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	<title>Elmar Leimgruber &#187; Medienaufsicht</title>
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		<title>Reporter ohne Grenzen: Merkel sei hart zu Putin! (Info und Kommentar)</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Apr 2013 09:54:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elmar Leimgruber</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>INFO: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel soll bei  ihrem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am Sonntag  (7. April) ihre Sorge um die zunehmende Kontrolle des Internets in  Russland zum Ausdruck zu bringen, forert &#8220;Reporter ohne Grenzen&#8221; (ROG). „Die neuen Regeln, die angeblich  Kinder und Jugendliche schützen sollen, sind so schwammig formuliert,  dass sie leicht gegen Oppositionelle und kritische Medien benutzt werden  können“, sagte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr in Berlin. „Es ist  hochproblematisch, wenn einige wenige Beamte darüber entscheiden, welche  Seiten sich Nutzer anschauen dürfen und welche nicht.“<span id="more-14651"></span></p>
<p>Seit November 2012 führt laut ROG die russische Medienaufsichtsbehörde Roskomnadsor eine schwarze Liste von Webseiten, die Internetprovider im Land blockieren müssen (<a title="Internetzensur" href="http://www.redakteur.cc/?s=Internetzensur" target="_blank">Internetzensur</a>).  Offiziell dient sie dem Jugendschutz und soll Pornografie und Themen wie  Drogenkonsum oder Selbstmord aus dem Netz fernhalten. Doch schon kurz  nach dem Start fanden sich darauf auch Seiten von Oppositionellen und  angeblichen Extremisten. So sperrte der  russische Blog-Anbieter Live Journal im Februar das Konto von Michael  Jakowlew, dem Oppositionsführer in Russlands siebtgrößter Stadt Omsk.  Kurz zuvor hatte der Youtube-Beitreiber Google vor einem Moskauer  Gericht gegen die Sperrung eines angeblich jugendgefährdenden Videos geklagt.</p>
<p>Mehr als 2000 Seiten finden sich Angaben der russischen Piratenpartei zufolge inzwischen auf  der schwarzen Liste. Vor allem Seiten über Homosexualität und  „Extremismus“, Glücksspiel und Drogen seien in den vergangenen Monaten  gesperrt worden, so der russische Journalist Andrej Soldatow. Er hat sich mit seiner Webseite <em>Agentura.ru</em> auf Überwachung und Geheimdienste spezialisiert und dokumentiert akribisch alle bekannten Fälle von Internetzensur. Soldatow berichtet von einem Experiment in der  Region Kostroma, wo lokale Internetprovider ihren Nutzern nur noch  Zugang zu einem „gesäuberten“ Internet anböten.</p>
<p>Doch es sind  nicht nur strenge Internetgesetze, die die Pressefreiheit in Russland  bedrohen. Im März verabschiedete das Parlament ein Gesetz, das den  Gebrauch von Schimpfwörtern in den Medien verbietet und dafür bis zu  5000 Euro Strafe vorsieht. Dies hielt selbst die russische Regierung für  so unpräzise, dass sie die Abgeordneten bat, das Gesetz noch einmal zu  überarbeiten. Im November 2012 hatten Abgeordnete der Regierungspartei  Einiges Russland versucht, das umstrittene Agentengesetz von  Nichtregierungsorganisationen (NGOs) auf Medien auszuweiten. Medien, die über  russische Politik berichten und sich zu 50 Prozent aus dem Ausland  finanzieren, müssten sich als ausländische Agenten registrieren,  forderten sie in ihrem Gesetzvorschlag.</p>
<p>Nur wenige Medien wagen in dieser Lage noch offene Kritik an der Regierung. Zu ihnen gehören der Internet-Sender <em>Doschd TV</em>, die Boulevard-Zeitung <em>Moskowski</em> Komsomolez, die Zeitung <em>Nowaja Gaseta </em>und der Radiosender <em>Echo Moskwy</em>. Auf der ROG <a title="ROG-Rangliste der Pressefreiheit 2013" href="http://www.redakteur.cc/rog-ranking-pressefreiheit-2013/" target="_blank">Rangliste der Pressefreiheit</a> steht Russland auf Platz 148 von 179 – nur zwei Plätze vor dem Irak. <em>Nowaja Gaseta</em>-Chefredakteur Dmitri Muratow zeichnete zum 20-jährigen Jubiläum seiner Zeitung ein entsprechend düsteres Bild:  In Russland habe die Presse ihre grundlegende Aufgabe aufgegeben, die  Mächtigen zu kontrollieren. „Heute kontrollieren die Medien eher die  Bevölkerung“, so Muratow.</p>
<p>KURZKOMMENTAR: <em>Sicher ist es notwendig, dass gegen Internetzensur aufgetreten wird. Dies gilt auch und im Besonderen für Russland. Und sicher ist es auch sinnvoll, dass &#8220;Frau Europa&#8221; <a title="Angela Merkel plädiert für Pressefreiheit" href="http://www.redakteur.cc/merkel-verteidigt-meinungs-und-pressefreiheit/" target="_blank">Angela Merkel (CDU), die sich immer wieder für Pressefreiheit</a> eingesetzt hat, hier beim russischen Machthaber auftritt. Aber mindestens genauso notwendig wäre es, dass das, was ROG von Merkel verlangt, auch von Deutschlands Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) erwartet wird, der immerhin nun in Diensten Putins steht.</em></p>
<p><em>Und bei aller berechtigten Kritik Russland gegenüber sollte nicht vergessen werden, dass Internet-Überwachung und -Zensur inzwischen auch im &#8220;freien&#8221; Europa auf der Tagesordnung steht und dies hier nicht nur toleriert, sondern offensichtlich sogar erwünscht ist. Erinnert sei hier beispielsweise an die fast kritiklose Umsetzung von Internetkontrollmaßnahmen durch das als besonders liberal geltende Frankreich. <a title="UNO fordert Internet-Totalkontrolle" href="http://www.redakteur.cc/uno-fuer-internet-ueberwachung/" target="_blank">Ebenfalls fragwürdig in diesem Zusammenhang ist auch, dass bekanntlich selbst die Vereinten Nationen (UNO) eine weltweite Kontrolle des Internet fordern.</a> Es wäre daher angemessen, dass Reporter ohne Grenzen auch hier mahnt.</em></p>
<p><em>Und noch eine grundsätzliche Frage sei abschließend gestattet: In welchem (auch westlichen) Land manipulieren und kontrollieren nicht &#8220;öffentliche Meinung&#8221; und Medien die Bevölkerung?</em></p>
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