgewachsen sind. Dazu wurden 1.000 sogenannte Early Adopters gefragt, die altersunabhängig besonders technikaffin sind und sich immer die neuste Technik anschaffen.

2. Der Bundesdurchschnitt: Um die Ergebnisse der digitalen Zielgruppe bewerten zu können, wurde eine Vergleichsbefragung unter über 3.000 Bundesbürgern ab 18 Jahren durchgeführt, die den Bundesdurchschnitt repräsentieren. Diese Gruppe ist nach statistischen Merkmalen wie Alter, Geschlecht, Bundesland, Familienstand, Haushaltsnettoeinkommen etc. repräsentativ.

Donnerstag, 13. August 2015, von Elmar Leimgruber

Sicherheit für Fahrgäste: ÖBB-Betriebsrat fordert Zugbegleiter in S-Bahnen

Dass S-Bahnen in Österreich meist schaffnerlos unterwegs sind, verunsichert schon seit längerer Zeit nicht nur viele Bahnkunden, sondern ruft mittlerweile auch den Betriebsrat der ÖBB auf den Plan: Weil diese „Einsparungen“ Service und Sicherheit der Fahrgäste gefährdeten, fordert der ÖBB-Betriebsrat nun Zugbegleiter auch in den S-Bahnen.

Wenn selbst ein ÖBB-Sprecher bloss den allerersten Einstieg als sicher bezeichne, sei es höchst an der Zeit, gewisse „Sparmaßnahmen“ zu überdenken:

„Es war absehbar, dass sich die Beschwerden der Fahrgäste häufen werden“, erklärt ÖBB-Konzernbetriebsratsvorsitzender Roman Hebenstreit. „Das ist die direkte Folge von Sparmaßnahmen, die wir BetriebsrätInnen immer schon kritisiert haben“, betont der Gewerkschafter. Laut den Aussagen des ÖBB-Pressesprechers in der Wiener Zeitung sei nur bei der ersten Tür ein sicherer Aus- und Einstieg möglich, weil hier der Triebwagen vom Lokführer noch überblickt wird – es stellt sich die Frage, was dies für den hinteren Zugteil bedeutet? „Ohne Zugbegleiter ist dort offenbar kein sicherer Fahrgastwechsel gewährleistet. Dieses Eingeständnis deutet auf ein umgehend zu lösendes Problem hin“, so Hebenstreit.

„Wenig überrascht“ zeigt sich Hebenstreit über die Kritik an den ÖBB im heute veröffentlichten Bericht der „Wiener Zeitung“ über das Reisen mit Kinderwägen in den S-Bahn-Garnituren der Baureihe 4020. „Früher gab es in diesen Zügen ZugbegleiterInnen, die die Züge am Bahnsteig überblickt haben, den Fahrgästen mit Kinderwägen beim Ein- und Aussteigen behilflich sein konnten und somit für den sicheren Fahrgastwechsel sorgten“, erinnert Hebenstreit.

Darüber hinaus sorgen ZugbegleiterInnen auch während der Fahrt für Ordnung und die Sicherheit der Fahrgäste, etwa im Fall von Übergriffen oder Vandalismus. Diese wichtige Position sei in der Vergangenheit jedoch durch das Diktat der leeren Kassen gerade im Wiener S-Bahn-Bereich in weiten Teilen dem Sparstift zum Opfer gefallen. Das Ergebnis ist eine Verschlechterung der Servicequalität für die KundInnen, wie der Zeitungsbericht beweist. „Unsere Position als Belegschaftsvertretung ist eindeutig: Wir fordern, dass die Züge wieder mit ZugbegleiterInnen besetzt werden.“ Erste Gespräche mit dem Unternehmen haben bereits stattgefunden, jedoch sei noch kein Ergebnis erzielt worden.

Mittwoch, 12. August 2015, von Elmar Leimgruber

Familienverband: Ja zu Schulautonomie aber nein zu Ganztagsschulenpflicht

Mehr Schulautonomie ja, aber nicht auf Kosten der Familien, plädiert der Katholische Familienverband für Wahlfreiheit von Eltern und Schülern. Die von Bildungsministerin Heinisch-Hosek großräumig geplante Einführung der Gesamtschule behindere nämlich jene Familien, welche am Nachmittag selbst ihre Kinder betreuen wollten. Der Katholische Familienverband begrüßt zwar die Forderung nach mehr Autonomie für die Schulen, übt jedoch Kritik an der Einführung der verschränkten Ganztagsschule.

Positiv und zustimmend reagiert Astrid Ebenberger, Vizepräsidentin des Katholischen Familienverbandes auf die Forderung von Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek nach mehr Autonomie für die Schulen: „Es ist wichtig, dass Standorte gestärkt werden indem sie etwa mehr Freiheit in der Gestaltung der Stundenpläne oder bei der Auswahl des Lehrpersonals haben“, so Ebenberger.Heftige Kritik gibt es von der Bildungsexpertin des Katholischen Familienverbandes an der Forderung nach der verschränkten Ganztagsschule: „Die verschränkte Ganztagsschule bedeutet auch Anwesenheitspflicht am Nachmittag für die Schüler“, gibt Ebenberger zu bedenken. Damit wäre die Nachmittagsbetreuung durch die eigenen Eltern aber auch durch die Großeltern unmöglich. Ebenberger fordert daher: „Die Politik sollte nicht durch Zwangsmaßnahmen versuchen, in das Familienleben einzugreifen!“

„Auch wenn die verschränkte Ganztagsschule durch abwechselnde Lern- und Erholungsphasen auf den Biorhythmus der Schüler und Schülerinnen Rücksicht nimmt, muss sie ein Angebot bleiben und darf nicht verpflichtend sein“, kritisiert die Vizepräsidentin. „Die Wahlfreiheit muss erhalten bleiben, Eltern und Kinder müssen selbst entscheiden können, welche die geeignete Schulform für sie und ihre Lebenssituation ist!“, so Ebenberger abschließend.

Sonntag, 9. August 2015, von Elmar Leimgruber

Studie: Mittelstand entgehen 46 Milliarden Umsatz

Der deutsche Mittelstand nimmt sich selbst zu wenig ernst und unterschätzt seine Bedeutung für die Wirtschaft. Dies geht aus einer aktuellen Studie des internationalen Unternehemensberatung A.T. Kearney hervor. Dem deutschen Mittelstand könnte demnach bis 2020 ein Umsatzpotenzial von jährlich 46 Milliarden Euro entgehen.

„Mittelstand=mittelwichtig?“ lautet der Titel der Publikation, die fehlende Veränderungsbereitschaft als größtes Wachstumshemmnis betrachtet. Die Untersuchung von A.T. Kearney in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut TNS Emnid basiert auf einer Befragung von mehr als 100 Führungspersönlichkeiten aus dem Mittelstand und nutzt Daten des Statistischen Bundesamtes und der Stiftung Familienunternehmen.

„Der Mittelstand ist Herz und Motor der deutschen Wirtschaft. Er hat großes Potenzial auch in Zukunft die starke Mitte zu bilden, wenn alle Beteiligten Mut zur Veränderung zeigen und der Staat Bürokratie abbaut“, sagt Martin Sonnenschein, Managing Partner Central Europe bei A.T. Kearney. „Aktuell sind nur 14 Prozent der Top 50 des Mittelstandes in Zukunftsbranchen tätig. Nur 6 Prozent von diesen Unternehmen sind in den letzten 50 Jahren gegründet worden. Das muss sich ändern.“.

Eingebettet ist die Untersuchung in die Zukunftsstudie von A.T. Kearney „Deutschland 2064 – Die Welt unserer Kinder“: Der Mittelstand ist einer der fünf zentralen Themenbereichen in den kommenden fünf Jahrzehnten. „Unternehmen könnten 9 Milliarden Euro zusätzlich generieren“, erläutert Götz Klink, Partner bei A.T. Kearney und Mittelstandsexperte. „Das restliche Umsatzpotenzial von 35 Milliarden Euro erfordert, dass Mitarbeiter, Gesellschaft und Staat an einem Strang ziehen und mehr Zukunft wagen.“

Viele bestehende Unternehmen investieren laut A.T. Kearney zu wenig in die Zukunft. Während die Mehrzahl der deutschen Ökonomen Investitionen in Wachstum grundsätzlich für notwendig hält, erkennt nur jeder vierte Mittelständler diese Notwendigkeit.

Gleichzeitig entstehen zu wenig neue Unternehmen: Es fehlt es an einer starken Gründerkultur. Gut jeder dritte Studierende würde am liebsten im öffentlichen Dienst arbeiten. 72 Prozent der jungen Deutschen wollen kein Unternehmer werden. 40 Prozent der Deutschen halten ihr Land für unternehmerunfreundlich. Zwei Drittel der Deutschen misstrauen Innovationen. „Dieses gesellschaftliche Klima schafft keinen gesunden Nährboden für Unternehmertum und Innovationsfähigkeit“, so Mittelstandsexperte Klink.

Gleichzeitig, so die Untersuchung, erfordern die Globalisierung, kürzer werdende Produktlebenszyklen und steigende Kundenbedürfnisse, dass auch Kunden, Lieferanten, branchenfremde Experten, Studierende oder Gründer in den Innovationsprozess einbezogen werden. „Ein elementarer Bestandteil des Innovationsprozesses sind Netzwerke“, erläutert Klink. „Aber die Vernetzung zwischen mittelständischen Unternehmen innerhalb einer Branche oder mit spezialisierten Forschungseinrichtungen ist oft sehr regional geprägt. Hier wäre mehr auch globaler Weitblick erforderlich.“

Ein weiteres wichtiges Element ist ein neues Rollenverständnis der Arbeitnehmer, denen oftmals die emotionale Bindung zum Arbeitgeber fehlt. Dazu könnten Unternehmen beitragen, indem sie mehr Mitarbeiter am Kapital beteiligen, flachere Hierarchien einbauen, selbstverantwortliches Handeln zulassen und die Beschäftigten in Entscheidungsprozesse einbinden.

Würde der Staat mehr gestalten und weniger verwalten, könnte das dem deutschen Mittelstand ein zusätzliches Umsatzpotenzial von 13 Milliarden Euro im Jahr bringen. 70 Prozent der Mittelständler halten die politischen Rahmenbedingungen und 90 Prozent die Verwaltung für eine Innovationshürde.

Wir brauchen Risikobereitschaft, Trendgespür und Pioniergeist, “ resümiert Sonnenschein. „Wenn alle beteiligten Akteure an diesen Schrauben drehen, sehe ich der Zukunft des Mittelstands und von Deutschland insgesamt positiv entgegen.“

Diese A.T. Kearney-Studie ist hier online abrufbar.

Donnerstag, 6. August 2015, von Elmar Leimgruber

Türkei: Journalisten angeklagt -DJV protestiert

In der Türkei sind aktuell 18 Journalisten wegen „terroristischer Propaganda“ angeklagt. Ihr einziges „Verbrechen“ besteht jedoch aus Sicht des Deutschen Journalisten Verbands (DJV) darin, dass sie ihren Job erledigen, also berichten. Die 18 Journalisten, darunter der Chefredakteur der Zeitung Cumhuriyet, müssen sich vor der Justiz verantworten, weil sie Fotos einer tödlich verlaufenen Geiselnahme veröffentlicht hatten. Daraus konstruierte die Istanbuler Staatsanwaltschaft den Vorwurf der terroristischen Propaganda, die mit bis zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis geahndet wird.

Der Deutsche Journalisten-Verband fordert die türkische Justiz daher auf, die Klagen gegen 18 Journalisten wegen angeblicher terroristischer Propaganda fallen zu lassen. „Die Geiselnahme des türkischen Staatsanwalts, über die die Journalisten berichtet hatten, war von großem öffentlichen Interesse“, sagte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. Darüber zu informieren sei die Aufgabe von Journalistinnen und Journalisten. „Dass die Berichterstatter dafür verurteilt werden sollen, ist ein krasser Verstoß gegen die Pressefreiheit.“ Der Prozess gegen die betroffenen Kollegen sei eine Farce, die sofort beendet werden müsse.